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Der Pilgerzug nach Mekka : morgenländische Sagen und Erzählungen / von F. W. Hackländer
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mil vorbeigezogen und die langen Reihen der Leute, welche an den Häuſern gedrückt ſtanden, miſchten ſich jetzt unter der Zug, der aber an jeder Straßenecke abnahm; denn alle Zuſchauer eilten nach Haus, um ſich bei einer langen Pfeife und einem Glaſe Scherbet noch ein⸗ mal alle Bilder der Karavane vor's Auge zu führen, um das Ganze geiſtig wiederzukäuen. Die Pilger ſelbſt, beſonders die der ärmeren Klaſſe, ſowie die Laſtthiere und Diener der Reicheren ſetzten ihren Weg durch die Gaſſen von Kairo fort und gelangten bald durch das Thor des Kalifen in die freie ſandige Ebene vor den Mauern, wo ſie ſich ungefähr eine Stunde von der Stadt zum erſtenmal lagern und dort auch noch den folgenden Tag bleiben, damit ſich die Pilger aus den benachbarten Städten, die den Zug nach Mecca ebenfalls mitmachen wollen, hier alle verſammeln können. Die vornehmen und reichen Muſelmänner aber ziehen nur mit der Karavane durch einige Hauptſtraßen zum Prunk und kehren darauf in ihre Häuſer zurück, um den letzten Tag noch im Kreiſe ihrer Familien oder in ſtiller Beſchaulich⸗ keit zuzubringen. Bei der Haſanmoſchee, die ſich in Kairo in der Nähe des großen Bazars befindet, verließ auch der Emir el Hadſch den Zug und lenkte ſchweigend, von ein paar Sclaven begleitet, ſein Roß durch leere Nebenſtraßen, um, von dem Geſchrei des Volks unbeläſtigt, in ſeinen Palaſt zu gelangen. Dort angekommen, ſtieg er vom Pferde und begab ſich in die Halle, welche eine Ausſicht auf den klaren Spiegel des Nils gewährte. Dies war ein Gemach, ſs ſchöngund reizend, wie ſich die Phantaſie des Morgenländers nur die, Wohnung im Pargdies vorſtellen kann, es war hier kühl wie in einem Keller, und im Hintergrunde ſtritt ſich ein ſanftes Halbdunkel mit dem Glanz des Tages. Dort war der Boden erhöht, ungefähr wie die Bühnen auf unſern Theatern, und dieſe Erhöhung war belegt mit den präch⸗ tigſten perſiſchen Teppichen. An den Wänden lehnte ſich ſein breiter Divan mit ſchwellenden Kiſſen, die mit Sammtſtoff überzogen und mit reicher Stickerei überdeckt waren. Die Wände dieſes Gemachs beſtanden aus ſchön geſchnitztem und vergoldetem Holzwerk, das mit Cryſtallen und Spiegelglas eingelegt war. Vor dieſer Erhöhung, ungefähr in der Mitte des ganzen Gemachs, erhob ſich ein Marmor⸗ becken, ungefähr in der Geſtalt der cryſtallenen Tafelaufſätze bei uns, aus deſſen oberem Theil ein klarer Waſſerſtrahl mehrere Fuß hoch in die Höhe ſprang und der dann hinabſtürzend und von Becken zu Becken tropfend, ein heimliches melodiſches Gemurmel verurſachte.