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Unser gemeinschaftlicher Freund : Roman in vier Büchern / von Charles Dickens (Boz). Mit 40 Ill. von Marcus Stone. Aus dem Engl. von Marie Scott
Entstehung
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Wie John ſich bückte, um dieſe Züchtigungen ent⸗ gegenzunehmen, fragte Bella ihn, ob es nöthig ſein werde, daß ſie ſchon bald auszögen? Nun, ja,(ſagte John), er denke allerdings, daß ſie ſchon bald würden ausziehen müſſen. (ſagte Bella). Nun, nein,(ſagte John), die Sache ſei die daß das Haus gewiſſermaßen bereits meu⸗ blirt ſei.

Da das unerſchöpfliche Kleine dies hörte, nahm es abermals die Offenſive an und ſagte:Aber es iſt dort keine Kinderſtube für mich, Sir. Was willſt Du damit ſagen, Du marmorherziger Vater? Worauf der marmor⸗ herzige Vater erwiderte, es befinde ſich allerdings eine Art von Kinderſtube dort, die die wohlhinreichen werde.

Hinreichen wird? entgegnete das Unerſchöpfliche, noch fernere Züchtigung austheilend,wofür hältſt Du mich? Und dann ward es auf Bella's Schooße auf den Rücken gelegt und mit Küſſen erſtickt.

Aber wirklich, John, ſagte Bella, durch dieſe An⸗ ſtrengung lieblich geröthet,wird das neue Haus, ſo wie es daſteht, für das Kleine paſſen? Das iſt die Frage!

Ich fühlte, daß dies die Frage ſei, erwiderte er,

und traf daher die Verabredung, daß Du morgen Vor⸗ mittag mit mir kommen, und es Dir anſchauen ſollteſt.

Es ward alſo abgemacht, daß Bella ihn morgen Vormittag begleiten ſolle, worauf John geküßt ward und Bella entzückt war.

Als ſie ihrem kleinen Plane zufolge in London an⸗ langten, nahmen ſie einen Fiaker und fuhren dem Weſt⸗ ende zu. Nicht nur dem Weſtende zu, ſondern dem be⸗ ſonderen Theile des Weſtendes, das Bella zuletzt geſehen, als ſie Mr. Boffins Thür den Rücken gewandt. Und nicht nur nach dieſem beſonderen Stadttheile, ſondern endlich ſogar in dieſelbe Straße hinein. Und ſie fuhren nicht nur in dieſe beſondere Straße hinein, ſondern hiel⸗ ten ſchließlich gar vor demſelben Hauſe ſtill.

Mein lieber John! rief Bella, aufgeregt aus dem Fenſter ſchauend.Siehſt Du, wo wir ſind?

Ja, mein Herz. Der Kutſcher hat ganz recht.

Die Hausthür ward ohne alles Anklopfen oder Klin⸗ geln geöffnet, und John half ihr geſchwind aus dem Wagen. Der Diener, der die Thür offen hielt, richtete keinerlei Fragen an John, und ging ihnen weder voran noch folgte er ihnen, als ſie geradezu die Treppe hinauf⸗ gingen. Nur der ſie umſchlingende Arm ihres Gatten verhinderte ſie, indem er ſie ſanft fortzog, am Fuße der Treppe ſtehen zu bleiben. Wie ſie dieſelbe hinanſtiegen, ſah ſie, daß dieſelbe auf das Geſchmackvollſte mit den ſchönſten Blumen verziert war.

O, John! ſagte Bella mit ſchwacher Stimme. Was ſoll dies bedeuten?

Nichts, mein Herz, nichts. Laß uns weiter gehen.

Da ſie ein wenig höher ſtiegen, kamen ſie zu einem allerliebſten Vogelhauſe, in dem eine Menge tropiſcher Vögel umherflogen, deren Gefieder noch bunter als die Blumen war; und unter den Vögeln befanden ſich Gold⸗ und Silberfiſche, und alle Arten von Moos und Waſſerlilien und ein Springbrunnen und alle möglichen Wunder..

O, mein lieber John! ſagte Bella.Was ſoll dies bedeuten?

