Druckschrift 
Der Pilgerzug nach Mekka : morgenländische Sagen und Erzählungen / von F. W. Hackländer
Entstehung
Einzelbild herunterladen

*

198

hinderten mich die Wachen daran. Bei dem Propheten flehe ich Dich an, o Herr, laß mich mit Dir in Dein Gezelt treten und in Deiner Nähe bleiben. Vielleicht daß ich ein Unheil, das Dir droht, von Deinem Haupte abwenden könnte.

Der Emir el Hadſch, der von den Vorfällen dieſer Tage ſehr beſtürzt war, bewilligte dem jungen Araber gern ſeine Bitte und nahm ihn mit ſich in ſein Zelt. Hier ließ er ihn niederſitzen und klatſchte dreimal in die Hände, worauf auch alsbald der Leibneger Haſſan er⸗ ſchien und ſich tief verneigend in dem demüthigſten Tone fragte, was zu ſeines Herrn Befehl wäre? Der Emir verlangte Pfeife und Scherbet und Haſſan entfernte ſich augenblicklich, um Beides zu beſorgen.

Mit funkelnden Augen hatte der junge Araber unabläßig in das Geſicht des Negers geſpäht, und als dieſer jetzt wieder mit den ver⸗ langten Pfeifen und dem Scherbet eintrat, folgte er mit der größten Aufmerkſamkeit allen ſeinen Bewegungen. Der Emir nahm ſeine Pfeife und der junge Araber, der nahe zu ihm hingerückt war, lehnte die ſeinige neben ſich hin, indem es ſchien, als ſei er begierig, zuerſt einen Schluck von dem Trank zu nehmen, den ihm der Neger dar⸗ reichen würde.

Haſſan verbeugte ſich vor ſeinem Herrn, indem er ihm die Scher⸗ betſchaale darreichte, und der Emir nahm eine davon. Doch kaum hatte er eine Bewegung gemacht, ſie an ſeine Lippen zu ſetzen, als der junge Mann plötzlich emporſprang, den Neger ergriff und ihn unter dem Ausrufe:Trink nicht, o Herr, trink nicht, es iſt vielleicht Gift darin! zu Boden warf. Leichenblaß ließ der Emir die Hand mit der Schaale niederſinken, ſo daß der Scherbet herausfloß. Doch ſein Geſicht nahm einen noch größeren Ausdruck des Schreckens an, als er jetzt in dem Gefäß einen weißen zuckerartigen Stoff erblickte, den ſein an ſolche Sachen gewöhntes Auge ſogleich als Gift erkannte. Geſtehe, rief der Araber dem Neger zu, der ſich unter der mäch⸗ tigen Fauſt des jungen Mannes wand, geſtehe, warum haſt Du Deinen Herrn vergiften wollen?

Obgleich Hacan bei dieſer Frage die Lippen auf einander biß und dumpf vor ſich hinſtarrte, ſo wußte ihn doch der Araber ſo mit Drohungen in die Enge zu treiben, daß er nach wenig Augenblicken Alles geſtand, und zähnklappernd erzählte, daß ihm das Oberhaupt der Derwiſche zu dieſem Schritt überredet, daß des Emirs Tod be⸗ ſchloſſen ſei, und wenn auch ſein Anſchlag mißglückt wäre, ſo möge