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Der Pilgerzug nach Mekka : morgenländische Sagen und Erzählungen / von F. W. Hackländer
Entstehung
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trübniß und einem Kummer erfüllt war, deren Urſache ſie ſich nicht erklären konnte.

Prinz Abdallah ließ dem Emir el Hadſch und ſeiner Tochter die prächtigſten Zelte einräumen, worauf er ſich von ihnen beurlaubte und mit einer großen Anzahl Reiter nach der Pilgerkaravane zurückkehrte, wo er Alles in der größten Unruhe und Aufregung antraf.

b Schon hatte ſich dort durch einige Reiter, die in der Nacht von Kairo angekommen waren, die Nachricht von der Thronbeſteigung des V

neuen Kalifen Almanſors verbreitet, und der größte Theil der Kara⸗ vane war über dieſe Nachricht in Freude und Entzücken ausgebrochen. Hiezu kam aber plötzlich die Schreckenskunde, daß der Emir el Hadſch in der Nacht verſchwunden ſei, daß man ſeinen Leibneger Haſſan er⸗ mordet gefunden habe und wie ein Blitz durchlief ein Gerücht das Lager, daß das Oberhaupt der Derwiſche auf Befehl des verſtorbenen Kalifen den Emir el Hadſch gefangen genommen habe.

Das Volk, das den Emir wegen ſeiner Großmuth und ſonſtiger guten Eigenſchaften ſehr liebte, gerieth darüber in Aufruhr und ver⸗ ſammelte ſich ſchaarenweiſe vor den Zelten der Derwiſche, indem es mit wüthenden Worten und ſchrecklichen Drohungen die Herausgabe des Emirs verlangte. Umſonſt betheuerte der Imam, er wiſſe nichts von ihm und bot dem empörten Volke an, man ſolle ſeine Zelte durchſuchen. Vergebens, denn auch ſchon unter den Sclaven des Imams hatte ſich ein Verräther gefunden, der ausgeſagt, daß man geſtern den Tod des Emirs beſchloſſen und daß Haſſan, der Neger, abgeſchickt worden ſei, um ſeinen Herrn zu vergiften.

Dieſe Kunde brachte das Volk in vollkommene Empörung. Man riß das Zelt des Imams und aller der Derwiſche, welche bei jener Verhandlung zugegen geweſen waren, in Stücke, und wenn ſich nicht einige angeſehene Männer auf's Eifrigſte und Nachdrücklichſte für die Derwiſche ſelbſt verwendet hätten, ſo würde es ihnen ebenſo ergangen ſein.

Doch ſo ſehr ſich auch Prinz Abdallah bemühte, das Volk zu beruhigen, indem er verſicherte, daß dem Emir kein Leides geſchehen ſei, ſo konnte er doch nicht verhindern, daß aus einem der dichten

Haufen, welche die Zelte der Derwiſche umſtanden, ein Piſtolenſchuß auf das Oberhaupt derſelben geſchah, der den Imam todt zu den Füßen des Prinzen niederſtreckte.

Wie es denn nun gewöhnlich bei ſolchen Sachen geht, daß oft

mit dem Tod eines einzigen Menſchen ſeine ganze Partei auseinander⸗

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