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Der Pilgerzug nach Mekka : morgenländische Sagen und Erzählungen / von F. W. Hackländer
Entstehung
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Neber Kairo, der alten Kalifenſtadt, war die Sonne mit aller Gluth des ſüdlichen Himmels aufgegangen, und glänzte prächtig auf den vergoldeten Spitzen der unzähligen Minareths und auf den blei⸗ bedeckten Kuppeln der Moſcheen, heiligen Gräber und Karavanſereien. Wenn auch der Himmel in jenen Ländern gewöhnlich wolkenlos und tiefblau über der Erde prangt, ſo war es doch, als ſchaue er heute mit verdoppelter Freundlichkeit auf die alte Stadt und freue ſich über die zahlreichen Menſchenmaſſen, welche die Plätze und Gaſſen Kairos mehr als gewöhnlich belebten. Wer heute dies außerordentliche Ge⸗ treibe ſah, und dazwiſchen das laute freudige Geſchrei der Männer und Weiber hörte, den dumpfen Klang der Pauke und das Lärmen der langen ſchmalen Trommeln, die noch obendrein zur Verſtärkung des Schalles mit raſſelnden Ringen bedeckt ſind, wer die freudigen Geſichter der Muſelmänner gewahrte, mit denen ſie ſich gegenſeitig ihr Begrüßungswort Maſchallah! was ſo viel heißt, als: Gott iſt groß! oder: Ei w'Allah! guter Gott! zuriefen, der konnte leicht auf den Gedanken kommen, daß etwas Außergewöhnliches ſein mußte, was die ſtillen und maulfaulen Türken in ſolche Aufregung brachte. Und ſo war es auch. Man feierte heute ein Feſt, das dem ächten Muſel⸗ mann als eines der wichtigſten und heiligſten gilt nämlich den Auszug der Pilgerkaravane nach Mecca. Die Muhamedaner, deren Religionsübungen, wie ſie ihre Bibel, der Koran, vorſchreibt, mit weit mehr Mühſeligkeiten und Schwierigkeiten verbunden ſind, als die unſ⸗ rigen hier zu Lande, ſind durch eine Beſtimmung ihres Korans ge⸗ zwungen, ohne Ausnahme einmal in ihrem Leben die Pilgerfahrt nach Hackländer, orient. Sagen. 1