Druckschrift 
Unser gemeinschaftlicher Freund : Roman in vier Büchern / von Charles Dickens (Boz). Mit 40 Ill. von Marcus Stone. Aus dem Engl. von Marie Scott
Entstehung
Einzelbild herunterladen

dnd„ 90, daß ohl wir in

ſonderbar, 1 faſt wie ein volig bereit,

agen ab, den tgebracht ch London, Bahnhofe, bis aretta, deſſen

h bereits be⸗

euerliches

mitthe Mitglied es ſich

tiges Weinen Lamentationen

n einer per⸗ hinter ibend), und ſie mit Wittwe ver⸗ gebete in tigte Anklage Verhaftsbefehl equemſter

onſon

berzeugung, nd bei Ta⸗ auf dem Her⸗ ney ſte Unvel⸗ disſer guthe⸗

ke⸗Schätzung wiffend, daß ommen werde. Mrs. Milvey, 1 daß Nü. die ſie ihnen dem beſten wawärtigkeite „Heerde ſchien iſofern ſie

b 621

ſtets wußte, wann Mr. Milvey ihre Geſellſchaft am we⸗ nigſten wünſchte, wo ſie dann unverzüglich in ſeinem kleinen Hausflur erſchien. Deshalb ſagte Se. Ehrwürden, nachdem er mit Bereitwilligkeit das Verſprechen gegeben, daß er und ſeine Gattin Mr. Lightwood zurückbegleiten wollten, wie Etwas, das ſich von ſelbſt verſtand:„Wir müſſen uns beeilen, liebe Margareta, oder wir werden von Mrs. Sprodgkin heimgeſucht werden,“ worauf Mrs. Milvey in ihrer charmanten nachdrucksvollen Weiſe er⸗ widerte:„O ja, denn ſie iſt ein ſolcher Freudenſtörer, Frank, und ſolch ein Quälgeiſt!“ Dieſe Worte waren kaum ihren Lippen entfallen, als der Gegenſtand derſelben als in pflichtſchuldiger Aufwartung unten harrend ge⸗ meldet wurde, des Rathes in geiſtlichen Dingen bedürftig. Da die Punkte, über welche Mrs. Sprodgkin Aufklärung ſuchte, ſelten von dringender Beſchaffenheit waren(indem ſie ſich meiſtens auf die Frage: oder irgend welche Auskunft über die Amoniter be⸗ ſchränkte), nahm Mrs. Milvey bei dieſer beſonderen Ge⸗ legenheit ihre Zuflucht zur Beſtechung vermittelſt eines Geſchenkes von Thee und Zucker, einem Brod und etwas Butter. Dieſe Gaben nahm Mrs. Sprodgkin an, be⸗ ſtand aber immer noch darauf, pflichtſchuldigſt im Flur zu warten, um Sr. Ehrwürden ihren Knix zu machen, als dieſer herauskam, der, indem er unvorſichtigerweiſe in ſeiner Gutmüthigkeit ſagte:„Nun, Sally, hier ſeid Ihr ja,“ eine discurſive Anrede von Mrs. Sprodgkin auf ſich herabrief, in der ſie mit weiten Umſchweifen dar⸗ that, wie ſie Thee und Zucker in dem Lichte von Myrrhe und Weihrauch anſehe und Brod und Butter mit Heu⸗ ſchrecken und wildem Honig identificire. Nachdem ſie dieſe erbauliche Auskunft ertheilt, blieb Mr. Sprödgkin, noch immer unabgefertigt, allein im Hausflur zurück, während Mr. und Mrs. Milvey in großer Erhitzung nach dem Bahnhof eilten. Und alles Dieſes haben wir hier zur Ehre eines guten chriſtlichen Gattenpaares mitgetheilt, die, Repräſentanten vieler anderen guten chriſtlichen Ehe⸗ leute, ebenſo gewiſſenhaft und pflichtgetreu die Kleinheit ihres Werkes in deſſen Größe vergeſſen und ſich keines⸗ wegs in Gefahr wähnen, an Würde zu verlieren, wenn ſie ſich zu unbegreiflichen Humbugs herbeilaſſen.

