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Der Pilgerzug nach Mekka : morgenländische Sagen und Erzählungen / von F. W. Hackländer
Entstehung
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mögens war; denn wenn der Beherrſcher der Gläubigen auch im Noth⸗ fall ſein Herzblut für ſeine Unterthanen verſpritzt hätte, ſo würde ihm doch die unnöthige Ausgabe eines Piaſters ſchwere Sorgen verurſacht haben, weswegen er ſich nicht gleich entſchließen konnte, einem ſeiner tapferen Kriegsoberſten die Führung ſeiner Karavane anzuvertrauen, für den man die Koſten des Zuges hätte beſtreiten müſſen. Nun war aber an ſeinem Hofe der Oberſchatzmeiſter, Mahmud Achmet, ein Mann, wie ihn der Kalif zur Pilgerfahrt nur wünſchen konnte. Mahmud hatte tapfer gegen die Wechabiten gefochten, war ein Mann von vie⸗ ler Erfahrung und als Schatzmeiſter ungeheuer reich. Er hatte einen ſtattlichen Harem, einen herrlichen Palaſt am Ufer des Nils, mit der Ausſicht auf die Palmengärten und Pyramiden von Ghize und viele Selaven, welche faſt prächtiger gekleidet waren als die des Kalifen. Aus dieſen Umſtänden Mahmuds kann man denn wohl leicht erſehen, daß er ſich gerade nicht gedrungen fühlte, bei ſeinem behaglichen Leben um die Stelle eines Emir el Hadſch anzuhalten. Schon einige Male hatte der Kalif bei Spaziergängen mit ſeinem Oberſchatzmeiſter ſo im Geſpräch ſeinen Verdruß merken laſſen, keinen paſſenden Emir finden zu können und dann leiſe darauf angeſpielt, wie trefflich dieſer Poſten für ihn paſſen würde, und wie ſtattlich ſich der Titel Emir vor dem Namen Mahmud Achmet ausnehmen würde. Solche Aeußerungen hatte nun der arme Schatzmeiſter mit einer entſetzlichen Angſt angehört und wenn er ſich dieſen Worten ſo mit allerhand Schmeichelreden zu ent⸗ ziehen wußte, ſo war ihm dabei zu Muth, als wäre er in den Käfig eines Löwen eingeſchloſſen und müſſe ſo langſam die Fallthüre hinter ſich aufheben, um mit der größten Behutſamkeit faſt unmerklich zu entweichen, damit der König der Thiere nicht ungeduldig aufſpringe, um ihn mit einem einzigen Schlage zu zermalmen; denn wenn auch der Kalif Abdallah im Allgemeinen ein recht guter Herr war, ſo hatte er doch keinen richtigen Begriff über den Werth des Lebens ſeiner Unterthanen und mochte nicht einſehen, daß, etwas gehängt oder ge⸗ ſpießt zu werden, ſelbſt dem ärmſten Teufel nicht angenehm ſei. Hatte nun der Kalif mit ſeinem Schatzmeiſter eine ſolche Unter⸗ redung beendigt, wobei es Letzterem gelungen war, den gefährlichen Poſten und die Ehre eines Emir el Hadſch von ſich abzuwälzen, ſo konnte Abdallah in eine ſo ſchlechte Laune gerathen, daß dem Schatz⸗ meiſter die Haare zu Berge geſtanden wären, wenn ſein Kopf nicht wie der jedes rechtgläubigen Muſelmanns glatt geſchoren geweſen.