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Der Pilgerzug nach Mekka : morgenländische Sagen und Erzählungen / von F. W. Hackländer
Entstehung
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mit Du mir nach Deiner Zurückkunft lange Jahre ein getreuer Ober⸗ ſchatzmeiſter ſein kannſt. Als Mahmud Achmet vorhin ſchon im Geiſt einen ledernen Sack vor ſich ſah, in den er fürchtete genäht zu wer⸗ den, nachdem ihm vorher die rechte Hand abgehauen, hatte er doch bei ſich ſelbſt gedacht: wie unendlich beſſer es geweſen wäre, wenn er freiwillig den Poſten eines Emir el Hadſch angenommen. Es konnte ihm ja gelingen, die Karavane und ſich ſelbſt glücklich hin und her zu bringen. Und welche Ehre und welches Anſehen ſtand ihm dann für ſein ganzes künftiges Leben bevor. Um ſo freudiger war er jetzt überraſcht, als er merkte, daß ihm der Kalif nicht ans Leben wollte, ſondern daß die ganze Verhörgeſchichte blos deshalb angeſtellt war, um ihm einen Schrecken einzujagen und ihn zu zwingen, die Ernen⸗ nung zum Emir el Hadſch ſtatt des Erſäuftwerdens als eine große Gnade anzuſehen. Er verbeugte ſich deshalb, ſo tief er konnte, küßte den Saum des kaiſerlichen Kaftans und zog ſich auf einen Wink ſeines Gebieters zur Laube hinaus. Doch war er ſo erſchöpft und von dem gräßlichen Verhör halb vernichtet, ſo daß er ſich kaum auf dem Pferde erhalten konnte.

In ſeinem Palaſte angekommen, nahm er ein ſtärkendes Bad und ſchloß ſich in ſein innerſtes Gemach ein, nachdem er zuvor ſeinem vertrauteſten Sclaven ſeine Ernennung zum Emir el Hadſch mitgetheilt.

Noch am ſelben Abend erſchallten alle Gaſſen Kairos vom bunten Freudengeſchrei des Volkes wieder, daß der Kalif in ſeiner hohen Weisheit und Gerechtigkeit den Pilgern einen Emir beſtellt, und daß dieß Niemand anders ſei, wie Mahmud Achmet, der Oberſchatzmeiſter. Hier wurde der Erſtere geprieſen und der Letztere gelobt.Maſchallah: ſagten die alten Türken in ihren Kaffeehäuſern.Der Oberſchatzmei⸗ ſter, das iſt ein Mann! Seht Ihr! er hat Reichthümer und Ehren genug und bietet ſich doch dem Kalifen an, ein ſo gefährliches Amt zu übernehmen.Ja, ja, ſagten Andere, vein wahrhaft hoch⸗ herziger und großmüthiger Mann, der Oberſchatzmeiſter! worauf die anderen Gäſte des Cafés im Chor hinzuſetzten:Gott mög' es ihm lohnen und der Prophet ihm gnädig ſein!

Wenige Tage nach dieſen Vorfällen brach alſo der denkwürdige Morgen an, von dem wir zu Eingang dieſer Blätter ſprachen. Die Imans oder Gebetausrufer verkündigten von den Spitzen der Mina⸗ reths, daß heute der große Tag erſchienen ſei, an welchem die Pilger⸗ karavane in feierlichem Aufzug durch die Stadt ziehe und ſich alsdann