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des Friedens näher. Der alte Türke, der ein kluges, liſtiges Geſicht hatte, erhob die Augen und ſah gleich an dem kecken leichtſinnigen Benehmen des jungen Menſchen, der einen ſo vollen Beutel im Gürtel trug, daß es hier nicht ſchwer werden würde, ein gutes Ge⸗ ſchäft zu machen. Er ſtand daher raſch von ſeinem Sitze auf und näherte ſich.
„He, Alter,“ ſprach Ibrahim,„ſeid Ihr es, von dem mein Herr ein Pferd gekauft hat?“
„Ei freilich,“ entgegnete der Türke mit liſtigem Lächeln,„bringt Ihr vielleicht die Kaufſumme und wollt das Thier mit fortnehmen?“
„Ja wohl,“ ſprach Ibrahim mit einer großthueriſchen Nachläſſig⸗ keit, indem er den Beutel aus ſeinem Gürtel hervorzog, den der Alte ſogleich mit einem gierigen Blick zu ſich nahm.„Zählt nach,“ fuhr er fort,„es wird die richtige Summe ſein in vollwichtigen Gold⸗ ſtücken.“
Der Alte that, als ſähe er in den Beutel hinein und ſagte dar⸗ auf ſchmunzelnd:„Nun ja, es fehlen freilich einige Piaſter, aber das macht nichts, Dein Herr iſt ein ſo guter Kunde, daß es mir auf die Kleinigkeit nicht ankommen ſoll. Kommt nur bald wieder, um auf ſolche Art von mir zu kaufen, und der Prophet wird's Euch ge⸗ ſegnen.“
Damit verſchwand der Alte eilig in der Menge. Ibrahim aber ſchwang ſich auf ſein Pferd und ritt keck und ſtolz über den Markt dahin. Wohl hörte er die Leute neben ſich flüſtern und lachen, aber er hielt dieſe Aeußerungen des Spottes für Zeichen des Wohlwollens und der Freude und bezog ſie auf ſein ſtattliches Ausſehen.
So gelangte er vor die Thüre ſeines Herrn, brachte das Pferd in den Hof und ſagte darauf zu ſeinem Gebieter, daß er ſeinen Auf⸗ trag pünktlich erfüllt und das Pferd mitgebracht habe. Eilig ging dieſer in den Hof und fragte mit freundlichem Angeſicht:„Nun, wo iſt denn der Schimmel?“
„Der Schimmel, o Herr,“ entgegnete Ibrahim fragend,„ich weiß von keinem Schimmel. Der Mann an der Moſchee hat mir dieſen Rappen für Dich mitgegeben und ich habe nichts anderes, wie dies Pferd mitgebracht.“
„Aber mein Geld?“ entgegnete der Kaufmann ängſtlich werdend; „aber mein Geld? Der Beutel mit den 10,000 Piaſtern?“
„Ei Herr,“ entgegnete Ibrahim,„befahlſt Du mir denn nicht,
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