treiber aufmerkſam wurden und als er die beträchtliche Anzahl kräftiger Selaven überdachte, die ihm auf ſeinen Wink gleich zu Hülfe kommen mußten. Er faßte deshalb einen Zipfel von dem Mantel des jungen Mannes, und indem er daran zog, fuhr er ihn mit den Worten an: „He, Du junger Faullenzer, rühr' Deine Arme und hilf dort die Bal⸗ len aufladen!“ Bei dieſer Anrede ſprang der Kameeltreiber dicht vor Haſſan hin, machte mit der Fauſt eine drohende Bewegung, als wolle er ihn zuſammenſchlagen; doch ſchien er ſich eines Beſſern zu beſinnen und ſchob ihn mit dem Fuße von ſich, worauf er die Worte murmelte: „Weg, elender Sclave!“ Dies war in der That zu viel für den Leib⸗ Neger Haſſan, den Haushofmeiſter Mahmud Achmets, des diesjähri⸗ gen Emir el Hadſch. Er biß die Lippen auf einander und hob ſeinen Stock empor, um den Kameeltreiber damit zu ſchlagen. Doch dieſer hatte nicht ſobald eine ſolche Bewegung geſehen, als er mit der Hand in den Gürtel fuhr, den linken Arm abwehrend vor ſich ſtreckte, und eine Stellung annahm, wie ſie wohl am geſchickteſten iſt, um einen mit einem kräftigen Dolchſtoß gerade in die Mitte des Herzerns zu treffen. Wer weiß auch, zu welchem Ende dieſe Scene noch geführt, wenn nicht in dieſem entſcheidenden Augenblicke ſich oben ein Fenſter geöffnet und eine laute Stimme:„Haſſan! Haſſan!“ gerufen hätte. Beim Ton dieſer Stimme, die der Haushofmeiſter augenblicklich für diejenige ſeiner jungen Herrin Zemire erkannte, ſenkte er mit einer Eilfertigkeit ſeinen Stock, die wohl anzeigte, wie erwünſcht es dem Schwarzen war, im Geſchäft des Zuſchlagens geſtört zu werden. Aber der Fremde hatte auch nicht ſobald jene Worte gehört, als er wie der Blitz ſeine Blicke empor warf, die rechte Hand aus dem Gürtel zog und ſie ehrerbietig an Bruſt und Stirn legend ſich tief verneigte. Nur eine Secunde lang flatterte der goldgeſtickte Schleier Zemirens am Fenſter, worauf ſich dieſes wieder ſchloß. Der junge Kameeltreiber warf dem Schwarzen einen finſtern bedeutſamen Blick zu, ſchlug den Burnus über ſeine Schulter und verließ ſtillſchweigend den Palaſt des Emirs.
Haſſan, der ſich, dem Rufe ſeiner Herrin gehorſam, alsbald zu derſelben verfügte, war nicht wenig verwundert, als ihm nur ein un⸗ bedeutender Auftrag ertheilt wurde, der durchaus keine Eile hatte, und weshalb es gerade nicht nöthig geweſen wäre, wie er meinte, ihn von dem wichtigen Geſchäft des Zuſchauens im Hofe abzuberufen. Er verfügte ſich auch alsbald wieder hinab, war aber über das eben Ge⸗


