n
se n
ganzen Dauer der Reiſe alle richterliche Gewalt übt, und deshalb Emir el Hadſch— Herr oder Fürſt der Pilger, genannt wird. Das erſte Geſchäft dieſes Emirs beſteht nun darin, ſich mit den gefürchtet⸗ ſten Stämmen der Beduinen in Unterhandlung zu ſetzen, um ſie für ſich zu gewinnen und ſeinen Zug zu ſichern. Da, wie ſchon geſagt, der Emir el Hadſch meiſtens ein vornehmer und auch reicher Muſel⸗ mann iſt, ſo bringt er oft aus ſeinem eigenen Vermögen große Opfer, um die ihm anvertraute Karavane vor allen Unfällen zu bewahren, denn wenn er ſie ohne großen Verluſt wieder glücklich nach Kairo zurückbringt, ſo iſt er für die Dauer ſeines Lebens ein gemachter Mann und genießt Vorzüge, wie kein anderer Sterblicher im glück⸗ ſeligen türkiſchen Reiche. Dieſe beſtehen hauptſächlich darin, daß er ſeinen Titel Emir fortbehält und daß, er mag beginnen, was er will, ſelbſt der Großherr nicht ſein Blut vergießen darf, weil der Koran ausdrücklich ſagt:„Der Auserwählte unter den auserwählten Gläubi⸗ gen, dem Gott und ſein Prophet die große Gnade verlieh, tauſende frommer Pilger unbeſchädigt durch die Wüſte zu führen, deſſen Haupt ſoll keine menſchliche Macht verletzen.“ Um ſich aber die Stämme der umherziehenden Beduinen geneigt zu machen, ſendet man an die be⸗ deutenderen Abgeordnete, welche dem Schech jedes Stammes koſtbare Geſchenke bringen und ſo um ſeine Freundſchaft werben.
Dieſe Geſchenke beſtehen gewöhnlich in einem reichen Zelt, in prächtigen Waffen und koſtbaren Pferden. Nimmt der Beduine der Wüſte dieſe Gaben, ſo hat er ſtillſchweigend mit dem Emir el Hadſch einen Vertrag geſchloſſen und verpflichtet ſich, die Pilgerkaravane nicht zu beunruhigen, ob er ihr aber bei vorkommenden Fällen ſeinen Schutz und ſeine Hülfe angedeihen läßt, bleibt ihm gänzlich überlaſſen.
Der Pilgerzug, von dem wir oben erzählten, daß ſein Auszug die Stadt Kairo in Allarm verſetzte, war unter der glorreichen Re⸗ gierung des Kalifen Abdallah. Da in dieſer Zeit das räuberiſche Volk der Beduinen zügelloſer und frecher als je war und es ſelten einer Karavane gelang, mehr wie zwei Tagereiſen von Kairo wegzukommen, ohne geplündert zu werden, ſo hatte die Wahl eines tapfern Emir el Hadſch, deſſen Obhut er ſeine frommen Pilger anvertrauen konnte, dem Kalifen ſchon manche ſorgenvolle Stunde gemacht. Wenn es auch an ſeinem Hofe der beherzten und einſichtsvollen Männer nicht wenige gab, ſo war es in dieſem Augenblicke doch ſchwer, einen zu finden, der neben dieſen Tugenden auch im Beſitz eines großen Ver⸗


