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nommen ward.
„Alles Uebrige zwiſchen uns, Mr. Wegg,“ ſagte Ve— nus,„erklärt ſich jetzt von ſelber, und Sie werden es ohne fernere Worte von mir begreifen können. Um je⸗ doch gründlich jeder Unannehmlichkeit oder jedem Miß⸗ verſtändniſſe über einen mir ſehr wichtig erſcheinenden
Punkt vorzubeugen, der am Schluſſe unſerer Bekannt⸗
ſchaft völlig aufgeklärt ſein muß, bitte ich Mr. Boffin und Mr. John Harmon um Erlaubniß, eine Bemerkung wiederholen zu dürfen, die ich bereits ihrer Beachtung unterworfen. Ihr ſeid ein erſtaunlicher alter Schurke!“
„Sie ſind ein Narr,“ ſagte Wegg, ihm ein Schnipp⸗ chen ſchlagend,„und ich würde Sie mir ſchon längſt vom Halſe geſchafft haben, falls ich nur gewußt hätte, wie ich es anfangen ſolle. Ich habe es mir wohl über⸗ legt, das kann ich Ihnen ſagen. Sie mögen gehen, und zwar mit Freuden. Sie laſſen deſto mehr für mich übrig. Denn, ſehen Sie wohl,“ ſagte Wegg, ſeine nächſte Be⸗ merkung zwiſchen Mr. Boffin und Mr. Harmon theilend,
nich bin meinen Preis werth und beabſichtige, ihn zu haben.
Dies Ausbeugen iſt ſchon recht gut und macht auf eine anatomiſche Pumpe, wie dieſe hier,“ auf Venus deutend, „Eindruck; aber für einen Mann iſt es ohne alle Wir⸗ kung. Ich bin hier, um mich kaufen zu laſſen, und ich habe meinen Preis angegeben. Jetzt alſo kaufen Sie mich oder laſſen Sie mich gehen.“
„Ich will Euch gehen laſſen, Wegg,“ ſagte Mr. Bof⸗ fin lachend,„ſo weit es mich betrifft.“
„Bof—fin!“ erwiderte Wegg, ſich mit ſtrenger Miene zu ihm wendend,„ich begreife Ihre neugeborene Frech⸗ heit. Ich erkenne das Zinn unter Ihrer ſilbernen Plat⸗ tirung. Sie haben ſich die Naſe verrenkt. Da Sie wiſſen, daß für Sie nichts nuf dem Spiele ſteht, können Sie den Unabhängigen ſpielen. Ei, Sie ſind zu durch— ſchauen, wie ein ſchmieriges Glas! Aber Mr. Harmon befindet ſich in einer andern Lage. Was Mr. Harmon riskirt, iſt ein ganz ander Paar Stiefeln.
Ich habe
nun kürzlich Etwas darüber gehört, daß dies Mr. Har⸗ mon iſt— ich verſtehe jetzt gewiſſe Andeutungen, die ich darüber in den Zeitungen geleſen— und laß Sie
deshalb fallen, Boffin, als unter meiner Beachtung. Ich frage Mr. Harmon, ob er eine Vorſtellung von dem In⸗ halte dieſes Documents hat?“
„Es iſt ein Teſtament meines verſtorbenen Vaters, von ſpäterem Datum als dasjenige, welches Mr. Boffin
bewieſen(und falls Ihr Euch noch einmal unterſteht, zu
dieſem Herrn zu ſprechen, wie Ihr es ſo eben gethan, ſo werde ich Euch zu Boden ſchlagen), und in dem er das ganze Vermögen der Krone vermacht,“ ſagte John Har⸗ mon mit ſo viel Gleichgültigkeit, als ſich mit außer⸗ ordentlicher Strenge vereinbaren ließ. „Ganz recht!“ rief Weng.„Dann,“ ſagte er, indem er ſich mit ſeinem ganzen Gewicht auf ſein hölzernes
mit dem einen Auge blinzelte,„dann frage ich Sie, was iſt dies Document werth?“
„Nichts,“ ſagte John Harmon.
Wegg hatte das Wort höhnend wiederholt und be⸗ gann eben eine ſpöttiſche Erwiderung, als er ſich plötz⸗ lich, zu ſeinem unbegrenzten Erſtaunen, bei der Hals⸗ binde gepackt, dann geſchüttelt, bis ihm die Zähne wackel⸗ ten, taumelnd in eine Ecke des Zimmers zurückgeſchoben und dort feſtgehalten ſah..
