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„Eine Ihrer Damen erwähnte ſo eben eines Namens, Sir, der mir bekannt iſt; ich darf wohl ſagen,— ſehr wohl bekannt. Es iſt der Name der Schweſter eines alten Schülers von mir. Er war lange mein Schüler und hat ſich emporgearbeitet und ein ſchnelles Fortkom⸗ men gefunden. Sein Name iſt Hexam. Der Name der Schweſter Lizzie Hexam.“ Er ſchien ein ſchüchterner Mann zu ſein, der mit Nervoſität rang, und er ſprach mit ſehr gezwungenem Weſen. Die Pauſe, die er zwi— ſchen ſeinen beiden letzten Sätzen machte, war ſeinem Zuhörer förmlich peinlich.
„Ja,, erwiderte Mr. Milvey. ſie zu beſuchen.“
„Ich entnahm dies aus dem, was ich hörte, Sir. Ich hoffe, es iſt der Schweſter meines alten Zöglings nichts zugeſtoßen? Ich hoffe, ſie hat keinen Verluſt er⸗ litten? Ich hoffe, ſie hat keinen Kummer? Hat nicht etwa— irgend einen ihrer Angehörigen verloren?“
Mr. Milvey meinte, dies ſei ein Mann von ſehr ſeltſamem Weſen und ſcheuem Blick; doch antwortete er in ſeiner gewohnten offenen Weiſe.
„Ich freue mich, Ihnen ſagen zu können, Mr. Head⸗ ſtone, daß die Schweſter Ihres Zöglings keinen derarti⸗ gen Verluſt erlitten hat. Sie glaubten, ich reiſe zu ihr, um Jemanden zu begraben?“
„Das mag vielleicht in Betracht Ihres geiſtlichen Standes die Ideenverbindung geweſen ſein, Sir, aber ich war mir deſſen nicht bewußt.— Dann iſt dies nicht der Zweck Ihrer Reiſe, Sir?“
Ein Mann mit einem ganz merkwürdigen Weſen und einem lauernden Blick, der förmlich beängſtigend war.
„Nein. In der That,“ ſagte Mf. Milvey,„da Sie ein ſo großes Intereſſe an der Schweſter Ihres alten
„Wir ſind im Begriff,
Zöglings nehmen, kann ich Ihnen wohl ſagen, daß der
Zweck meiner Reiſe zu ihr— Heirath iſt.“
Der Schulmeiſter fuhr heftig zurück.
„Nicht etwa, daß ich ſie ſelber zu heirathen im Be⸗ griff bin, ſagte Mr. Milvey lächelnd,„denn ich bin be⸗ reits verheirathet; ſondernaum die Ceremonie der Ver⸗ mählung zu vollziehen.“
Bradley Headſtone faßte einen Pfeiler hinter ſich.
Falls Mr. Milvey ein aſchgraues Geſicht kannte, wenn er daſſelbe ſah, ſo ſah er jetzt ein ſolches.
„Sie ſind ganz krank, Mr. Headſtone!“
„Es hat nicht viel zu ſagen, Sir. Es wird ſehr bald vorüber gehen. Ich bin daran gewöhnt, vom Schwindel ergriffen zu werden. Laſſen Sie ſich nicht durch mich aufhalten, Sir; ich bedarf keines Beiſtandes; ich danke Ihnen. Ich bin Ihnen ſehr verbunden, daß Sie mir dieſe Minuten Ihrer Zeit geſchenkt haben.“
Wie Mr. Milvey, der keine Minuten mehr zu ver⸗ ſchenken hatte, eine angemeſſene Erwiderung machte und in das Bureau zurückkehrte, ſah er, wie der Schulmeiſter ſich mit dem Hute in der Hand an den Pfeiler lehnte und an ſeinem Halstuche zerrte, wie wenn er daſſelbe abzureißen verſuchte. Se. Ehrwürden lenkte deshalb die Aufmerkſamkeit eines der Eiſenbahnbeamten auf ihn, in⸗ dem er ſagte:„Es befindet ſich draußen ein Mann, der wirklich krank zu ſein und des Beiſtandes zu bedür— fen ſcheint, obgleich er dies verneint.“
Lightwood hatte unterdeſſen ihre Plätze genommen und es ſollte eben zur Abfahrt geläutet werden. Sie nahmen ihre Plätze ein und der Zug fing an ſich lang⸗ ſam in Bewegung zu ſetzen, als derſelbe Beamte den Perron entlang gelaufen kam und in alle Waggons hin⸗ einſchaute..
