Druckschrift 
Der Pilgerzug nach Mekka : morgenländische Sagen und Erzählungen / von F. W. Hackländer
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Mecca zu machen, um dort am Grab ihres Propheten Mohamed eifrig um Vergebung ihrer Sünden zu beten und der Moſchee daſelbſt, der heiligen Kaaba, ein Almoſen zu opfern, in dem Grade wie es ihre Vermögensumſtände erlauben. Obgleich die Entfernung von Kairo nach Mecca nicht viel größer iſt, als von Wien nach Paris, wonach uns der Befehl zum Pilgerzug nicht ſo hart erſcheinen würde, ſo iſt die Sache doch ganz anders zu nehmen, denn von Chauſſeen, Eil⸗ wagen und Eiſenbahnen iſt jenſeits des Meeres keine Rede, wohl aber von der traurigen und unendlichen Wüſte, die mit ihrem wehen⸗ den lockeren Sand wenige Schritte vor den Thoren Kairos anfängt, und ſich bis gen Mecca ohne Baum und Strauch, ja faſt ohne Waſſer ausdehnt. Dabei iſt noch zu bemerken, daß, wenn nur den Reichen und Wohlhabenden die Pflicht auferlegt wäre, oder dieſe allein die Sehnſucht in ſich fühlten, das Grab ihres Propheten zu beſuchen, die⸗ ſelben ſich ſchnellerer Transportmittel bedienen, ſich auf Reitkameele oder flüchtige Pferde ſetzen und auf dieſe Art Mecca in kürzerer Zeit erreichen könnten. Aber dieſer Reichen und Wohlhabenden, welche den Pilgerzug mitmachen, ſind nicht viele, beſonders durch eine andere Beſtimmung des Korans, welche dem, der es bezahlen kann, die Er⸗ laubniß gibt, an ſeiner Stelle einen frommen Pilger auszurüſten und ihn auf ſeine Koſten den Zug mitmachen zu laſſen; was ihm der Prophet gerade ſo anrechnet, als habe er ſelbſt den Zug mitgemacht und alles Elend und alle Mühſeligkeiten ſelbſt ertragen. Je kleiner demnach die Zahl der Gläubigen iſt, die ſich für die lange Reiſe ge⸗ hörig mit Lebens⸗ und Transportmitteln ausrüſten können, um ſo größer iſt die Zahl des ärmeren Volkes, welches durch die Sehnſucht, das heilige Grab zu küſſen, verblendet, mitzieht, ohne daran zu den⸗ ken, daß die Reiſe gegen ſechsunddreißig Tage lang durch die Wüſte geht, wo während dieſer langen Zeit jeder nur das hat, was er mit⸗ nimmt, wo ſelbſt jeder der Vorſichtigen nur eben mit ſeinen Vor⸗ räthen auskommt und alſo auf keine andere Hülfe gegen das Ver⸗ ſchmachten zu rechnen iſt, als auf ein Wunder, das der Prophet thun könnte oder auf einen krummen Säbel der Raubbeduinen, die zuweilen die Karavanen überfallen.

Um dieſen Ueberfällen der Beduinen ſo viel als möglich zu be⸗ gegnen, ſchickt die ägyptiſche Regierung eine Anzahl gut bewaffneter Reiter mit, deren Befehlshaber zugleich der Anführer des ganzen Pilgerzugs iſt, meiſtens ein vornehmer Türke, der auch während der