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Der Pilgerzug nach Mekka : morgenländische Sagen und Erzählungen / von F. W. Hackländer
Entstehung
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B

Geh zum Teufel! den Ehrenſäbel in eine Ecke des Gemachs warf und ihn von da mit einem gelinden Fußtritt in eine andere Ecke beförderte, wo er liegen blieb. Aber wenn der Emir auch hierdurch ſeinen Un⸗ muth, die Reiſe antreten zu müſſen, ſattſam kund gab, ſo war er doch nicht im Stande, das Rad der Zeit aufzuhalten, oder ſogar die Tage

einen Rücklauf beginnen zu laſſen. Stunde um Stunde verſtrich; der

Abend dämmerte herauf, Mahmud Achmet mußte zu dem unangeneh⸗ men Geſchäft ſchreiten, ſein Haus zu beſtellen, was ihn in höchſt ver⸗ drüßliche Laune verſetzte; denn dieſe letzten Vorbereitungen zu ſeiner Abreiſe hatten eine fatale Aehnlichkeit mit denen, welche man macht, wenn ſich der Tod meldet.

Der Emir übergab ſein Haus und ſein Vermögen ſeinem älteren

und einzigen Bruder, welcher Kadi oder Oberrichter der Stadt Kairo

war. Nach Beendung dieſer Sache verbrachte er noch einige Stunden in ſeiner geliebten Halle, die wir früher beſchrieben und legte ſich dann noch einmal in der Stadt ſeiner Väter zur Ruhe. Es war eine ſchöne klare Nacht und der breite Nil, deſſen gelbliches Waſſer am Tage in den Strahlen der Sonne glänzend wie Gold zwiſchen ſeinen ſaftig grünen Ufern dahin floß, glich jetzt bei dem Glanz des Mondes einem ſilbernen Spiegel oder einem breiten Stahlband, das mit ſchwarzen Verzierungen eingefaßt iſt; denn ſchwärzlich erſchien jetzt die grüne Farbe der Reisfelder und das noch dunklere Grün der zahlloſen Palm⸗ bäume, die an den Ufern ſtanden und ſich mit ihrer Krone über den Waſſerſpiegel beugten, aus reiner Eitelkeit, um ihre zierlichen Blätter zu ſchauen.

Es giebt wohl keinen Fluß in der Welt, der wie der Nil bei ſeiner großen Breite ſo ruhig und ſtill, faſt ohne Wellenſchlag dahin fließt. Er iſt wie gemacht zu den leidenſchaftlichen Träumen der Orien⸗ talen, weshalb ſie es auch ſo ſehr lieben, ein Landhaus oder dergleichen an ſeinen Ufern zu beſitzen, um bequem und mit Muße dem ruhig fließenden Waſſer mit Blicken und Gedanken folgen zu können. Lang⸗ ſam fahren auf der Mitte des Stroms die großen platten Barken ab und auf, erſtere von den Fluthen ſelbſt geführt, deren Kraft vielleicht durch wenige Ruderer nachgeholfen wird, die andern durch Hülfe der weißen dreieckigen Segel, deren beträchtliche Größe in keinem Verhält⸗ niß zu den Barken ſelbſt ſteht, ſowie durch viele Ruderer, die, ſich im⸗ mer ablöſend, in beſtändiger Arbeit bleiben. Doch jetzt iſt es Nacht, und die Barken, die abwärts fahren, ſind gänzlich dem Strom über⸗