Aber es ging morgen nicht beſſer. Ibrahim ſtand den ganzen Tag vergeblich an dem Gewürzmarkte, und wenn er auch am Abende, als ihm der Alte die Thür wieder aufmachte, mit Freude ſtrahlendem Geſichte eintrat, ſo geſchah dies nur, weil es zur Vollendung ſeines Planes, ſeine Freiheit wieder zu erlangen, nöthig war, denn ſeine Taſchen waren leer wie geſtern.
„Ach Herr,“ ſagte er,„wenn ich abermals mit leeren Händen zu Dir komme, ſo bringe ich Dir doch eine Hoffnung mit, daß Du die Summe, die Du für mich und das Pferd ausgegeben, doppelt wieder erlangen kannſt. Es iſt nämlich heute mit einer leeren Karavane ein Verwandter meines Vaters zurückgekommen, den ich von meinem trau⸗ rigen Schickſal in Kenntniß ſetzte. Da ihn nun der Prophet auf ſei⸗ nen Reiſen mit Glück geſegnet hat, ſo will er mir eine Wohlthat erzeigen und bittet Dich deshalb, o Herr, die Summe anzugeben, die Du für mich und das Pferd verlangſt.“
Der arme Mann machte bei dieſen Worten ein freundliches Ge⸗ ſicht, und ſagte ſeinem Diener, er wolle ſich bis morgen darüber bedenken.
Ibrahim ging in ſeinen Stall zurück, und ſchlief zufrieden, bis an den hellen Morgen, wo er abermals wie auch geſtern und vor⸗ geſtern eine Menge Goldſtücke in dem Trog fand. Er ſcharrte ſie alle zuſammen, und verbarg ſte ſorgfältig in ſeinen Gürtel.
Als ihm der Alte die Thür öffnete, nannte er ihm eine Summe, für welche er ihm die Freiheit geben wolle, die allerdings ſehr groß war, die ihm aber Ibrahim, da ſie ſeinen Schatz nicht überſtieg, im Herzen mit Freuden bewilligte. Doch nahm er eine betrübte Miene an, und ſagte zu dem Alten:„Du verlangſt viel von mir, o Herr, und ich fürchte faſt, ob mein Verwandter eine ſolche Summe beſtrei⸗ ten kann.“ Damit ging er mit dem Pferde fort, um, wie er ſagte, ſeinen Vetter aufzuſuchen. Anſtatt aber wie geſtern, ſich an dem Gewürzmarkt aufzuſtellen, ging er in ein anderes ſehr entlegenes Stadt⸗ viertel und miethete dort einen kleinen Stall, in welchem er ſeinen Rappen einſtellte. Darauf kehrte er eilig zu ſeinem alten Herrn zurück und ſagte ihm mit freudiger Miene, daß ſein Verwandter freilich die
verlangte Summe etwas ſtark gefunden habe, ſte aber dennoch für ſeine Freiheit geopfert. Der Alte ſtrich ſchmunzelnd die Goldſtücke ein und wünſchte dem jungen Mann Glück und Geſundheit.
Ibrahim hatte am Tage, wo er frei geworden war, nicht ſobald


