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Die Erzählung des alten Mannes hatte für eine kurze Zeit die trüben Gedanken verſcheucht, welche das Herz des Emir el Hadſch erfüllten, doch als er jetzt von dem Feuer aufſtand und allein ſeinen Zelten zuſchritt, war er trauriger als je geſtimmt, denn er konnte nicht abſehen, wie das Gewitter, welches ſich über ſeinem Haupte zu⸗ ſammenzog, abzuleiten ſei. Es herrſchte heute Nacht nicht wie ſonſt zu ſo ſpäter Zeit eine allgemeine Ruhe und Stille in dem Lager, ſondern die meiſten der Feuer brannten noch, und faſt überall ſah man, daß die Leute in den Zelten noch wachten, und eifrig zuſammen⸗ ſprachen. Die Kunde von dem Ueberfall der Araber hatte ſich mit Blitzesſchnelle durch das ganze Lager verbreitet und erregte die mannig⸗ faltigſten Bewegungen. Hier war es Hoffnung auf eine beſſere Zeit, welche dieſen und jenen antrieb, ſtch für die Zukunft die glänzendſten Luftſchlöſſer zu bauen. Dort hielt die Furcht die Leute beiſammen, und ſie erzählten ſich von dem Unheil, das durch einen dauernden Krieg mit den Arabern herbeigeführt würde. Am lebhafteſten und unruhigſten ging es aber heute Nacht in den Zelten der Derwiſche zu, und be⸗ ſonders in dem ihres Oberhauptes, der ſich mit einigen ſeiner Unter⸗ gebenen berathſchlagte, was in dieſer drohenden Gefahr zu thun ſei; denn wie der alte Mann am Feuer heut Abend erzählt, hatte ihm jener Mameluk, der auch dem Emir den Befehl des Kalifen, augen⸗ blicklich zurückzukehren, überbracht, heimlich einen Ferman überreicht, worin ihm befohlen wurde, alle Schritte des Emirs zu bewachen, und im Fall derſelbe nicht augenblicklich gehorche, zu den äußerſten Mitteln zu greifen, und ihn gefangen zu nehmen, oder im Nothfalle ſogar zu tödten.
Ueber dieſen Ferman berathſchlagte ſich das Oberhaupt der Der⸗ wiſche und dieſer, der einen unerſättlichen Ehrgeiz beſaß, und gern das Commando der Karavane an ſich geriſſen hätte, ſetzte ſeinen Untergebenen gerade in einer langen Rede auseinander, wie nothwendig es ſei, den Emir noch in dieſer Nacht von ſeinem Poſten zu entfernen, da er keine Miene mache, die Karavane zurückzuführen.„Der Prophet ſei mein Zeuge,“ ſprach der Imam,„aber es ſind die augen⸗ ſcheinlichſten Beweiſe da, daß der Emir auf Verrath gegen unſern Herrn, den Kalifen, ſinnt. Hat mir doch der eigene Haushofmeiſter und Leibdiener deſſelben, der Neger Haſſan, die Mittheilung gemacht, daß er einen vornehmen Araber von dem Stamme Almanſors, unſers mächtigſten Feindes, bei ſich verborgen hält. Warum ſollten wir


