„Ja, Herr, das war ich,“ entgegnete Ibrahim,„aber beim Au⸗ genlichte des Propheten ſchwöre ich, daß jene ganze Summe“— „Schweig,“ fuhr der Kadi fort,„und antworte auf meine Fragen. Darauf hat Dich dieſer Kaufmann jenem alten Manne verkauft, bei welchem Du zwei Tage bliebeſt, und ihm alsdann verſicherteſt, einen Verwandten gefunden zu haben, der dich loskaufen wolle. Nenne mir Deinen Verwandten und ſage, wo er zu finden iſt?“
Natürlicherweiſe konnte der arme junge Menſch dieſen Vetter nicht nennen, und da in der ganzen großen Stadt Damaskus keine lebende Seele war, die ihn kannte, ſo war er auch nicht im Stande, einen andern Menſchen anzugeben, der ihm durch ſein Zeugniß hätte helfen können. Doch gewann hierdurch die Anklage des Kaufmanns an Glaub⸗ würdigkeit und als der Kadi einige Male vergeblich nach dem Namen dieſes Vetters gefragt, zeigte er ihm die Goldſtücke vor, die der Alte bei ſich hatte, und fragte ihn, ob er ſie für dieſelben erkenne, die er jenem für ſeine Freiheit bezahlt.
Da Ibrahim dies nicht leugnen konnte, ſo mochte er ſeine Un⸗ ſchuld ſo viel wie möglich betheuern, es war Alles vergebens. Der Kadi verurtheilte ihn zu einer großen Anzahl von Hieben auf die Fuß⸗ ſohlen und zu vielen Jahren Gefängniß, im Fall es ihm nicht möglich ſei, glaubwürdige Männer zu bringen, die ihm bezeugen können, daß er das Geld auf rechtmäßige Weiſe erworben.
Was ſollte Ibrahim nun machen? So feſt er ſich anfänglich vor⸗ genommen hatte, nichts von dem Geheimniſſe ſeines Pferdes zu ſagen, ſo ſah er doch jetzt wohl ein, daß dieß das einzige Mittel wäre, ſich vor einer ſchmählichen Strafe zu bewahren, worauf er dann nach ei⸗ niger Ueberlegung dem Kadi ſo wie den beiden andern Männern die ganze Wahrheit erzählte, wie er zu jenem Geld gekommen. Erſtaunt aber ungläubig hörten ſie ihn an und ſchüttelten die Köpfe, denn wenn auch in damaliger Zeit ein ſolches Wunder nichts Seltenes war, ſo glaubte der Kalif doch viel eher, Ibrahim habe es erſonnen, um ſich zu retten. Doch als er mit thränenden Augen die Wahrheit ſeiner Ausſage beſchwor, entſchied der Richter dahin, Ibrahim ſoll während der kommenden Nacht zu ſeinem Rappen in den Stall eingeſperrt und ſtrenge bewacht werden. Alsdann könne man ſich am nächſten Mor⸗ gen leicht davon überzeugen, ob er die Unwahrheit geſagt.
Mit Freuden nahm Ibrahim dieſen Ausſpruch an und wurde auf Befehl des Kadi ſogleich zu ſeinem Rappen in den Stall gebracht, und


