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Unser gemeinschaftlicher Freund : Roman in vier Büchern / von Charles Dickens (Boz). Mit 40 Ill. von Marcus Stone. Aus dem Engl. von Marie Scott
Entstehung
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n, als John jetzt haut Rücken an t beiden Hän⸗ gäſchickt, gleich Kücken ſchwaug. ine Knöpfe ſich , wie Sloppys,

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geltgt worden⸗ Abend, au dem 2 20e erſtanden,

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657 Boz, Unſer gemeinſchaftlicher Freund.

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mand als er ſelber zu ſagen vermocht. hätte es nicht ſagen können, denn ſolches Elend läßt ſich nur fühlen.

Er hatte erſtens die dreifache Wucht des Bewußt⸗ ſeins deſſen, was er gethan, und des ihn beſtändig ver⸗ folgenden Vorwurfs, daß er es ſo viel beſſer hätte thun können, und der Furcht vor der Entdeckung zu tragen. Dies war ſchwer genug, um ihn zu erdrücken, und er hatte es Tag und Nacht auf ſich. Es lag in ſeinem ſpärlichen Schlafe ebenſo ſchwer auf ihm, wie während der rothäugigen Stunden des Wachens. Es zog ihn

Und ſelbſt er

mit einer fürchterlichen unveränderlichen Einförmigkeit

herunter, in der kein Augenblick der Abwechſelung eintrat. Ein überladenes Laſtthier oder ein überladener Sclave kann zu gewiſſen Augenblicken den Druck der körperlichen Laſt verändern und ſelbſt, indem er dieſen Muskeln oder jenem Gliede ferneren Schmerz verurſacht, ſich eine ge⸗ ringe Erleichterung verſchaffen. Doch ſelbſt dieſe arm⸗ ſelige Nachahmung von Erleichterung vermochte ſich der elende Menſch in dem beſtändigen Drucke der hölliſchen Atmoſphäre nicht zu gewähren, in die er eingetreten war.

Die Zeit verging und es folgte ihm kein ſichtbarer Verdacht; die Zeit verging, und in den öffentlichen Be⸗ richten über den Anfall, die von Zeit zu Zeit wieder

Lightwood,(der als Rechtsanwalt des Verwundeten han⸗ delte), ſich immer weiter von der Wahrheit entfernte, immer mehr von dem Ausgange abwich und offenbar an Eifer nachließ. Allmälig fing er die Urſache hiervon zu begreifen an. Dann kam das zufällige Begegnen mit

Mr. Milvey auf dem Bahnhofe,(wo er ſich in ſeinen

Mußeſtunden häufig umhertrieb, da es ein Ort, an dem irgend welche friſche Nachrichten in Bezug auf ſeine That bekannt gemacht oder Anſchlagezettel darüber angeklebt zu finden waren), und dann ſah er klar, was er herbei⸗ geführt hatte.

Denn dann ſah er, wie er durch ſeinen verzweifelten

da Riderhood ihm als ein ſehr unwiſſender Mann be⸗

kannt war, der weder leſen noch ſchreiben könne, fing er zu bezweifeln an, ob er überhaupt zu fürchten ſei, oder ob ſie einander jemals wiederzuſehen brauchten.

Inzwiſchen war ſein Geiſt keinen Augenblick von der

Folter frei, und das marternde Bewußtſein, daß er ſich als Brücke für dieſe Beiden über den Abgrund hinge⸗ worfen, der ſie trennte, konnte nimmer abkühlen. Dieſer fürchterliche Zuſtand führte neue Anfälle herbei. Er hätte nicht ſagen können, wann oder wie oft; aber er

las in den Geſichtern ſeiner Schüler, daß ſie ihn in je⸗

nem Zuſtande geſehen und daß ſie in Furcht vor einem Rückfalle bei ihm lebten.

An einem Winterabende, als ein leichter Schnee auf die Schwelle und die Rahmen der Fenſter der Schul⸗ ſtube fiel, ſtand er mit der Kreidggin der Hand vor ſei⸗ ner ſchwarzen Tafel, im Begriff, den Unterricht zu be⸗ ginnen, als er, da er in den Geſichtern der Knaben las, daß ſich etwas ereignet und ſie ſeinetwegen in Sorge ſeien, ſein Geſicht der Thür zuwandte, der ſie gegen⸗ überſaßen. Er erblickte einen ſchlotterig und abſtoßend ausſehenden Mann, der mit einem Bündel unter dem Arme mitten in der Schulſtube ſtand, und ſah, daß es

Riderhood ſei. aufgenommen wurden, fing er an zu ſehen, wie Mr.

