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Unser gemeinschaftlicher Freund : Roman in vier Büchern / von Charles Dickens (Boz). Mit 40 Ill. von Marcus Stone. Aus dem Engl. von Marie Scott
Entstehung
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Meine Amtspflicht, ſagte Lightwood zögernd, mit einem abermaligen Blicke auf Bella,liegt mit meiner

Neigung im Streit; aber ich bezweifle, Mr. Rokeſmith,

ob ich darin gerechtfertigt bin, mich hier von Ihnen zu

eerabſchieden, ohne eine Erklärung über Ihr Verfahren zu

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haben.

Bella ergriff die Hand ihres Gatten.

Beunruhige Dich nicht, mein Herz. Mr. Light⸗ wood wird ſehen, daß er völlig darin gerechtfertigt iſt, ſich hier von amir zu verabſchieden. Jedenfalls, fügte Rokeſmith hinzu,wird er ſehen, daß ich mich hier von ihm zu verabſchieden gedenke.

Ich denke, Sir, ſagte Lightwood,Sie können es kaum leugnen, daß Sie, als ich bei jener Gelegenheit, auf die Sie bereits angeſpielt, in Ihrem Hauſe war, mir abſichtlich aus dem Wege gingen.

Ich gebe Ihnen die Verſicherung, Mr. Lightwood, daß ich weder den Wunſch noch die Abſicht hege, dies zu leugnen. Ich würde, falls wir einander nicht jetzt begegnet wären, noch eine Weile länger fortgefahren haben, Ihnen abſichtlich aus dem Wege zu gehen. Ich gehe jetzt direct nach Hauſe, und werde bis morgen Mittag dort zu finden ſein. Ich hoffe, daß wir in Zukunft beſſer mit einander bekannt werden. Guten Tag.

Lightwood ſtand unentſchloſſen da, aber Bella's Gatte ging, mit Bella am Arm, mit der größten Sicherheit an ihm vorbei, und ſie kehrten heim, ohne daß ihnen ferner von irgend Jemandem der geringſte Widerſtand oder ſonſtige Beläſtigung zugefügt wurde.

Als ſie zu Mittag geſpeiſt und allein waren, ſagte John Rokeſmith zu ſeiner Gattin, die ihre Heiterkeit bewahrt hatte:Und Du fragſt mich nicht, mein Herz, warum ich jenen Namen trug?

Nein, lieber John. Ich möchte es natürlich un⸗ endlich gern wiſſen,(was ihr beſorgtes Geſicht beſtä⸗ tigte),aber ich warte, bis Du es mir freiwillig mit⸗ theilen kannſt. Du fragteſt mich, ob ich vollkommenes Vertrauen zu Dir haben könne, und ich ſagte ja, und ich meinte es.

Es entging Bella nicht, daß er triumphirend auszu⸗ ſehen anfing. Sie bedurfte keine Stärkung in ihrer Feſtigkeit; aber falls ſie derſelben benöthigt geweſen, würde ſie ſie aus ſeinem ſtrahlenden Geſichte geſchöpft

aben.

zDu kannſt unmöglich auf die Entdeckung vorbe⸗ reitet geweſen ſein, mein Herz, daß dieſer geheimniß⸗ volle Mr. Handford und Dein Gatte eine und dieſelbe Perſon ſei?

Nein, lieber John, natürlich nicht. Aber Du ſag⸗ teſt mir, ich ſolle mich auf eine Prüfung vorbereiten, und das that ich.

Er zog ſie näher an ſich heran und ſagte ihr, es werde bald vorüber ſein und die Wahrheit bald bekannt werden.Und jetzt, fuhr er fort,merke Dir dieſe Worte, mein Leben, welche ich jetzt noch hinzufüge. Ich befinde mich durchaus in gar keiner Gefahr, und es kann mir unmöglich von irgend Jemandem Schaden zugefügt werden.

Deſſen biſt Du Dir ganz, ganz ſicher, John?

Es kann kein Haar meines Hauptes verletzt werden! Ueberdies habe ich nichts Unrechtes gethan und keinem Menſchen ein Leid zugefügt. Soll ich es Dir beſchwören?.

Nein, John! rief Bella, ihm mit ſtolzer Miene die Hand auf die Lippen legend.Mir nimmermehr!

