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Wehe in ſolchen Augenblicken dem armen Sclaven, der dem Kalifen die Pfeife in den Mund zu ſtecken hatte und es nicht mit der gehöri⸗ gen Sorgfalt that! oder einem Anderen, der die Polſter des Garten⸗ divans nicht in mehr als bequeme Lage gebracht hatte. Sein Leben war in Gefahr und der Kalif hatte ſchon mehr als einmal ſeinen Damascener gezogen und dem Selaven den Kopf vor die Füße gelegt, den blutigen Stahl aber hatte er ſeinem Schatzmeiſter Mahmud Achmet überreicht, um ihn abzuwiſchen und ihn dazu mit einem Blicke ange⸗ ſehen, der deutlich ſagte: ſein Blut iſt für dich gefloſſen.
Solche Auftritte griffen den armen Schatzmeiſter nicht wenig an, er ſah den Augenblick herankommen, wo ihm der Kalif die Frage ſtellen würde, ob er Emir el Hadſch werden oder geköpft ſein wolle? Zwei Sachen, von denen er nicht wußte, welche die ſchrecklichere ſei. Mahmud Achmet war ſchon hoch in den Vierzigen, war wohl beleibt und hatte ſchon deshalb eine unüberwindliche Abneigung gegen den Zug durch die Wüſte, weil er ſich ſehr vor der Peſt fürchtete, welche Krankheit oft bei dem Elend des ärmeren Volks, das mitzog, auszu⸗ brechen pflegte. Er verſuchte es, dem Kalifen dieſen oder jenen tapfe⸗ ren Krieger vorzuſchlagen, wobei er deutlich die Abſicht durchſchimmern ließ, gern aus ſeinem Beutel die Koſten des Zugs bezahlen zu wollen; doch der Kalif, der es ſich einmal in den Kopf geſetzt zu haben ſchien, niemand anders, als ſeinem Schatzmeiſter die Ehre des Zugs zu gön⸗ nen, und der wahrſcheinlich durch deſſen Widerſtreben gereizt war, verwarf alle andern, worüber ſich Mahmud Achmet nicht wenig ab⸗ grämte. Ihn erfreute ſein Palaſt nicht mehr, nicht einmal die präch⸗ tige Marmorhalle deſſelben mit dem ſchönen Springbrunnen und ſei⸗ nem cryſtallenen Waſſer, ihm ſchmeckte keine Pfeife und ſelbſt wenn er den beſten Tabak durch ein hundert Schuh langes Rohr einſaugte, ſo behauptete er, es ſei bitter und ſcharf. Seine Mährchenerzähler, denen er ſonſt ganze Abende mit der größten Aufmerkſamkeit zulauſchte. konnten die intereſſanteſten Sachen bringen und er behauptete doch, ſie ſeien ſchaal und abgeſchmackt. Kurz, es konnte ihm Niemand etwas recht machen. Dabei magerte er zuſehends ab, ſo daß der Sclave, der ihm Morgens den Shawl umwand, traurig mit dem Kopf ſchüttelte, als er nach kurzer Zeit gewahr wurde, daß der Ka⸗ ſchemir einmal mehr um den Leib reiche, als ſonſt.
Da ließ eines Tags der Kalif ſeinen Schatzmeiſter rufen. Abdallah lag in einer Myrthenlaube, auf rothſammtenen und goldgeſtickten Kiſſen