„O! Hier ſind Sie, Sir!“ auf den Magentge ſpringend und ſich, wie der Waggon ſich fortbewegte, it
dem Elbogen am Fenſterrahmen feſthaltend.„Der Mann, den Sie mir bezeichneten, hat einen Krampf⸗ anfall.“
„Ich ſchließe aus dem, was er mir ſagte, daß er häufig an ſolchen Anfällen leidet. Er wird ſich in der friſchen Luft bald erholen.“ 2
Der Mann ſagte, es ſei ein ſehr ſchlimmer Anfall, er beiße und ſchlage wie ein Wüthender um ſich. Dann fragte er, ob der Herr ihm nicht ſeine Karte geben wolle, da er ihn zuerſt geſehen? Der Herr that dies, indem er die Erklärung hinzufügte, daß ihm nichts weiter über den Mann bekannt, als daß derſelbe einen ſehr achtba⸗ ren Beruf habe und daß er geſagt, er ſei augenblicklich leidend, wie dies ſchon aus ſeinem Ausſehen zu entneh⸗ men ſei. Der Beamte nahm die Karte, wartete die Gelegenheit zum Hinuntergleiten ab, glitt hinunter, und damit endete die Sache.
Dann raſſelte der Zug über den Häuſerdächern und
unter den zertrümmerten Häuſermauern dahin, welche ab⸗
geriſſen worden, um Platz für ihn zu machen, und über den wimmelnden Straßen und unter der fruchtbaren Erde hindurch, bis er über den Fluß dahinſchoß; wie eine Bombe über der ſtillen Oberfläche zerplatzend, und wieder verſchwindend, wie wenn er in Rauch und Dampf und Gluth aufgegangen. Eine kleine Weile und er don⸗ nerte abermals über den Fluß daher gleich einer großen Rakete, die wäſſerigen Windungen und Biegungen mit unausſprechlicher Verachtung von ſich ſtoßend und gerade auf ſein Ziel losgehend, wie die Zeit, auf das ihrige losgeht,— die Zeit der es einerlei iſt, welche lebenden Waſſer oben und unten fließen, die himmliſchen Lichter und die Dunkelheit abſpiegeln, ihre kleinen Erzeugniſſe an Kräutern und Blumen hervorbringen, ſich hierhin wen⸗ den und dorthin wenden, bald lärmen, bald ſchweigen, unruhig oder ſtille ſind, denn ihr Lauf hat ein ſicheres Endziel, obwohl ihre Quellen und Windungen mannig— fach ſind.
Dann folgte eine Fahrt in offenem Wagen, an dem feierlichen Fluſſe entlang, der ſich in der Nacht dahin⸗ ſchlich, wie alle Dinge Tag und Nacht dahinſchleichen, und ſo ruhig der Anziehungskraft des Magnets, des Felſens der Ewigkeit, nachgeben; und je näher ſie dem Zimmer kamen, in welchem Eugen lag, deſto größer wurden ihre Befürchtungen, daß ſein Fortwandern bei ihrer Ankunft ſchon vorüber ſein dürfte. Endlich ſahen ſie das matte Licht in ſeinem Zimmer zu ihnen heraus⸗ leuchten und dies gab ihnen Hoffnung, obgleich Light⸗ wood erbebte, als er dachte:„Sie würde noch bei ihm ſitzen, ſelbſt wenn er ſie ſchon verlaſſen hätte.“
Aber er lag ruhig da, halb in Schlummer, halb in Betäubung. Bella, die mit warnend erhobenem Finger eintrat, küßte Lizzie leiſe, ſagte jedoch kein Wort. Auch von den Uebrigen ſprach Niemand; ſie ſetzten ſich Alle am Fuße des Bettes nieder und warteten. Und jetzt in dieſer Nachtwache vermiſchten ſich mit dem Rauſchen des Fluſſes und dem Getöſe des Eiſenbahnzuges in Bella's Geiſte wieder die Fragen: Was konnte nur in der Tiefe jenes Geheimniſſes ihres Gatten liegen? Warum hatte er ſich noch nie von Mr. Lightwood ſehen laſſen, den er noch immer mied? Wann ſollte jene Prüfung kommen, durch die ihr Vertrauen auf ihn und ihre Pflichttreue gegen ihn, ihren lieben Gatten, ſich bewähren und ihn ſiegreich machen ſollte? Denn dies war ſein Ausdruck geweſen. Ihr Beſtehen dieſer Prüfung ſollte den Mann, den ſie von ganzem Herzen liebte, ſiegreich machen. Ein Ausdruck, den Bella's Herz nicht aus dem Geſichte ver— lieren konnte.
Spät in der Nacht öffnete Eugen die Augen. Er
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Eugen! ſchonen, und
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