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Der Pilgerzug nach Mekka : morgenländische Sagen und Erzählungen / von F. W. Hackländer
Entstehung
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und die ganze Bagage des Emir el Hadſch tragen. Dieſes wohlge⸗ fällige Murmeln des Volks verſtärkt ſich beim Vorrücken dieſer Ka⸗ meele immer mehr und mehr und bricht endlich in ein lautes Jauchzen und Brüllen aus; denn ihnen folgt ein großes ſtarkes Kameel, von zwei Männern geführt, deſſen bepackter Sattel mit einer langen ſchwarz⸗ ſammtenen Decke belegt iſt. Unter ihr befindet ſich nämlich ein präch⸗ tig gewebter, mit Gold geſtickter Teppich, der von dem Kalifen der heiligen Kaaba zu Mecca verehrt wird. Alljährlich ſchickt der Be⸗ herrſcher der Gläubigen einen ſolchen Teppich nach Mecca, der dort über das heilige Grab ausgebreitet wird, wogegen die Pilgerkaravane den vorjährigen wieder mit zurücknimmt, der durch lange Berührung mit dem Heiligthume geweiht, nun in einer der Moſcheen Kairo's niedergelegt wird. Hinter dieſem Kameel folgen bewaffnete Reiter, Pilger auf Kameelen und Pferden und Stellvertreter der verſchiedenen Zünfte, ſo wie Derwiſche mit großen grünen Fahnen. Das Volk auf den Straßen, welches das Kameel mit dem heiligen Teppich ſtau⸗ nend betrachtet, und mit großer Ehrfurcht begrüßt, bricht jetzt in einen lauteren Jubel aus und weicht nach allen Seiten zurück, denn es zeigt ſich eine neue Schaar Mameluken und andere Reiter, wor⸗ unter auch Beduinenchefs verſchiedener befreundeter Stämme, deren Burnus ſich durch Weiße und Feinheit des Stoffs von dem der an⸗ deren Beduinen unterſcheidet. Auch iſt ihr Haupt mit einem gelb und rothen, Gold durchwirkten Tuche geſchmückt und die Hälſe ihrer Pi⸗ ſtolen, ſo wie die Griffe ihrer Säbel ſind mit Silber beſchlagen oder ſogar mit Cdelſteinen beſetzt. Einige unter dieſen Reitern führen am Sattel kleine Pauken, womit ſie ein unaufhörliches Getöſe machen. Immer zahlreicher wird ihre Schaar und der Strom der Pilgerkara⸗ vane, der bis jetzt ziemlich ſchmutzig und grau dahin floß, färbt ſich immer bunter und glänzender und ſchon ſteht man prachtvolle Reiher⸗ büſche emporragen und gewahrt, wie ſich die Strahlen der Sonne in reichen Goldſtickereien und Brillanten wiederſpiegeln. Die Pferde, von der edelſten Race, welche nun kommen, bäumen ſich und tanzen unter ihren Reitern, welche ſtolz und mit zufriedenem Blick herab auf die Menge ſchauen, denn ihnen wird die Ehre zu Theil, unmittelbar die geheiligte Perſon des Emir el Hadſch umgeben zu dürfen. Es ſind junge reiche Türken, die auf eigene Koſten den Zug mitmachen, und die das Gefolge des Emirs bilden.

Jetzt erhebt ſich das Geſchrei des Volkes lauter und einzelne