Nichts, mein Herz, Nichts. Laß uns weiter gehen.

Sie gingen weiter, bis ſie an eine Thür kamen. Wie John die Hand ausſtreckte, um dieſelbe zu öffnen, ergriff Bella ſeine Hand.

Und das Hausgeräth natürlich mitnehmen?

637 Boz, Unſer gemeinſchaftlicher Freund. 638

Ich weiß nicht, was es zu bedeuten hat, aber es iſt zu viel für mich. Halte mich, lieber John.

John fing ſie in den Armen auf und trug ſie leicht ins Zimmer hinein.

Siehe da Mr. und Mrs. Boffin, ſtrahlend! Mrs. Boffin, die entzückt in ihre Hände ſchlägt, mit Freuden⸗ thränen auf dem hübſchen Geſicht zu Bella eilt, ſie an ihr Herz ſchließt und ausruft:Mein liebes, liebes, lie⸗ bes Mädchen, das Noddy und ich ſich verheirathen ſahen und nicht beglückwünſchen, ja nicht einmal anreden durf⸗ ten! Mein liebes, liebes, liebes Weibchen John's und Mutter ſeines kleinen Kinds! Mein zärtliches, liebevolles, ſchönes, ſchönes Schätzchen! Willkommen in Deinem eige⸗ nen Hauſe, mein Herzchen!

Dreizehntes Capitel.

Zeigt, wie der Goldene Kehrichtmann den Teuten Hand in die Augen ſtreut.

In all der erſten Verwirrung ihres Erſtaunens war Mr. Boffins leuchtendes Angeſicht das Allerverwirrendſte für Bella. Daß ſeine Gattin freudig und offenherzig und liebevoll war, oder daß ihr Geſicht jede Eigenſchaft ausdrückte, die groß und vertrauend und keine einzige, die klein oder gemein, ſtimmte durchaus mit Bella's Er⸗ fahrung überein. Aber daß er mit vollkommen wohl⸗ wollender Miene und rundem, roſigen Angeſicht daſtand und ſie und John wie ein jovialer guter Geiſt betrach⸗ tete, war wunderbar! Denn wie hatte er ausgeſchaut, als ſie ihn das letzte Mal in dieſem ſelben Zimmer ge⸗ ſehen(es war das Zimmer, in dem ſie ihm beim Schei⸗ den ihre Meinung geſagt), und was war aus all den krummen Runzeln des Argwohns, Geizes und Mißtrauens geworden, die damals ſein Geſicht entſtellt?

Mrs. Boffin ließ Bella auf ein großes Sopha nie⸗ derſitzen und ſetzte ſich zu ihr, während John, ihr Gatte, ſich zu ihrer andern Seite niederließ und Mr. Boffin mit überſchwänglicher Vergnüglichkeit und Freude daſtand, und ſie Alle anſtrahlte. Darauf hatte Mrs. Boffin einen Lachanfall, indem ſie ſich in die Hände und auf die Kniee ſchlug und ſich hin⸗ und herwiegte, und dann noch einen Lachanfall, in dem ſie Bella umarmte und hin⸗ und herwiegte beide Anfälle von beträchtlicher Dauer.Alte Dame, alte Dame, ſagte Mr. Boffin endlich;falls Du nicht anfängſt, muß jemand Anderes anfangen.

Ich fange jetzt an, lieber Noddy, erwiderte Mrs. Boffin.Aber es iſt nicht ſo leicht, anzufangen, wenn man ſo überſelig glücklich iſt. Bella, mein Herzchen, ſage mir, wer iſt dies?

Wer iſt dies? wiederholte Bella.Mein lieber Mann.

Ahl Aber ſage mir ſeinen Namen, Herzchen! rief Mrs. Boffin.

Rokeſmith.

Nein, das iſts nicht! rief Mrs. Boffin, in die Hände ſchlagen und den Kopf ſchüttelnd.Nicht die Spur.

Handford alſo, ſagte Bella.

Nein, das iſts nicht! rief Mrs. Boffin, abermals in die Hände ſchlagend und den Kopf ſchüttelnd.Nicht die Spur. 4

Er heißt doch wenigſtens John, wie? ſagte Bella.

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