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ſich an einen Stein, und ſah ruhig der hin und her laufenden Menge zu.
„Ach,“ dachte er bei ſich, als er die vielen reichen jungen Leute ſah, die in prächtigen Gewändern daher ritten und gingen,„wer es doch auch ſo gut haben könnte!“ Und er begann wieder Luftſchlöſſer zu bauen, wie er es immer zu thun pflegte. Anfänglich wollte er ſich mit einem Pferd und einem Anzuge begnügen, bald aber mußten es mehrere ſein, und nach Verlauf einer Viertelſtunde, in der er ſo fortgeträumt hatte, ſah er ſich ſchon als Paſcha von drei Roßſchweifen, wie er über unzählige Sclaven und einen ganzen Marſtall gebot. Es wollte indeſſen immer Niemand kommen, der zu ſeinem Pferde Luſt getragen hätte, was dem jungen Manne eigentlich ganz recht war; denn er
ſtand lieber müßig da und hing ſeinen Träumereien nach. Jetzt dachte
er auch mit Entzücken an all das Geld, das er zu Haus im Stalle verſcharrt hatte, und was damit wohl zu machen ſei. Wenn er auch V anfänglich bei ſich überlegte, auf welche Art er es am beſten für ſich verwenden konnte, ſo ſprach doch ſeine Ehrlichkeit dagegen, und rief ihm zu: vall das Gold gehöre von Rechts wegen dem Herrn des Pferdes und er dürfe es ihm nicht vorenthalten.“
Nach langem Ueberlegen, wie er ſich des einmal gefundenen Glücks bedienen könne, ohne ſeinem Herrn Schaden zu thun, fiel ihm plötzlich ein Ausweg ein, den er auch gleich am Abend deſſelben Tags, als er mit leeren Händen zu dem Manne zurück kam, einſchlug. Er klopfte leiſe an die Thür der Hütte und machte, als ihm der alte Mann öffnete, ein ſehr verdrüßliches und niedergeſchlagenes Geſicht. „Ach, Herr,“ ſagte er darauf,„Du haſt an mir und dem Pferde einen ſchlechten Handel gemacht. Ich ſtand den ganzen Tag an dem belebteſten Theile der Stadt, an dem Gewürzmarkte, und wenn auch viele Leute vorbeikamen, die ſich nach Reitpferden umſahen, ſo hatte ich das meinige gut anbieten, kein Menſch wollte es nehmen.„Seht V
die Mähre,“ ſagten einige,„was iſt das für ein Thier? Der Pro⸗ phet möge uns ſchützen.“ So ſagten Alle und gingen lachend bei mir vorbei.“ Der alte Mann, der gehofft hatte, das Pferd würde ihm eine reiche Erwerbsquelle ſein, ſah ſich unangenehm getäuſcht und murmelte einen tüchtigen Fluch zwiſchen ſeinen Zähnen.
„Nun, nun,“ ſagte er darauf,„wer weiß, es wird morgen beſſer gehen. Wir wollen es morgen wieder verſuchen.“
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