Druckschrift 
Der Pilgerzug nach Mekka : morgenländische Sagen und Erzählungen / von F. W. Hackländer
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Tag, der ihn von der Höhe des Glücks ſo tief hinabgeſtürzt hatte. Dabei ſiel ihm auch der Traum ein, den er in der vergangenen Nacht gehabt und er geſtand ſich ſelbſt, daß ſeine Unbeſonnenheit und ſein Leichtſinn grenzenlos und unerlaubt ſei. Ach, dachte er, wenn mir das Glück noch einmal lächeln ſollte, ich würde es ganz anders be⸗ nutzen. Wie undankbar bin ich nicht gegen meinen Wohlthäter, das arme Pferd geweſen, indem ich ihm nicht gefolgt, als es durch ſeine Bewegungen den Wunſch ausſprach, ſeinen Stall und wahrſcheinlich die Stadt zu verlaſſen. O wär' ich ihm doch gefolgt. Ich wäre jetzt wahrſcheinlich ein freier und glücklicher Menſch. Doch ſchien ſeine Reue zu ſpät zu ſein und ſein Kerker war und blieb verſchloſſen. Er wand ſich in Kummer und Betrübniß auf ſeinem Lager umher und da er von den Vorfällen des Tages an Leib und Seele erſchöpft war, kam alsbald der mitleidige Schlaf und ſchloß ihm die Augen.

In der Mitte der Nacht wurde er plötzlich durch ein Geräuſch geweckt, und es ſchien ihm, als wenn eine Maus an ſeinem Kopfe im Stroh umher raſchelte. Er öffnete die Augen und ſah verdrießlich um ſich her. Doch wie ward ihm plötzlich, als er dieſelbe Stimme wie in der vergangenen Nacht vernahm, welche zu ihm ſprach:Noch einmal kehrt das Glück zu Dir zurück, doch ſei dießmal weiſer und folge mir.

Erſtaunt und erfreut blickte er auf und ſah wirklich eine Maus, aus deren Munde die Worte zu kommen ſchienen. Raſch ſprang er auf und folgte dem Thierchen, das in eine Ecke des Gefängniſſes lief, wo ein ſtarkes Eiſengitter eine große Oeffnung verdeckte. Kaum be⸗ rührte die Maus daſſelbe, ſo öffnete es ſich und Ibrahim ſäumte nicht, eilig hindurchzuſchlüpfen. Glücklich befand er ſich nun im Freien und ſah, daß er an einem tiefen Graben war, der das Gefängniß umgab. Auf der andern Seite kletterte die Maus empor, er folgte ihr eilig und befand ſich alsbald auf der freien Straße. Hier ſah er, daß das Thier plötzlich verſchwunden war, aber wer beſchreibt ſeine Freude, als er dagegen ſein altes Pferd erblickte, das ihm leiſe entgegen wie⸗ herte. Er ſäumte keinen Augenblick, ſich auf den Rücken deſſelben zu ſchwingen und alsbald jagte das treue Roß mit ihm von dannen.

Unaufhaltſam lief es mit ihm durch die langen Gaſſen von Da⸗ maskus; wo ſich eines der Thore befand, die in der Nacht geſchloſſen werden und die Straße verſperren, öffnete es ſich ſelbſt und ließ den

Reiter hindurch. So gelangten ſie in wenig Augenblicken vor die