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einem Deiner Söhne, ein großes ungeheures Glück bevorſteht. Dieſer iſt ein von Gott auserwählter, und die Ehre und der Reichthum wer⸗ den ihn mit ihren Gaben überſchütten, ohne daß er ſelbſt viel dabei zu thun hat. Ach, meine Kinder, die Prophezeihung, daß ich mein ganzes Leben in Dürftigkeit zubringen ſolle, hat ſich erfüllt. Warum ſollen wir alſo auch nicht glauben, daß die andere, die einem von Euch großes Glück verſpricht, ebenfalls wahr werden könne. Möge Euch Gott ſchützen und der Prophet ſegnen.“
Damit ſtarb der Kameeltreiber, und ſeine beiden Söhne ſtanden weinend um ſein Lager und drückten ihm die Augen zu.
Nun aber war zwiſchen dieſen beiden Söhnen ein großer Unter⸗ ſchied. Der eine, der ungefähr achtzehn Jahre zählte, war, was Ge⸗ ſtalt und Geſicht anbelangt, gerade nicht ſchön zu nennen. Deſto auf⸗ geweckter aber ſchien ſein Verſtand und um ſo lebhafter ſeine Einbil⸗ dungskraft zu ſein. Er beſchäftigte ſich ſchon ſeit ſeiner früheſten Jugend mit dem Gedanken, recht viel Geld zu verdienen, und trieb zu dem Zweck allerlei kleine Geſchäfte. Bald lief er in den Karavanſe⸗ reien herum und half für ein Geringes beim Abladen der Kameele, bald ſtrich er durch die Bazars und wußte ſich dort durch kleine Gefällig⸗ keiten, die er den Kaufleuten erwies, etwas Geld zu erwerben. Dabei war er ſparſam, legte das Erworbene ſorgfältig zurück, und wenn der Vater ſeine beiden Söhne betrachtete, ſo hatte er, was die Prophe⸗ zeihung anbelangt, auf dieſen ſeine große Hoffnung geſetzt, beſonders da an dem jüngeren Sohn nichts zu entdecken war, was zu dem Glau⸗ ben berechtigte, daß wenn ihm ſelbſt das Glück mit vollem Angeſicht gelächelt hätte, er im Stande ſein würde, es zu verſtehen, oder gar feſtzuhalten. Er war ein träumeriſcher fauler Junge, der auch wohl, wie ſein Bruder, den ganzen Tag in den Karavanſereien und Bazars umherging, aber ohne dort eine Hand anzulegen, oder für irgend Et⸗ was ein lebhaftes Intereſſe zu zeigen. Stunden lang konnte er ſich vor das Gewölbe irgend eines Kaufmanns hinſtellen, um die fremdartigen
und ſeltenen Waaren zu betrachten, die dort ausgelegt waren, und konnte ſich dabei in Gedanken vertiefen, wo dieſe Sachen herkämen, und wie es dort wohl ausſehen möge. Auch auf den Straßen konnte er lange Zeit dem prachtvollen Aufzug irgend eines Paſcha zuſchauen und dabei mit offenen Augen träumen und ſich einbilden, er ſelbſt ſitze auf jenem reichgeſchirrten Pferde, und er wäre es, vor dem ſich alle Köpfe ehrerbietig neigten.


