und verweilte häufig vor dem Palaſt des Kalifen, wo er ſich die vor⸗ nehmen Herren betrachtete, ihre Mienen und Geberden, ſowie den Anſtand, mit dem ſie im Vorhof vom Pferde ſtiegen, und das Alles aufs Beſte nachzuahmen verſuchte. Das gelang ihm auch wohl, denn die Natur hatte ihn mit einem ſo günſtigen Ausſehen beſchenkt, daß man ihn bei beſſerer Kleidung eher für den Sohn eines vornehmen Herrn, als wie für den Sprößling eines Kameeltreibers hätte halten können. Doch bei dieſem Nichtsthun und Umherſchlendern war das wenige Geld, das er beſaß, bald verzehrt, und er fand es für rath⸗ ſam, ſich nach einem neuen Dienſt umzuſehen. Er ſuchte und fand denn auch bald eine Stelle als Reitknecht bei einem reichen Kaufmann, wo er es denn auch längere Zeit aushielt, als bei ſeinem früheren Herrn, dem Kafeetſchi.
In ſeiner jetzigen Stellung hatte er nichts zu thun, als neben dem Pferd ſeines Herrn zu laufen, wenndieſer ausritt, oder ihm die Pfeife nachzu⸗ tragen, Geſchäfte, die er denn auch zur ziemlichen Zufriedenheit vollbrachte.
Da ſprach eines Tags ſein Herr zu ihm, indem er ihm einen großen Beutel mit Geld einhändigte:„Ibrahim, geh auf den Pferde⸗ markt. Dort wirſt Du neben der großen Moſchee einen Araber fin⸗ den, der einen ausgezeichnet ſchönen Schimmelhengſt hat, welchen ich gekauft. Sage ihm meinen Gruß und händige ihm dies Geld ein, er wird Dir darauf das Pferd geben, welches Du ſorgfältig zu mir her geleiten ſollſt.“ Nach dieſem Befehl ging Ibrahim mit dem Gelde fort und gelangte bald auf den Markt, wo eine große Menge guter und ſchlechter Pferde zum Verkaufe ausgeſtellt waren. Er wandelte zwi⸗ ſchen den Verkäufern umher, die ihn für einen reichen jungen Mann hielten und ihm mit vielen Schmeicheleien ihre Pferde antrugen.
Durch dieſe Reden, die ihm ſehr wohl gefielen, vergaß er den Befehl ſeines Herrn, ſich ſo viel wie möglich zu eilen und gelangte erſt nach geraumer Zeit zur großen Moſchee, wo er ſich nach dem Araber mit dem Pferde, das er kaufen ſollte, umſah.
Unglücklicherweiſe aber hatte er vergeſſen, daß es ein Schimmel⸗ hengſt ſei, den er für ſeinen Herrn abholen ſolle; und da nebenbei ſeine Kenntniß über die Schönheit eines Pferdes nicht ſehr groß war, ſo wandte er ſich an einen alten Türken, der auf den Treppen der großen Moſchee ſaß und einen alten mageren Rappen am Zügel hielt, der hungrig das Gras zwiſchen den Steinritzen verzehrte. Aha, dachte Ibrahim, dies iſt der Mann, den ich ſuche, und trat mit dem Gruße


