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war bei vollem Bewußtſein und ſagte ſogleich:„Was iſt es an der Zeit? Iſt unſer Mortimer zurück?“
Lightwood war augenblicklich da, um ſelber zu ant⸗ worten.„Ja Eugen, und es iſt Alles bereit.“
„Lieber Junge!“ erwiderte Eugen mit einem Lächeln, „wir danken Dir Beide von Herzen. Lizzie, ſage ihnen, wie willkommen ſie ſind, und daß ich beredt ſein wollte, wenn ich es im Stande wäre.“
„Es bedarf deſſen nicht,“ ſagte Mr. Milvey.„Wir wiſſen es. Fühlen Sie ſich beſſer, Mr. Wrayburn?“
„Ich fühle mich viel glücklicher,“ ſagte Eugen.
„Viel wohler ebenfalls, hoffe ich?“
Eugen wandte die Blicke auf Lizzie, wie um ſie zu ſchonen, und antwortete nicht.
Dann ſtanden ſie Alle um das Bett herum und Mr. Milvey begann, ſein Buch öffnend, ſein Amt in der Ceremonie, die ſo ſelten mit dem Schatten des Todes in Verbindung gebracht wird und ſo unzertrennlich von froher Lebensgluth und Hoffnung und Geſundheit und Freude iſt. Bella dachte, wie verſchieden dies von ihrer eigenen ſonnigen kleinen Hochzeit ſei, und weinte. Mr. Milvey ſtrömte von Mitleid über und weinte ebenfalls. Die Puppenſchneiderin barg ihr Geſicht in ihren Hän⸗ den und weinte unter ihrem goldenen Haarregen. Mr. Milvey verrichtete, mit leiſer, klarer Stimme leſend und ſich über Eugen hinbeugend, der die Blicke auf ihn hef— tete, ſein Gebet mit angemeſſener Einfachheit. Da der Bräutigam nicht die Hand zu rühren im Stande war, berührten ſie ſeine Finger mit dem Ringe und gaben ihn dann der Braut. Als die Beiden das Ehegelübde ab⸗ legten, legte ſie ihre Hand auf die ſeinige und ließ ſie dort liegen. Und als die Ceremonie vorüber war und alle Uebrigen das Zimmer verlaſſen, ſchob ſie ihren Arm Unter ſein Haupt und legte ihren Kopf neben den ſeini⸗ gen auf das Kiſſen.
„Oeffne die Fenſtervorhänge, mein liebes Mädchen,“ ſagte Eugen nach einer Weile,„und laß uns unſeren Hochzeitstag ſehen.“
Die Sonne ging auf und warf ihre erſten Strahlen in's Zimmer, als ſie zurückkam und ſeine Lippen mit den ihrigen berührte.„Ich ſegne den Tag!“ ſagte Eugen. „Ich ſegne den Tag!“ ſagte Lizzie.
„Du haſt nun eine armſelige Heirath gemacht, mein ſüßes Weib,“ ſagte Eugen.„Haſt nichts als einen zer⸗ ſchlagenen, unwürdigen Geſellen bekommen, der hier der Länge nach hingelegt und Dir, wenn er Dich als junge Wittwe zurückläßt, ſo gut wie Nichts hinterläßt.“
„Ich habe die Heirath gemacht, auf die nur hoffen zu dürfen ich die ganze Welt hingegeben hätte,“ er⸗ widerte ſie.
„Du haſt Dich weggeworfen,“ ſagte Eugen, den Kopf ſchüttelnd.„Aber Du biſt dem Schatze Deines Her⸗ zens gefolgt. Meine Rechtfertigung liegt darin, daß Du dies zuerſt weggeworfen hatteſt, mein liebes Mädchen.“
„Nein. Ich hatte es Diragegeben.“
„Ganz daſſelbe, meine arme Lizzie!“
„Still, ſtill! Ganz etwas Anderes.“
Thränen füllten ſeine Augen und ſie flehte ihn an, dieſelben zu ſchließen.„Nein,“ ſagte Eugen, abermals den Kopf ſchüttelnd:„laß mich Dich anſchauen, ſo lange ich es noch kann. Du muthiges, aufopferndes Mädchen! Du Heldin!“
Ihre eigenen Augen füllten ſich bei ſeinen Lobeswor⸗ ten. Und als er Kraft genug fand, um ſein verletztes Haupt ein wenig zu bewegen und an ihre Bruſt zu legen, vermiſchten ſich ihre Thränen.
