Druckschrift 
Der Pilgerzug nach Mekka : morgenländische Sagen und Erzählungen / von F. W. Hackländer
Entstehung
Einzelbild herunterladen

herum zu wirbeln, ſo lange bis ihnen der Schaum vor dem Munde ſteht und ſte bewußtlos zur Erde fallen. Hier bei dieſem Zuge hat ſich ihr Fanatismus zu einer wahren Wuth geſteigert und ſie begehen unglaubliche Dinge, um dem gaffenden Volk zu zeigen, in welch ra⸗ ſendes Entzücken ſté der Gedanke an die Pilgerfahrt nach Mecca ver⸗ ſetzt. Außer den wahnſinnigen Sprüngen, die ſie machen, ſo daß ihnen der Schaum und Schweiß von dem Geſichte rinnt, wälzen ſich einige auf der Erde vorwärts, andere laſſen ſich an Stricken nach⸗ ſchleifen und wieder andere freſſen in ihrer tollen Wuth giftige Schlangen und anderes Ungeziefer.

Nach dieſen Derwiſchen folgen große Schaaren von beſſer aus⸗ ſehenden Kameelen und Pferden, von denen einige mit prächtigem Reitzeug, die andern mit Packſätteln verſehen ſind, an welchen Waſſer⸗ ſchläuche und Säcke mit allen möglichen Lebensmitteln hängen. Die Sättel aber ſind gewöhnlich leer, denn die Eigenthümer dieſer Kameele und Pferde machen gewöhnlich den Zug durch die Stadt nicht mit, ſondern ſchließen ſich erſt morgen der Karavane an, wenn ſie wirklich von Kairo aufbricht. Jetzt folgen in großen Schaaren andere Kameele, auf welchen Männer in guter und ſchlechter Kleidung ſitzen, von denen viele mit Pauken, Raſſeltrommeln und Pfeifen verſehen ſind, womit ſte einen fürchterlichen Lärmen machen, der verſtärkt wird durch das begleitende Gebrüll des Volks auf den Gaſſen und das Gejauchze des Volkes an den Fenſtern. Ihnen folgt eine Schaar beſſer ausſehender Krieger, es ſind Mameluken im Dienſte des Kalifen und ihre meiſt rothen prächtig geſtickten Gewänder, ſo wie der weiße Turban und die blitzenden Waffen ſtechen vortheilhaft unter den dunkeln, ärmlichen Anzügen des umherſtehenden Volkes hervor. Dieſe Mameluken waren von jeher gefürchtete Kriegsleute und ſchauen trotzig umher. Sie um⸗ geben einige ſehr ſtarke Kameele, die mit ſchweren Kiſten beladen ſind, in welchen ſich theils Geſchenke des Kalifen an die heilige Kaaba in Mecca befinden, theils Gelder, um von den Beduinenſtämmen in der Wüſte die nöthigen Lebensmittel für das mitziehende großherrliche Militair zu erhandeln.

Nachdem dieſe Mameluken vorbeigezogen ſind, hört man das Volk auf den Gaſſen ſich murmelnd von dem großen Reichthum Mah⸗ mud Achmets, des diesjährigen Emir el Hadſch unterhalten, denn es erſcheint eine unabſehbare Reihe von Kameelen und Maulthieren, ſo wie prächtig geſchmückte Pferde, welche das Gepäck, die Lebensmittel