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Der Pilgerzug nach Mekka : morgenländische Sagen und Erzählungen / von F. W. Hackländer
Entstehung
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dort von einigen Dienern der Gerechtigkeit auf's Sorgfältigſte bewacht. Freudig athmete er hier wieder auf und ſah ſich im Geiſte hier ſchon wieder in Freiheit geſetzt. Er war luſtig und guter Dinge und die einzige Bekümmerniß, die ihn zuweilen anwandelte, war nur die Furcht, man möge ihm am andern Tage. beim Anblick des vielen Goldes ſein koſtbares Pferd nehmen.

So kam die Nacht heran und Ibrahim warf ſich auf ſein Stroh⸗ lager, wo er alsbald in einen feſten Schlaf verfiel. Da träumte ihm, daß das Pferd ſeinen Kopf zu ihm niederſenkte und leiſe anfieng zu reden.Unbeſonnener junger Menſch! ſchien es zu ihm zu ſprechen, Dein Leichtſinn iſt Schuld, daß ſich das Glück, welches Dich ver⸗ folgt, beſtändig in Unglück umwandelt. Warum haſt Du nicht die Stadt verlaſſen und etwas gethan, um Dich der Gaben würdig zu machen, die du empfangen? Glaube mir, der Müßige und Unbeſonnene kann nie das Glück an ſich feſſeln. Wehe über Dich. So träumte Ibrahim und wälzte ſich unruhig auf dem Stroh umher. Doch als der Tag endlich anbrach, erwachte er heiter und guter Dinge, und ſprang auf, um das Gold aus der Krippe zu nehmen. Doch wer beſchreibt ſeinen Schrecken, als die Gerſte unangerührt wie geſtern in dem Troge lag, ohne daß nur die Spur eines Goldſtücks darunter geweſen wäre. Im erſten Augenblicke ſtand Ibrahim regungslos da, dann aber wühlte er verzweiflungsvoll in der Krippe umher, ſuchte unter derſelben, warf ſein Strohlager aus einander, aber umſonſt, es war nichts zu finden. Laut jammernd zerriß er ſeine Kleider und ſchrie in ſeinem Schmerze ſo laut, daß die Wachen eilig herbeiſtürzten, indem ſie glaubten, es ſei ihm ein Unglück widerfahren. Doch als ſie ſahen, wie ſich die Sache verhielt, zuckten ſie die Achſeln und riſſen den jungen Mann erbarmungslos von ſeinem Lager auf, und brachten ihn auf's Neue vor den Kadi.

Dieſer gerieth über die Lüge Ibrahims in einen heftigen Zorn, ſchalt ihn einen abgefeimten Betrüger und befahl, man ſolle ihn au⸗ 8⁸ genblicklich ins Gefängniß abführen.

Das Roß aber, welches ſeines ſchlechten Ausſehens halber Nie⸗ mand annehmen wollte, wurde vor die Stadt gebracht, und man ließ* es laufen, wohin es ihm beliebte.

In einen tiefen ſumpfigen Thurm hatte man den unglücklichen

jungen Mann geworfen, und als er ſich hier allein befand, dachte er über ſein vergangenes Leben nach, und über den letzten ſchrecklichſten