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Unser gemeinschaftlicher Freund : Roman in vier Büchern / von Charles Dickens (Boz). Mit 40 Ill. von Marcus Stone. Aus dem Engl. von Marie Scott
Entstehung
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645 lich geweſen, Deine Zuneigung zu gewinnen und Dein Herz zu beſitzen, kam es mir plötzlich in den Kopf, mich zu ihm zu wenden und zu ſagen:Ihre Zuneigung ge⸗ winnen und ihr Herz beſitzen! Miau, ſagt die Katz', Quak quak, ſagt die Ent', Wau, wau wau, ſagt der Hund. Ich könnte Dir nicht ſagen, wie mir's in den Kopf kam, oder woher, aber es hatte ſo ſehr den Klang eines Zerſchmetterers, daß ich Dir bekenne, es ſetzte mich ſelbſt in Erſtaunen. Aber ich war fürchter⸗ lich nahe daran, in Lachen auszubrechen, als ich ſah, was für Augen John machte!

Du ſagteſt, mein Tauſendſchönchen, erinnerte Mrs. Boffin Bella,daß Du noch Eins nicht begreifen könnteſt?

O, ja! ſagte Bella, ihr Geſicht mit beiden Hän⸗ den bedeckend;aber das werde ich, ſo lange ich lebe, nie zu begreifen im Stande ſein. Das iſt, wie John mich ſo lieben konnte, da ich es ſo wenig verdiente, und wie Sie, Mr. und Mrs. Boffin, ſich ſelber ſo zu ver⸗ geſſen im Stande waren, und ſich ſo viel Mühe gaben, um mich ein wenig zu beſſern, und ihm ſchließlich doch nur zu einer ſo unwürdigen Frau zu verhelfen. Aber ich bin ſehr, ſehr undankbar.

Es war jetzt John Harmon an der Reihe jetzt auf immer John Harmon und nie mehr John Roke⸗ ſmith ſie(ganz überflüſſigerweiſe) um Verzeihung zu bitten wegen des an ihr geübten Betrugs und ihr ein⸗ mal über das andere die Verſicherung zu wiederholen, daß derſelbe durch ihre eigene einnehmende Anmuth und Lieblichkeit in der muthmaßlichen Lebensſtellung verlän⸗ gert worden. Dies führte mancherlei Austauſche von Zärtlichkeit und Glückſeligkeit von allen Seiten herbei, inmitten deren es plötzlich bemerkt ward, daß das Uner⸗ ſchöpfliche in höchſt blödſinniger Weiſe auf Mrs. Bof⸗ fins Bruſt hinſtiere, wofür es für übernatürlich ſcharf⸗ ſinnig in Bezug auf alles Stattgehabte erklärt wurde, und den Damen und Herren, vermittelſt Schwenken des fleckigen Fäuſtchens(das mit Mühe von einer außeror⸗ dentlich kurzen Taille losgemacht werden mußte) zu ver⸗ ſtehen gebe:Ich habe meine ehrwürdige Ma bereits un⸗

terrichtet, daß ich die ganze Geſchichte verſtehe!

Dann ſagte Mr. John Harmon, ob Mrs. John Har⸗ mon kommen und ihr Haus in Augenſchein nehmen wolle? Es war ein ſchmuckes Haus und mit geſchmack⸗ voller Pracht ausgeſtattet; und ſie marſchirten in Pro⸗ zeſſion in demſelben umher, indem das Unerſchöpfliche an Mrs. Boffin's Buſen(noch immer ſtierend) den Mittel⸗ punkt einnahm und Mr. Boffin die Nachhut bildete. Und auf Bella's reizendem Toilettentiſchchen ſtand ein Schmuckkaſten von Elfenbein, und in dem Schmuckkaſten befanden ſich Kleinodien, wie ſie ſich deren nie hatte

träumen laſſen; und oben in einer höheren Etage war

eine Kinderſtube hergerichtet, in allen Farben des Regen⸗ bogens;obgleich wir große Mühe hatten, ſagte John Harmon,es in ſo kurzer Zeit fertig zu bringen. Nachdem das Haus in Augenſchein genommen, ward das Unerſchöpfliche von Emiſſären abgeführt und bald darauf im Regenbogen gehört; worauf Bella ſich aus der Geſellſchaft der Herren entfernte, und das Schreien im Regenbogen aufhörte und lächelnder Friede bei jenem jungen Oelzweige einkehrte. Komm und ſchau herein,

Noddy, ſagte Mes. Bof⸗ fin zu Mr. Boffin.