„Ihr Schurke!“ ſagte John Harmon, deſſen Matroſen⸗ griff dem einer Schraube gleichkam. 2 V
„Ich beabſichtige, Euren Kopf gegen die Wand zu ſtoßen,“ erwiderte John Harmon, indem er aufs Herz⸗ hafteſte die That dem Worte folgen ließ;„und ich gäbe tauſend Pfund darum, wenn ich Euch den Schädel ein⸗ ſchlagen dürfte. Hört zu, Ihr Schurke, und ſchaut jene Branntweinflaſche an.“
Sloppy hielt dieſelbe zu ſeiner Erbauung empor.
„Jene Branntweinflaſche enthielt das letzte von allen Teſtamenten meines unglücklichen, ſich ſelbſt quälenden Vaters. Dieſes Teſtament giebt Alles unbedingt meinem und Eurem edlen Wohlthäter, Mr. Boffin, indem er mich und meine Schweſter(die damals bereits an ge⸗ brochenem Herzen geſtorben) ausſchließt und beſchimpft. Jene Branntweinflaſche war von meinem und Eurem edlen Wohlthäter gefunden worden, nachdem er bereits den Beſitz des Vermögens angetreten. Jene Brannt⸗ weinflaſche betrübte ihn über alle Maßen, weil durch ihren Inhalt, obwohl wir Beide nicht mehr lebten, ein Vorwurf auf unſer Andenken geworfen ward, den zu verdienen wir in unſerer elenden Kindheit nichts gethan. Jene Branntweinflaſche vergrub er deshalb in den Hügel, der ihm gehörte, und dort lag dieſelbe, während Ihr, undankbarer Hallunke, wahrſcheinlich ganz in der Nähe umherſtacheltet und grubt. Seine Abſicht war, daß die⸗ ſelbe nie ans Tageslicht kommen ſolle; aber er fürchtete ſich, das Teſtament zu vernichten, aus Sorge, daß die Vernichtung eines ſolchen Documents, ſelbſt bei ſeinem edlen Beweggrunde, eine Geſetzesverletzung ſein dürfe. Nachdem hier die Entdeckung gemacht worden, wer ich ſei, theilte mir Mr. Boffin, der noch immer unruhig über den Gegenſtand war, unter gewiſſen Bedingungen, welche ein Hund, wie Ihr, unmöglich zu ſchätzen im Stande iſt, das Geheimniß jener Branntweinflaſche mit. Ich ſtellte ihm die Nothwendigkeit vor, daß dieſelbe aus⸗ gegraben, und das Document gerichtlich erwieſen und geltend gemacht würde. Das Erſtere habt Ihr ihn thun ſehen, und das Letztere iſt ohne Euer Wiſſen geſchehen. Deshalb iſt das Document, das in Eurer Hand zittert, wie ich Euch ſchüttele— und ich möchte Euch die Seele aus dem Leibe ſchütteln— weniger werth, als der verfaulte Kork in der Branntweinflaſche, verſteht Ihr wohl?“
Nach dem langen Geſichte zu urtheilen, das Silas machte, wie er auf das Unbehaglichſte den Kopf hin⸗ und herwiegte, verſtand er es allerdings.
„Jetzt, Schurke,“ ſagte John Harmon, ihn abermals mit einem Matroſengriffe bei der Halscravatte packend und auf Armeslänge in der Ecke feſthaltend,„werde ich noch zwei kurze Reden an Euch richten, in der Hoffnung, daß dieſelben Euch quälen werden. Eure Entdeckung war eine vollkommen rechtsgültige, denn es hatte kein Menſch daran gedacht, an jener Stelle danach zu ſuchen. Auch wußten wir nichts davon, daß Ihr dieſelbe ge⸗ macht, bis Venus zu Mr. Boffin ſprach, obgleich ich Euch von meinem erſten Erſcheinen an ſcharf beobachtete, und Sloppy es ſich längſt zur Hauptbeſchäftigung und
Hauptfreude ſeines Lebens gemacht, Euch wie Euer Schat⸗ ten zu folgen.
Ich ſage Euch dies, damit Ihr wißt, daß wir hinlänglich mit Euch bekannt waren, um Mr. Boffin zu bewegen uns zu geſtatten, daß wir Euch bis zum allerletzten Augenblick in Eurem Verfahren beſtärk⸗ ten, damit Eure Enttäuſchung möglichſt bitter ſei. Dies iſt meine kurze erſte Rede, verſteht Ihr?“
Hier unterſtützte John Harmon ſein Verſtändniß durch ein Schütteln.
„Jetzt, Schurke,“ fuhr er fort,„komme ich zum


