Als nun der Vater geſtorben war, ſprach der ältere Bruder zu dem jüngeren:„Höre mich, Ibrahim, es iſt jetzt Niemand mehr da, der für uns ſorgt, wo wir Eſſen und Kleidung hernehmen, und es iſt deshalb nöthig, daß wir uns um einen Erwerbzweig umſehen. Ich wollte mir ſchon durch die Welt helfen, wenn ich nur wüßte, was aus Dir werden ſoll. Da Du aber keine Luſt haſt, mit den Karavanen hinauszuziehen und es Dir weit beſſer gefällt, ruhig und träumend zu ſitzen, ſo habe ich für Dich eine Stelle in einem Kaffeehaus geſucht, wo Du nichts zu thun haſt, als den Leuten den Kaffee darzureichen und ihnen die Pfeife zu ſtopfen und anzuzünden. Willſt Du dies Geſchäft übernehmen, ſo folge mir.“
Ibrahim willigte gern in dieſen Vorſchlag ein, und ging mit ſeinem Bruder in eins der großen Kaffeehäuſer, wo er wegen ſeinem angenehmen Aeußern auch von dem Kaffetſchi oder Kaffeewirth gleich aufgenommen wurde. Sein Bruder Ali theilte ihm etwas von ſeiner kleinen Baarſchaft mit, umarmte ihn aufs Zärtlichſte, nachdem er ihm erzählt, daß er nun mit einer Caravane in die Welt hinaus wolle, um ſein Glück zu ſuchen.
So ſchieden die beiden Söhne des Kameeltreibers, und Ibrahim trat ſein neues Amt an. Doch wollte es damit gar nicht recht gehen. Anſtatt auf die Gäſte aufmerkſam zu ſein und ihrem Verlangen zu⸗ vorzukommen, horchte er auf die Erzählungen der Fremden, betrachtete die vorüberziehenden reichen Kaufleute, indem er bei ſich dachte, wie angenehm es doch ſein würde, wenn er es auch einmal ſo weit ge⸗ bracht hätte.
Der Kaffetſchi verwies ihm täglich und ſtündlich ſein träumeri⸗ ſches, unaufmerkſames Weſen, aber es half Alles nichts. Bald ſchüt⸗ tete er einem Gaſt den Kaffee auf das Kleid, bald reichte er einem Andern eine unangezündete Pfeife, oder er ließ vielleicht einem Dritten eine glühende Kohle auf den Pantoffel fallen. Kurz, ſein Herr hatte nichts wie Aerger und Noth mit ihm, und nachdem er ihn zum Oef⸗ teren vergeblich ermahnt und gewarnt, ſagte er ihm eines Tages, es thue ihm leid, daß er ihn nicht länger behalten könne, und hieß ihn ſeiner Wege ziehen.
Ibrahim, anſtatt hierüber betrübt oder niedergeſchlagen zu ſein, war vielmehr luſtig und guter Dinge, und verließ das Kaffeehaus mit dem feſten Vorſatz, jetzt augenblicklich ein reicher und vornehmer Mann zu werden. Mit dieſem Gedanken trieb er ſich in der Stadt umher,
Hackländer, orient. Sagen. 12
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