Aber die Verhältniſſe, fuhr er fort, die ich in einem Augenblicke aufklären kann und will haben

Boz, Unſer gemeinſchaftlicher Freund.

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einen höchſt ſeltſamen Verdacht auf mich geworfen. Du hörteſt Mr. Lightwood einer ſchwarzen That erwähnen?

Ja, John.

Biſt Du darauf gefaßt, zu hören, meinte?

Ja, John.

Mein Leben, er meinte den Mord des John Harmon, des Dir zugedachten Gatten.

Bella faßte ihn mit heftig klopfendem Herzen am

was er damit

Arm.Du kannſt unmöglich beargwöhnt werden, John? Doch, liebes Herz, ich werde beargwöhnt!

Sie ſchwiegen, wie ſie mit bleichen Wangen und Lippen da ſaß und in ſein Geſicht ſchaute.Wie können ſie es wagen! rief ſie endlich mit einem Ausbruche edler Ent⸗ rüſtung.Mein theuerſter Gatte, wie können ſie es wagen!

Er umſchlang ſie, wie ſie die Arme öffnete, und drückte ſie feſt ans Herz.Selbſt nachdem Du dies weißt, vermagſt Du mir zu trauen, Bella?

Ich vertraue Dir von ganzem Herzen, John, Du Lieber. Wenn ich Dir nicht vertraute, müßte ich todt zu Deinen Füßen hinſinken.

Sein Geſicht ſtrahlte von tiefem innern Jubel, wie er entzückt emporblickte und ausrief, was er gethan, um das Herz dieſes theuren vertrauensvollen Weſens zu ver⸗ dienen! Sie legte ihm abermals die Hand auf die Lippen und ſagte:Still! und ſagte ihm dann in der ihr eigenen natürlichen, gefühlvollen kleinen Weiſe, falls die ganze Welt gegen ihn ſei, ſie wolle für ihn ſein; falls die ganze Welt ihn verdamme, ſie wolle ihm glauben; falls er in Aller Augen beſchimpft, in ihren Augen ſolle er geehrt daſtehen; und ſie könne bei dem ſchlimmſten unverdienten Verdachte ihr Leben ihm zur Tröſtung widmen, und ihr unerſchütterliches Vertrauen zu ihm ihrem kleinen Kinde einprägen.

Als ihr ſtrahlender Mittag von einem ruhig glück⸗ lichen Zwielichte gefolgt ward, ſaßen ſie ſtill und ſchwei⸗ gend bei einander, bis ſie Beide von einer fremden Stimme im Zimmer erſchreckt wurden. Da es jetzt finſter im Zimmer war, ſagte die Stimme:Die Dame muß nicht erſchrecken, wenn ich ein Licht anmache, und gleich darauf kniſterte ein Streichhölzchen und brannte in einer Hand auf. Die Hand und das Streichhölzchen und die Stimme gehörten, wie Mr. John Rokeſmith dann ſah, dem Herrn Inſpector, der einſt in dieſer Chronik ſo ſinnend thätig war.

Ich nehme mir die Freiheit, ſagte der Herr In⸗ ſpector in geſchäftsmäßiger Weiſe,mich Herrn Julius Handford, ins Gedächtniß zurückzurufen, der mir vor ziemlich langer Zeit dort unten bei uns ſeinen Namen und ſeine Adreſſe gab. Würde die Dame Etwas da⸗ wider haben, wenn ich die Kerzen hier auf dem Kamin⸗ ſims anzündete, um etwas mehr Licht auf die Sache zu werfen? Nein? Ich dank' Ihnen, Madame. Jetzt hat es ein freundlicheres Anſehen..

Der Herr Inſpector hatte in ſeinem dunkelblauen, feſtzugeknöpften Rocke, und Beinkleidern von derſelben Farbe, ein nützlich⸗königlich⸗außer⸗Dienſten⸗mäßiges An⸗ ſehen, indem er ſich ſeines Taſchentuchs bediente und ſich gegen die Dame verbeugte.

Sie erzeigten mir die Gefälligkeit, Mr. Handford, ſagte der Herr Inſpector,Ihren Namen und Ihre Adreſſe für mich aufzuſchreiben, und hier iſt das Stück Papier, auf dem Sie Beides angegeben. Da ich die Schrift mit derjenigen vergleiche, die ich auf dem Vor⸗ ſetzeblatt dieſes Buches hier auf dem Tiſche ſehe und

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