Boz, Unſer gemeinſchaftlicher Freund.

Mr. Boffin ließ ſich auf den Fußſpitzen an die Thür

der Kinderſtube führen und ſchaute mit unausſprechlichem Behagen hinein, wiewohl es dort nichts zu ſehen gab als Bella in einem gedankenvollen Zuſtande der Glück⸗ ſeligkeit auf einem niedrigen Seſſel vor dem Kaminfeuer,

mit ihrem Kinde in ihren ſchönen jungen Armen, die Augenlider ſenkend, um mit ihren ſeidigen Wimpern die Augen vor dem Feuer zu ſchützen.

Es ſieht aus, als ob der Geiſt des alten Mannes endlich Ruhe gefunden hätte, nicht wahr? ſagte Mrs. Boffin.

Ja, alte Dame.

Und als ob ſein Geld, nach langem Roſten im Fin⸗ ſtern, wieder blank geworden, und endlich im Sonnen⸗ ſchein zu funkeln anfinge?

Sa, alte Dame.

Und es macht ein hübſches, hoffnungsvolles Bild, nicht wahr?

Ja, alte Dame.

Da er aber in dem Augenblicke eine ſchöne Gelegen⸗ heit zu einer Pointe ſah, dämpfte Mr. Boffin jene Be⸗ merkung, indem er mit dem knurrigſten Gebrumme eines ächten braunen Bären ſagte:Ein hübſches und hoffnungsvolles Bild! Miau, Quak, quak, Wau, wau! und dann ſchweigend, doch mit lebhaft bewegten Schul⸗ tern, die Treppe hinunter trabte.

Vierzehntes Capitel. Schach und matt dem Freundſchaftsbündniſſe.

Mr. und Mrs. John Harmon hatten die Beſitznahme von ihrem rechtmäßigen Namen und ihrem Hauſe in London ſo angeſetzt, daß dieſelbe gerade an demſelben Tage ſtattfand, an dem die letzte Karrenladung des letz⸗ ten Kehrichthügels in Boffin's Laube zum Thore hin⸗ ausgefahren wurde. Wie dieſelbe fort fuhr, fühlte Mr. Wegg ſich von einer entſprechenden Laſt befreit, und ſchaute mit Jubel dem glücklichen Augenblicke entgegen, wo jenes ſchwarze Schaf, Boffin, kahlgeſchoren werden ſollte.

Ueber das ganze langſame Werk des Abtragens der Hügel hatte Silas mit gierigen Augen Wache gehalten. Aber Augen, die nicht minder habgierig, hatten in längſt vergangenen Jahren das Wachſen jener Hügel beobach⸗ tet, und aufmerkſam das Sichten des Kehrichts bewacht, aus dem dieſelben beſtanden. Es wurden keine Koſtbar⸗ keiten gefunden. Wie hätte dies wohl geſchehen können, da der harte alte Kerkermeiſter des Harmonie⸗Gefäng⸗ niſſes längſt jeden kleinſten Fund zu Gelde gemacht?

Obgleich durch dieſes kahle Reſultat enttäuſcht, fühlte Mr. Wegg ſich doch am Schluſſe des Werks zu ſehr er⸗ leichtert, um ſtark zu murren. Ein Repräſentant der Kehrichtlieferanten, die die Hügel angekauft, hatte Mr. Wegg zu Haut und Knochen herabgearbeitet. Dieſer Oberaufſeher der Arbeiten wäre, indem er das Recht ſeiner Herren behauptete, bei Tage oder bei Nacht fort⸗ zukarren, falls es noch viel länger gewährt hätte, Silas' Tod geworden. Indem er ſelbſt dem Anſcheine nach nie des Schlafes bedurfte, pflegte er mit einem verbundenen zerſchlagenen Kopfe, einem Hute, der am Hinterkopfe mit einem breiten Schirme verſehen, und Kniehoſen von Baumwollenſammet wie ein verdammter Gnom zu den allerunheiligſten und unzeitigſten Stunden wieder zu er⸗ ſcheinen. Durch ſeine Bewachung eines langen Tage⸗ werks in Nebel und Regen gänzlich erſchöpft, war Silas vielleicht eben zu Bette gekrochen und im erſten Schlum⸗ mer, wenn ein abſcheuliches Schütteln und Rumpeln unter ſeinem Fenſter eine ſich nahende Prozeſſion von Karren

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