Er ſank auf einen Stuhl, den einer der Knaben für

ihn hinſtellte, und hatte ein flüchtiges Bewußtſein, daß

Verſuch, jene Beiden zu trennen, nur das Mittel ge⸗

worden, um ſie zu vereinen. Daß er ſeine Hände mit

Blut befleckt, nur um ſich als einen elenden Narren und

als ein erbärmliches Werkzeug zu kennzeichnen. Daß Eugen Wrayburn ihn, um ſeiner Gattin willen, bei Seite werfe, und auf ſeiner giftigen Bahn hinkriechen laſſe. Er dachte an das Schickſal oder die Vorſehung, oder was immer die leitende Gewalt geweſen, als eine Macht, die ihn betrogen, ihn übervortheilt habe, und in ſeiner machtloſen, tollen Wuth biß er und tobte er und hatte er ſeine Anfälle. 1

Neue Beſtätigung der Wahrheit erhielt er während der nächſten Tage, als bekannt gemacht wurde, wie der Verwundete ſich auf ſeinem Krankenbette verheirathet, und mit wem und wie er, obgleich noch immer in Ge⸗ fahr, doch um einen Schatten beſſer ſei. Bradley hätte

viel lieber gewollt, daß man ihn ſeines Mordes wegen

ergriffen, als daß er dies leſen und ſich geſchont ſehen mußte, und dazu wiſſen mußte, warum er geſchont werde.

Um jedoch nicht noch ferner betrogen und übervor⸗ theilt zu werden was geſchehen mußte, falls er durch Riderhood implicirt und durch das Geſetz für ſein erbärm⸗

liches Mißlingen beſtraft ward, wie wenn daſſelbe ein

Erfolg geweſen blieb er während des Tages ſtill in ſeiner Schule, ging Abends nur mit großer Vorſicht aus, und nicht mehr nach dem Bahnhofe.

Er ſuchte in den

Zeitungsannoncen nach Beweiſen, daß Riderhood ſeine

Drohung, ihn in dieſer Weiſe zur Erneuerung ihrer Be⸗

er in Gefahr ſei, zu fallen, und daß ſein Geſicht ſich verzerrte. Aber der Anfall ging für diesmal vorüber und er wiſchte ſich den Mund und ſtand wieder auf.

Bitt' um Vergebung, Meiſter! Mit Verlaub! ſagte Riderhood, mit einem ſchielenden Grinſen die Hand an die Stirn legend.Was mag dies wohl für ein Haus ſein?

Dies iſt eine Schule.

Wo junge Leute lernen, was recht iſt? ſagte Ri⸗ derhood mit ernſtem Kopfnicken.Bitt' um Vergebung, Meiſter! Mit Verlaub! Aber wer lehrt in dieſer Schule?

Ich.

Sie ſind der Lehrer, wie, gelehrter Meiſter?

Ja. Ich bin der Lehrer.

Und es muß etwas Herrliches ſein, ſagte Riderhood, die jungen Leute zu lehren, was Recht iſt, und zu wiſſen, daß ſie wiſſen, daß man es thut. Bitt' um Vergebung, Meiſter! Mit Verlaub! Jene ſchwarze Tafel dort wozu nützt ſie?.

Sie wird benutzt, um darauf zu ſchreiben oder zu zeichnen.

Was Sie ſagen! meinte Riderhood.Wer hätte das gedacht, nach dem Ausſehen zu urtheilen! Würden Sie wohl die Güte haben, Ihren Namen darauf zu ſchreiben, gelehrter Meiſter? ſetzte er in hündiſch ſchmei⸗ chelndem Tone hinzu.

Bradley zögerte einen Augenblick, ſchrieb aber dann

ſeine gewöhnliche Unterſchrift in vergrößertem Maßſtabe auf die Tafel.

Ich bin kein gelehrter Mann, ſagte Riderhood, die Blicke über die Claſſe hinſchweifen laſſend,aber ich be⸗ wundere die Gelehrſamkeit in Anderen. Ich moͤchte was drum geben, dieſe jungen Leute hier jenen Namen dort von der Tafel ableſen zu hören.

Die Arme der Claſſe fuhren in die Höhe. Beim Kopfnicken des elenden Lehrers erhob ſich der gellende Chor:Bradley Headſtone!.

Nein! rief Riderhood.Was Sie ſagen! Head⸗ ſtone! Ei, das ſteht ja auf einem Gottesacker.) Hurrah,

kanntſchaft aufzufordern, ausgeführt, fand deren jedoch noch einmal!

keine. Da er ihm für die Erfriſchung und Bequemlich⸗

keit, die er im Schleuſenhauſe genoſſen, gut bezahlt, und

Boz, unſer gemeinſchaftlicher Freund.

*) Headstone bedeutet ſo viel wie Grabſtein. Anmerkung der Ueberſetzerin.

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