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Der Pilgerzug nach Mekka : morgenländische Sagen und Erzählungen / von F. W. Hackländer
Entstehung
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ſich in ein ſehr ärmliches und abgelegenes Stadtviertel führte, und dort vor einem der ſchlechteſten und zerfallenſten Häuſer hielt. Er öffnete eine kleine Thür und befahl ſeinem Sclaven, ihm mit dem Pferde zu folgen. Beide kamen durch einen dunkeln Gang auf einen kleinen Hof, wo ſich ein ſchlechter Stall befand, den der Alte öffnete und wieder verſchloß, nachdem Ibrahim mit dem Pferde eingetreten war. Hier in dem Stalle war es ziemlich finſter und außer einem hölzernen Trog befand ſich nichts in demſelben. Ibrahim ſetzte ſich auf die Erde hin und überdachte ſein trauriges Schickſal. Er dachte an ſeinen Bruder, wo der in der Welt herumſchwärmen möge, und ob er vielleicht ſchon ſein Glück irgendwo gemacht habe. Je⸗ denfalls aber war er überzeugt, daß es demſelben beſſer erginge, als ihm.

Nach einer kleinen Weile kam der Alte wieder in den Stall, warf ein Bund Stroh an den Boden hin und ſchüttete einige Hände voll Gerſte in den Trog für das Pferd. Auch gab er ſeinem neuen Seclaven ein Stück hartes Brod und einen kleinen Krug Waſſer zum Abendeſſen, wünſchte ihm darauf eine gute Nacht und verſchloß die Thür wieder.

Ibrahim, der den ganzen Tag nichts gegeſſen hatte, fühlte einen heftigen Hunger und nahm ſogleich ſein karges Nachtmahl zu ſich, und nachdem er einen guten Schluck aus ſeinem Waſſerkruge gethan, ſtand er auf und ſah nach ſeinem Pferde, das in der Gerſte umher⸗ wühlte, ohne davon zu freſſen. Ibrahim glaubte, es ſei vielleicht krank und nahm eine Handvoll davon, die er ihm vor das Maul hielt. Als es auch jetzt nichts davon anrührte, nahm er ſeinen Waſſerkrug und feuchtete die Gerſte ein wenig an, indem er dachte, das Futter ſei dem Thier etwas zu trocken. Doch anſtatt davon zu freſſen, merkte Ibrahim zu ſeiner größten Verwunderung, daß das Pferd den Kopf ſchüttelte und ihn mit einem ſonderbaren Blicke anſah.Aha, dachte er,mein armes Thier, du fühlſt auch wohl, daß wir in ſchlechte Hände gefallen ſind. Nun, wir wollen ſehen, was zu machen iſt und du kannſt dich darauf verlaſſen, daß der Alte dir nichts zu Leide thun ſoll. Ich will ſchon dafür ſorgen, daß du nicht ſo viel zu arbeiten brauchſt.

Nach dieſen Gedanken legte ſich Ibrahim auf das Stroh nieder, und Dank ſeinem leichten Sinn und ſeiner Ermüdung, die ihm heute das lange Stehen auf dem Markt verurſachte, ſo ſchlief er ein, und

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