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Der Pilgerzug nach Mekka : morgenländische Sagen und Erzählungen / von F. W. Hackländer
Entstehung
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Mahmud Achmet, nachdem er ſich ſeiner Pantoffeln entledigt, legte ſich auf den Divan im Hintergrunde der Erhöhung der Bühne und ließ ſich von einem Sclaven das lange Rohr mit der Waſſerpfeife in den Mund ſtecken. Dann nahm er einen Schluck eiskalten Scherbets und ſtieß darauf einen tiefen Seufzer aus, denn ſein Auge fiel auf die vordere Wand der Halle, die geöffnet war und nur aus feinen Spitzbogen beſtand, an denen üppige Pflanzen emporrankten, und der Emir el Hadſch ſah die ganze Breite des herrlichen Nils, den er nun bald und vielleicht für immer verlaſſen ſollte.

Es iſt ein Glück, daß ſich der Muſelmann nicht viel mit Ge⸗ danken beläſtigt, denn ſonſt könnte man vielleicht von denen Mahmud Achmets ſehr trübe und unangenehme Dinge erzählen. So aber ſtarrte er gedankenlos vor ſich hin, ließ die elfenbeinernen Kugeln des Roſenkranzes, den er an ſeinem Gürtel trug, ohne Aufhören durch die Finger gleiten ein ſinniges Spiel, das die Orientalen gern treiben und das ſie außerordentlich amüſirt wobei er mächtige Rauchwolken aus ſeinem Nargileh zog. Dies hatte ungefähr eine halbe Stunde gedauert, worauf er den Schlauch der Pfeife auf die Erde warf und dreimal in die Hände klatſchte ein Zeichen, das bei den Orientalen die Glocke für den Bedienten vertritt. Es dauerte auch keine Secunde, ſo erſchien der Leibdiener Mahmuds, der Neger Haſſan, indem er vorſichtig einen Vorhang in die Höhe hob, ſeinen dicken Kopf herausſtreckte und nach ſeinem Gebieter ſchaute.Haſſan, ſprach dieſer, und der Gerufene trat ganz hervor und kauerte ſich zu den Füßen ſeines Herrn auf den Teppich.Haſſan, ſprach Mahmud nochmals,wir werden morgen Abend reiſen.

Deine Weisheit hat es ſo beſchloſſen, o Herr, entgegnete der Schwarze.Du wirſt auch mit nach Mecca pilgern, Haſſan, fuhr der Emir fort und ſtrich ſeinen langen Bart.

Ja Herr, ſeufzte Haſſan, drehte aber dabei den Kopf etwas auf die Seite und wer hätte ſehen können, wie er ſeine ohnehin tücki⸗ ſchen Augen boshaft verdrehte und dabei die weißen Zähne auf ein⸗ ander biß, der hätte wohl ſehen können, daß der Diener eben ſo wenig wie der Herr, die Pilgerfahrt nach Mecca aus freiem Antrieb mitmachte. Doch der Emir war zu ſehr mit ſich ſelbſt beſchäftigt, um etwas der Art merken zu köͤnnen, und hatte auch keine Ahnung davon, daß ein Selave vielleicht eine eigene Meinung haben könne, denn er fuhr gleichmüthig fort:Du wirſt auf's Beſte dafür ſorgen,