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Der Pilgerzug nach Mekka : morgenländische Sagen und Erzählungen / von F. W. Hackländer
Entstehung
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Stimmen rufen:Heil Mahmud Achmet! Heil dem glorreichen Emir el Hadſch, welcher Reichthum, Anſehen, Macht hinter ſich läßt, um dem Drang ſeines Herzens zu folgen und mit ſeiner großen Weisheit die Kinder des Propheten durch die Wüſte zu führen! Aus dem zuſchaulenden Volke bilden ſich einzelne Gruppen, welche ſich eifrig um die Tugenden Mahmud Achmets ſtreiten.Ja, ruft ein wohl⸗ beleibter Barbier,das iſt ein Mann, ich habe zuweilen die Ehre, ſeinem oberſten Stallaufſeher den Bart ſcheeren zu dürfen und bin deshalb im Stande, ſeine Tugenden an den Fingern herzuzählen. Noch nie hat er einen Sclaven eigenhändig geköpft und die höchſte Strafe, die er je ertheilt, waren hundert Hiebe auf die Fußſohlen. Ein merkwürdig milder Herr.Ja, ja, ein merkwürdig milder Herr, pflichtete ein Paſtetenbäcker dem Barbier bei, und ein zerlumpter Kameeltreiber mit einem braunen ſpitzbübiſchen Geſicht fuhr mit der Hand in ſeinen ſchmierigen Gürtel und holte eine Handvoll kleiner Münze hervor, die er dem Anderen mit den Worten zeigte:Ja, ja, ein großmüthiger Herr! Der Prophet möge es ihm belohnen, eine ganze Stunde lang hat er heute Morgen ſolches Geld aus ſeinem Palaſte unter das Volk werfen laſſen.

In dieſem Augenblick aber löſten ſich die Gruppen der Sprechen⸗ den auseinander, denn der Mann, von dem ſie mit ſo vielen Lobes⸗ erhebungen geſprochen, Mahmud Achmet, der Emir el Hadſch, zeigte ſich jetzt in Perſon den Blicken des erſtaunten Volkes. Er ritt einen prachtvollen Schimmelhengſt und es war, als ſei das Thier wohl der Ehre bewußt, die ihm zu Theil geworden; denn es warf den Kopf ſtolz in die Höhe, und wenn es ſich vorne emporhob, breitete es ſeine Hufen wie grüßend gegen das Volk aus und ließ ſich dann gnädig wieder herab. In der That, das Thier ſah wohlgemuther und freu⸗ diger aus, als ſein Herr; denn wenn ſich auch der gute Mahmud Achmet ſo viel wie möglich in die Bruſt warf, und ſich bemühte, froh unter die Menge zu ſchauen, ſo entgieng doch einem aufmerkſamen Beobachter nicht, daß der geweſene Oberſchatzmeiſter etwas blaß ausſah und daß er unwillkührlich wie erſchrocken zuſammenfuhr, wenn er eine Schaar jener armen Pilger erblickte, die jetzt ſchon halbverhungert ausſahen. Alsdann ſenkte der Emir den Blick auf ſeinen ſtattlichen Bauch herab und dachte wahrſcheinlich über die Unbeſtändigkeit alles Schönen im menſchlichen Leben nach.

Als der Emir vorbei war, folgten ihm noch eine Unzahl Reiter