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Der Pilgerzug nach Mekka : morgenländische Sagen und Erzählungen / von F. W. Hackländer
Entstehung
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Ach, großmächtigſter Herr und Kaiſer, ſeufzte der Schatz⸗ meiſter heraus, wollte es Deiner hohen Weisheit doch nur gefallen, meine Vertheidigung anzuhören, doch a hier hielt er mit dem Blick des größten Schreckens inne, als er ſah, daß den Kalifen der Verſuch, ſich zu vertheidigen, noch zorniger gemacht. Der Beherrſcher der Gläubigen zupfte nachdrücklich an ſeinem Bart, während er ſeinen koſtbaren Pfeifenkopf aus rother Ziegelerde, reich mit Gold eingelegt, an einem kleinen Steine zu tauſend Stücken zerſchlug. Wie geſagt, der Schatzmeiſter hielt, noch Schlimmeres fürchtend, mit ſeiner Ver⸗ theidigung inne, ohne es zu wagen, den Kalifen anzuſehen, der ihm zuerſt einen fürchterlich ſtrengen Blick zuwarf, aber nach und nach ein höhniſches Lachen annahm, ein Ausdruck, der ſich alsdann über ſeine ganzen Züge verbreitete, während er folgendermaßen ſprach:

Mahmud Achmet, mein Oberſchatzmeiſter, Du wirſt jetzt ein⸗ ſehen, daß es meiner hohen Weisheit gelungen iſt, Dir zu beweiſen, daß Du ein frecher Dieb biſt und noch dazu ein Dieb unter den er⸗ ſchwerendſten Umſtänden, denn Du haſt Deinen Herrn und Kalifen beſtohlen. Erzähle mir doch einmal, welche Strafe Deinem Unter⸗ beamten Ismael zu Theil wurde, als er aus dem Schatzgewölbe jenen grünen Stein mitnahm, der nur den Werth von drei Piaſtern hat!

Allergroßmächtigſter Herr und Kaiſer!

Die Strafe, Mahmud Achmet! Dein Gedächtniß, das vorhin ſo ſtark war und Du mir erzählen wollteſt, woher Du Deine Reich⸗ thümer haſt, ſcheint Dich auf einmal verlaſſen zu haben. Wie wurde Ismael beſtraft?

Die Gedanken des armen Oberſchatzmeiſters hüpften im Gehirne auf und nieder, wie ſterbende Fiſche im Waſſer, um nach jener Strafe zu ſuchen; doch mußte der Kalif nochmals dringend fragen, ehe Mah⸗ mud Achmet tonlos die Worte hervorbringen konnte:Ihm wurde die rechte Hand abgehauen, und dann wurde er gepfählt und mußte ſo elend ſterben.

Nachdem Mahmud ſo ſein eigenes Todesurtheil, wie er glaubte, geſprochen, ſah ihn der Kalif eine Zeit lang an, ſtrich darauf mit beiden Händen ſeinen Bart und ſagte:Mahmud Achmet, ich will Dir beweiſen, welch gnädiger und barmherziger Herr ich ſein kann. Du wirſt für den Dir bewieſenen Diebſtahl nicht beſtraft werden, ſondern ich bekleide Dich ſogar mit der hohen Ehre eines Emir el Hadſch. Führe meine Pilger wohl und ſchone Deine Geſundheit, da⸗