„Lizzie,“ ſagte Eugen nach einer Weile,„wenn Du
mich von dieſer Zufluchtſtätte fortwandern ſiehſt, die ich
Boz, Unſer gemeinſchaftlicher Freund.
Boz, Unſer gemeinſchaftlicher Freund.
ſo wenig verdient habe, ſo rufe mich bei meinem Namen, und dann, glaube ich, werde ich zurückkommen.“
„Ja, lieber Eugen.“
„Da!“ rief er lächelnd.„Ich würde ohne das ſchon jetzt eben fortgewandert ſein!“
„ Eiine kleine Weile ſpäter, als er bewußtlos zu werden ſchien, ſagte ſie mit einer ruhigen, liebevollen Stimme: „Eugen, mein lieber Gatte!“ Er antwortete augenblick⸗ lich:„Schon wieder! Du ſiehſt, wie Du mich zurück⸗ rufen kannſt!“ Und ſpäter, wenn er nicht zu ſprechen ver⸗ mochte, antwortete er mit einer leichten Bewegung ſeines Kopfes an ihrer Bruſt.
Die Sonne ſtand hoch am Himmel, als ſie ſich leiſe losmachte und ihm die Stärkungs⸗ und Nahrungsmittel reichte, deren er bedurfte. Die gänzliche Hülfloſigkeit der Trümmer des hier geſtrandet Daliegenden erfüllte ſie jetzt mit Sorge und Furcht; er ſelbſt aber ſchien ein wenig hoffnungsvoller. 1 „ Ah, meine geliebte Lizzie!“ ſagte er matt.„Wie ſoll ich Dir jemals, falls ich wieder geneſe, vergelten, was ich Dir zu verdanken habe!“
„Schäme Dich meiner nicht,“ erwiderte ſie,„und dann wirſt Du mir Alles überreichlich vergolten haben.“
„Es würde eine ganze Lebenszeit erforderlich ſein, Lizzie, um Alles zu vergelten; mehr als eine Lebenszeit.“
„Dann lebe dafür; lebe für mich, Eugen; lebe, um zu ſehen, welche Mühe ich mir geben werde, mich zu bilden und Dir keine Schande zu machen.“
„Mein Herzensmädchen,“ erwiderte er mit mehr von ſeinem alten Weſen, als er bisher noch zu ſammeln im Stande geweſen.„Daran dachte ich nicht. Das, woran ich dachte, war dies: in Deinem Mitleid für mich in dieſem zerſchlagenen und verſtümmelten Zuſtande machſt Du ſo Großes aus mir— denkſt Du ſo gut von mir— liebſt Du mich ſo innig!“
„Der Himmel weiß, ich liebe Dich innig!“
„Und der Himmel weiß, das ich dies zu ſchätzen weiß! Nun. Falls ich lebe, wirſt Du mich kennen lernen.“
„Ich werde entdecken, daß mein Gatte eine wahre Mine von Vorſatz und Energie beſitzt, und den beſten Gebrauch von derſelben machen wird!“
„Ich hoffe es, liebſte Lizzie,“ ſagte Eugen, nachdenk⸗ lich und zugleich mit etwas wunderlicher Miene.„Ich hoffe es. Aber ich bin nicht der Eitelkeit fähig, es zu glauben. Wie kann ich es wohl glauben, wenn ich auf eine ſo müſſige, vergeudete Jugend, wie die meinige, zu⸗ rückblicke! Ich hoffe in aller Demuth! aber ich wage nicht, es zu glauben. Ich habe ein ſchneidendes Gefühl in meinem Gewiſſen, daß ich, falls ich lebte, Deine und meine eigene gute Meinung enttäuſchen würde, und daß ich lieber ſterben ſollte, mein Herz!“
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Zwölftes Capilel. Ein flüchtiger Schatten.
Die Stürme und Fluthen wechſelten ſo viele Male, die Erde bewegte ſich ſo viele Male um die Sonne, das Schiff auf dem Meere legte ſeine Fahrt in Sicherheit zurück und brachte einen kleinen Bella⸗Säugling heim. Wer fühlte ſich da wohl geſegneter und glücklicher, als Mrs. John Rokeſmith— ausgenommen Mr. John Ro⸗ keſmith!
„Möchteſt Du jetzt wohl reich ſein, mein Leben?“
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