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Der Pilgerzug nach Mekka : morgenländische Sagen und Erzählungen / von F. W. Hackländer
Entstehung
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alſo zögern, um einen Mann unſchädlich zu machen, der uns in das Verderben führen wird. Ich ſtimme für ſeine Gefangenſchaft oder ſeinen Tod.

Und auch wir, ſagten die anderen Derwiſche.Gefangenſchaft oder Tod!

In dieſem Augenblick öffnete ſich langſam der Vorhang des Zeltes und das ſchwarze Geſicht des Negers Haſſan blickte herein. Er ver⸗ beugte ſich tief vor dem Imam und ſprach dann haſtig aber mit leiſer Stimme:Verzeih mir, o Herr, daß ich Euch ſtöre, aber ich komme nur, um Dir eine neue Meldung zu machen, die Dich in Schrecken verſetzen wird. Schon heute Nachmittag bemerkte ich am fernen Ho⸗ rizont leichte Staubwolken, die von Zeit und Zeit aufſtiegen, aber anfänglich achtete ich nicht darauf. Doch als die Sonne ſank und ihre letzten Strahlen über die Ebene hinwarf, zuckten aus jenen Sand⸗ wolken einzelne Blitze empor, die meinem geübten Auge verriethen, daß ſich zahlreiche Reiterſchaaren der Caravane näherten. Ich blieb auf meiner Hut und hörte auch bald nachher, als die Nacht herauf⸗ geſtiegen war, in der Ferne deutlichen Hufſchlag, der immer näher kam. O Herr, meine Vermuthung hat ſich nicht getäuſcht, denn ſo eben rückten in aller Stille zwei große Züge Beduinen heran, die ſich, als ſei es verabredet, geräuſchlos bei unſern Zelten lagerten.

Dieſe Nachricht des Negers brachte bei den Derwiſchen keine ge⸗ ringe Beſtürzung hervor, und als gleich darauf die Berathſchlagung über den Emir fortgeſetzt wurde, beſchloß man einſtimmig ſeinen Tod, der noch in dieſer Nacht erfolgen ſollte, und Haſſan, der ungetreue Diener, ſollte dieſen Beſchluß ausführen.

Während ſich dies begab, ſchritt der Emir el Hadſch ſeinen Zelten zu, und da er wohl wußte, daß in der jetzigen Zeit eine verdoppelte Wachſamkeit nöthig wäre, ging er um ſeine Zelte herum, um nach den ausgeſtellten Wachen zu ſehen; doch wie erſtaunte er, als er ſah, daß hinter denſelben eine große Menge Beduinen gelagert war. Er bemerkte trotz der Dunkelheit ihre weißen Mäntel und das Leuchten ihrer Säbel und Lanzenſpitzen. Eilig wandte er ſich um und trat in das Zelt, wo jener junge Araber bewacht wurde.

Beim Eintritt des Emirs erhob ſich dieſer raſch von ſeinem Lager und ſagte zu ihm:Dank ſei dem Propheten, o Herr, daß er Dich zu mir geſandt. Ich war in großer Sorge und Bekümmerniß, und habe umſonſt heute Abend verſucht, zu Dir zu gelangen; doch ver⸗

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