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ihr große Unruhe verurſachte.
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„Wie kannſt Du nur eine ſolche Frage thun, lieber John! Bin ich etwa nicht reich?“
Dies waren faſt die erſten Worte, die neben der kleinen Bella geſprochen wurden, wie dieſe ſchlafend da⸗ lag. Sie erwies ſich bald als ein Kind von erſtaun⸗ licher Intelligenz, indem ſie die größte Abneigung gegen die Geſellſchaft ihrer Großmutter an den Tag legte, und unabänderlich an einer unangenehmen Säure im Magen litt, ſowie dieſe würdevolle Dame ſie mit ihrer Beach⸗ tung beehrte. 3
Es war allerliebſt anzuſehen, wie Bella dieſes Kind⸗ chen betrachtete, und ihre eigenen Grübchen an dieſem kleinen Abbilde entdeckte, wie wens ſie ohne perſönliche Eitelkeit in den Spiegel geſchaut. Ihr cherubiſcher Va⸗ ter bemerkte mit Recht gegen ihren Gatten, daß das Kleine ſie jünger denn je mache, indem es ihn an die Zeit erinnerte, wo ſie eine Lieblingspuppe hatte, zu der ſie zu plaudern pflegte, wie ſie ſie umhertrug. Es konnte in der ganzen Welt kein zweites Kindchen geben, dem ſo viel allerliebſter Unſinn vorgeſchwatzt und vorgeſungen wurde, wie Bella dieſem Kindchen vorplauderte und vor⸗ ſang; oder das ſo viele Male innerhalb vierundzwanzig Stunden umgekleidet wurde, wie Bella dies Kindchen umkleidete; oder hinter Thüren verſteckt und dann plötz⸗ lich hervorgeſtreckt ward, um dem Vater den Eingang
‚zu wehren, wie es mit dieſem Kindchen geſchah; oder,
mit einem Worte, das durch die lebhafte Erfindung einer
fröhlichen und ſtolzen jungen Mutter nur halb ſo viel
lindliche Kunſtſtückchen verübte, wie dieſes unerſchöpfliche eine.
Dies unerſchöpfliche Kleine war etwa zwei bis drei Monate alt, als Bella auf dem Antlitze ihres Gatten eine Wolke wahrzunehmen anfing. Da ſie daſſelbe beob⸗ achtete, ſah ſie dort eine immer wachſende Sorge, die Mehr als einmal weckte ſie ihn, da er im Schlafe murmelte; und obgleich er nichts Schlimmeres murmelte, als ihren eigenen Namen, war es ihr doch klar, daß ſeine Raſtloſigkeit in irgend einem Gewicht von Sorge ihren Urſprung hatte. Des⸗ halb machte Bella endlich ihr Recht, dieſe Sorge zu theilen, und ihre Hälfte der Laſt zu tragen, geltend.
„Du weißt, lieber John,“ ſagte ſie mit heiterer Be⸗ zugnahme auf ihre frühere Unterhaltung,„daß ich ſicher mit großen Dingen betraut werden zu können hoffe. Und es kann ſicherlich nichts Geringes ſein, das Dir ſo viel Unruhe verurſacht. Es iſt ſehr rückſichtsvoll von Dir, daß Du mir Deine Unruhe zu verbergen verſuchſt, lieber John, aber es iſt nicht ausführbar.“
5„Ich gebe zu, daß ich ein wenig unruhig bin, mein erz.“
„„Dann habe die Gewogenheit, mir zu ſagen, wor⸗
über, Sir.“
Aber nein, er wich ihr aus.„Macht nichts!“ dachte Bella entſchloſſen.„John verlangt, daß ich unbedingtes Vertrauen in ihn ſetze, und er ſoll ſich nicht in mir täuſchen.“
„Sie fuhr eines Tages nach London, um dort mit ihm zuſammenzutreffen und einige Einkäufe zu machen. Sie fand ihn am verabredeten Orte und dann gingen ſie zuſammen durch die Straßen hin. Er war in heiterſter Stimmung, obwohl er immer wieder auf die Idee ihres Reichwerdens zurückkam; und er ſagte, ſie wollten eben annehmen, daß jene ſchöne Equipage ihnen gehörte und warte, um ſie nach ihrem prachtvollen Hauſe zurückzu⸗ fahren— was möchte Bella dann wohl am liebſten in dieſem Hauſe vorfinden? da ſie bereits Alles beſitze, was ſie wünſche, ſo könne ſie's nicht ſagen. Aber allmälig ward ſie verleitet, zu beken⸗
Nun! das wußte Bella nicht:
Boz, Unſer gemeinſchaftlicher Freund.
