erwachte erſt, als der Tag am Himmel heraufzudämmern begann. Jetzt erhob er ſich wieder von ſeinem harten Lager und trat an den Trog hin, um zu ſehen, ob das Pferd während der Nacht nichts gefreſſen habe. Doch wer beſchreibt ſein Erſtaunen, als er ſah, daß an der Stelle der Gerſte ein ganzer Haufen Gold lag, lauter ſchöne gang⸗ bare Münzen, nagelneu und glänzend, als ſeien ſie eben erſt aus der Münze des Kalifen gekommen. Stumm vor Erſtaunen ſtand Ibrahim einen Augenblick da, und wußte nicht, was er davon zu halten habe und was hier wohl zu thun ſei? Doch als er jetzt plötzlich die Schritte des Alten hörte, nahm er eilig das Geld aus dem Troge und ver⸗ barg es in einem dunkeln Winkel des Stalles. Das Pferd ſchaute ihm zu und nickte mit dem Kopfe, als bezeuge es ſeine Zufriedenheit darüber.
Der Alte trat in den Stall und nachdem er ſeinem Sclaven wieder ein Stück Brod gegeben hatte, befahl er ihm, das Pferd hinauszuführen. Draußen gab er ihm einen alten ſchlechten Sattel, ſo wie einen Zaum, und als der Rappe damit angeſchirrt war, ſchickte ihn der Alte in die Stadt hinaus mit der Weiſung, ſich auf einem der öffentlichen Plätze aufzuſtellen und dort zu warten, bis Jemand kommen würde, der ein Pferd zu einem Ritte durch die Stadt miethen wolle. Auch gab er ihm einen vorläufigen Preis an, wie viel er für die Stunde zu fordern habe, und entließ ihn mit der Weiſung, nur ja recht viel Geld mitzubringen.
Ibrahim zog mit ſeinem Pferd von dannen und ſchlenderte lang⸗ ſam durch die Straßen, wobei er ſich nach allen Seiten umſchaute, ob nicht Jemand ſein Pferd zu miethen verlange. Doch wenn auch hie und da Jemand des Weges kam, der ſich nach einem Roſſe umſah, ſo hatte man nicht ſo bald die armſelige Geſtalt des Pferdes be⸗ trachtet, als die Leute achſelzuckend und lächelnd weiter gingen.
So gelangte Ibrahim an den großen Markt, auf dem Specereien und wohlriechende Sachen aller Art verkauft werden. Hier ſah und roch man alles, was nur eine Naſe erfreuen konnte, vom feinſten Roſenöl bis zum geringen Aloeholz herunter, welches der Rechtgläubige des Wohlgeruchs halber auf ſeine Pfeife legt. An einer Ecke dieſes Markts blieb das Pferd plötzlich ſtehen, blähte ſeine Nüſtern auf und ſchien mit Begier die guten Gerüche einzuſaugen, die aus den Buden hervorſtrömten. Da es dem jungen Manne gleichviel war, wo er mit ſeinem Pferde ſtand, ſo blieb er hier an dem Markte halten, lehnte
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