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Der Pilgerzug nach Mekka : morgenländische Sagen und Erzählungen / von F. W. Hackländer
Entstehung
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das Gold, was er wieder in der Krippe fand, zuſammengeſcharrt, als er eilig auf den Kleiderbazar ging, ſich ſeines alten ſchlechten Gewan⸗ des entledigte und einen ſeidenen Kaftan, weite golddurchwirkte Hoſen und einen ſchneeweißen Turban kaufte. Darauf ging er in eine Barbier⸗ ſtube, ließ ſich den Kopf ſorgfältig ſcheeren und in Ordnung bringen und ſah nunmehr ſo ſtattlich aus, daß man ihn für den Sohn eines mächtigen Paſchas hätte halten können.

Als er in ſeinen Stall zu ſeinem getreuen Rappen zurückkehrte, ſah ihn dieſer an, und es war, als freue ſich das Pferd über den neuen ſtattlichen Anzug ſeines Herrn nicht beſonders, denn es ſchüttelte den Kopf und ſtampfte unwillig mit dem Fuße. Auch verſuchte es, ſo oft Ibrahim in den Stall kam, durch allerhand Bewegungen be⸗ merklich zu machen, daß es gern hinaus ins Freie möge. Doch wollte der junge Mann dieſe Bewegungen nicht verſtehen.Ei, dachte er in ſeinem Leichtſinn,ich werde jetzt doch nicht die Stadt verlaſſen ſollen, nachdem ich Geld genug habe, um glänzend und prächtig leben zu können. Ich will anfangen, um mich für die frühere Zeit, die ich in der Armuth verlebte, zu entſchädigen.

Das that er denn auch, ſo viel in ſeinen Kräften lag. Er kaufte ſich ein paar ſchöne Pferde, nahm Diener an und miethete ein ſchönes Haus. Bald begannen die Leute von dem Reichthum des unbekannten jungen Mannes zu ſprechen.

So ſtanden die Sachen, als eines Tages der Kaufmann, welcher Ibrahim an jenen alten Mann verkauft hatte, dieſen Letzteren zufällig auf der Straße traf. Der Alte ſah weit beſſer aus, wie das erſte Mal, als er den Handel mit ihm abgeſchloſſen; er hatte ſich beſſere Kleider angeſchafft und überhaupt ein ſtattliches Anſehen gewonnen, weshalb der Kaufmann bei ihm ſtehen blieb und lächelnd zu ihm ſagte:Ei, ei, mein Alter, ſiehſt Du, ich habe Dir wahrſcheinlich einen tüchtigen Selaven verſchafft, der Dir viel Geld einbringt. Wie undankbar, daß Du nicht einmal zu mir gekommen biſt, um mir ein gutes Wort dafür zu ſagen, und mich zu benachrichtigen, wie ſich jener junge Menſch aufführt.

Freilich, entgegnete der Andere,habe ich durch jenen Sclaven viel Geld verdient; doch nicht auf die Art, wie Ihr wohl glaubt. Er war nur wenige Tage bei mir, als ihn ein Verwandter, der mit einer Karavane zurückkam, für eine gute Summe von mir losgekauft hat,