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nen, daß ſie für das unerſchöpfliche Kleine eine Kinder⸗ ſtube haben möchte, wie ſie noch nie von Menſchenaugen geſehen worden. Dieſelbe ſollte an Farben ein wahrer Regenbogen ſein, denn ſie ſei feſt überzeugt, daß das Kleine ſchon auf Farben achte; und die Treppe ſollte mit den ſchönſten Blumen verziert ſein, denn ſie ſei ſich vollkommen ſicher darüber, daß das Kleine ſchon auf Blumen achte; und es ſollte irgendwo ein Vogelhaus aufgeſtellt werden mit allerliebſten kleinen Vögeln, denn es unterliege nicht dem allergeringſten Zweifel, daß das Kleine bereits auf Vögel achte. Sonſt nichts? Nein, lieber John. Da für die Liebhabereien des Kleinen ge⸗ ſorgt, wußte Bella ſich weiter nichts zu wünſchen.
Sie plauderten in dieſer Weiſe fort, und John hatte geſagt:„Keine Kleinodien für Dich ſelbſt, zum Beiſpiel?“ und Bella hatte erwidert: O! was das betreffe, ja, ſo könne gern ein ſchöner Schmuckkaſten von Elfenbein auf ihrem Toilettetiſche ſtehen,— als alle dieſe Bilder plötz⸗ lich verdunkelt und ausgelöſcht wurden.
Sie kamen um eine Ecke und begegneten Mr. Light⸗ wood. Sobald er Bella's Gatten erblickte, der in dem⸗ ſelben Augenblicke die Farbe wechſelte, ſtand er, wie verſteinert, ſtill.
„Mr. Lightwood und ich haben einander ſchon früher geſehen,“ ſagte John Rokeſmith.
„Schon früher geſehen, John?“ ſagte Bella in ver⸗ wundertem Tone.„Mr. Lightwood ſagte mir, er habe Dich noch nie geſehen.“.
„Ich wußte damals nicht, daß dies dennoch der Fall geweſen,“ ſagte Lightwood, ihretwegen außer Faſſung gebracht.„Ich glaubte nur von Mr.— Rokeſmith ge⸗ hört zu haben,“ ſagte er, den Namen betonend.
„Als Mr. Lightwood mich ſah, mein Herz,“ bemerkt ihr Gatte, ſeinen Augen nicht ausweichend, ſondern ihr anblickend,„war mein Name Julius Handford.“
Julius Handford! Der Name, den Bella ſo oft in alten Zeitungen geleſen, als ſie noch in Mr. Boffin's Hauſe gelebt! Julius Handford, welcher öffentlich an⸗ gefleht worden, ſich zu ſtellen, und über den Auskunft zu erhalten man eine hohe Belohnung ausgeboten!
„Ich würde es vermieden haben, dies in Ihrer Gegen⸗ wart zu erwähnen,“ ſagte Lightwood mit Zartgefühl zu Bella;„da aber Ihr Gemahl es ſelbſt geſagt, muß ich ſeine ſeltſame Zulaſſung beſtätigen. Ich ſah ihn als Mr. Julius Handford und gab mir ſpäter(wie dies ihm unfraglich bekannt war) die größte Mühe, ihn aus⸗ zuſpüren.“.
„Vollkommen wahr. Aber es lag nicht in meinem Zwecke oder Intereſſe, mich ausſpüren zu laſſen,“ ſagte Rokeſmith ruhig.
Bella ſchaute ſtaunend von dem Einen zum Andern.
„Mr. Lightwood,“ fuhr ihr Gatte fort,„da der Zu⸗
fall uns endlich einander gegenübergeſtellt hat— was
nicht zum Verwundern, denn das Wunder liegt vielmehr darin, daß derſelbe uns nicht, all meinen Bemühungen in der entgegengeſetzten Richtung zum Trotz, ſchon längſt zuſammengeführt— brauche ich Sie nur daran zu er⸗ innern, daß Sie in meinem Hauſe geweſen ſind, und hinzußufügen, daß ich meine Wohnung nicht verändert ahe.“.. „Sir,“ erwiderte Lightwood mit einem bedeutungs⸗ vollen Blick auf Bella,„ich befinde mich in einer wahr⸗ haft peinlichen Lage. Ich hoffe, daß Ihnen keine Mit⸗ ſchuld an einer ſehr ſchwarzen That anhaftet, aber Sie können nicht umhin, zu wiſſen, daß Ihr eigenes merkwürdiges Benehmen Sie dieſem Verdachte ausgeſetzt hat.“
„Das weiß ich,“ war die ganze Antwort.
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