„Ward noch im letzten Augenblicke durch eine Perſon aufgehalten, welche Anſprüche auf meine Aufmerkſamkeit hat,“ war Sr. Ehrwürden Entſchuldigung gegen Light⸗ wood, indem er ſich ſelber keine Berückſichtigung ſchenkte. Doch fügte Mrs. Milvey, gleich dem verfechteriſchen kleinen Weibe, das ſie war, für ihn denkend hinzu:„O ja, noch im letzten Augenblicke aufgehalten. Was aber die An⸗ ſprüche betrifft, Frank, ſo muß ich ſagen, daß Du mir zuweilen ein wenig zu rückſichtsvoll erſcheinſt und in dieſer Beziehung Mißbrauch geſtatteſt.“

Bella war ſich, ungeachtet des ſo kürzlich für ſich ab⸗ gelegten Gelöbniſſes, bewußt, daß die Abweſenheit ihres Gatten den Milvey's eine unangenehme Gelegenheit zur Verwunderung geben werde. Und ſie vermochte nicht

ganz unbefangen auszuſehen, als Mrs. Milvey fragte:

„Wie befindet ſich Mr. Rokeſmith, und iſt er uns

vorausgeeilt, oder kommt er uns nach?“

Da es hierauf nothwendig ward, ihn wiederum zu

Bett zu ſchicken und dort auf den Arzt warten zu laſſen, ſo that Bella dies, doch bei dieſer zweiten Gelegenheit nicht halb ſo gut, als bei der erſten; denn eine zweimal

geſagte Nothlüge wird faſt eine wirkliche Léüge, wenn

man nicht daran gewöhnt iſt.

„O, mein Himmel!“ ſagte Mrs. Milvey.„Das thut mir ſo leid! Mr. Rokeſmith nahm ein ſolches In⸗ tereſſe an Lizzie Hexam, als wir das vorige Mal dort waren.

„Wer erzeugt Wen?“

Boz, Unſer gemeinſchaftlicher Freund.— 622

wußt, hätten wir ihm Etwas geben können, um das Schwellen bis nach dieſem kurzen Ausfluge zu verhin⸗ dern.“

Um die Nothlüge ein wenig zu übertünchen, fügte Bella eiligſt hinzu, daß er keine Schmerzen leide. Mrs. Milvey freute ſich ſo ſehr, dies zu hören.

„Ich weiß nicht, wie es kommt,“ ſagte Mrs. Mil⸗ vey,„und ich bin überzeugt, daß Du es eben ſo wenig weißt, Frank, aber die Geiſtlichen und ihre Frauen ſchei⸗ nen geſchwollene Geſichter zu verurſachen. Wenn ich ein Kind in der Schule beobachte, ſcheint mir augen⸗ blicklich ſein Geſicht anzuſchwellen. Sowie Frank die Bekanntſchaft einer neuen alten Frau macht, bekommt dieſe unverzüglich Geſichtsſchmerzen. Und dann machen wir die armen Kinder ſo fürchterlich ſchnüffeln. Ich weiß nicht, wie wir dies anfangen, aber ich würde ſo froh ſein, wenn wir es nicht thäten; aber je mehr wir ſie beachten, deſto mehr ſchnüffeln ſie. Gerade wie ſie es machen, wenn der Textſpruch geleſen wird,— Frank, das iſt ein Schulmeiſter. Ich habe ihn irgendwo ge⸗ ſehen.“

Dies bezog ſich auf einen jungen Mann von zurück⸗ haltendem Ausſehen, der einen ſchwarzen Rock, ſchwarze Weſte und Pfeffer⸗ und Salz⸗farbene Beinkleider trug. Er war, unmittelbar nachdem Lightwood auf den Perron hinausgegangen, in einer unruhigen Weiſe vom Innern des Bahnhofes in das Eiſenbahn⸗Bureau hineingekommen, und hatte haſtig die gedruckten Anſchlagezettel und War⸗ nungen an den Wänden geleſen. Er hatte ein unſtätes Intereſſe an den Sachen genommen, die von den Aus⸗ und Eingehenden geſprochen wurden. Er war in dem Augenblicke, wo Mrs. Milvey Lizzie Hexam's Namen ausgeſprochen, näher herangekommen und ſeitdem in der Nähe geblieben, obgleich er fortwährend nach der Thür geblickt, durch welche Lightwood hinausgegangen war. Er ſtand mit dem Rücken ihnen zugewendet und die be⸗ handſchuhte Hand hinter ſich gefaltet da. Es war jetzt eine ſo ſichtliche Unſicherheit an ihm bemerkbar, wie wenn er mit ſich uneinig ſei, ob er die über ihn gemachte Bemerkung beachten ſolle, daß Mr. Milvey ihn an⸗ redete.

„Ich kann mich nicht Ihres Namens entſinnen,“ ſagte dieſer,„aber ich erinnere mich ſehr wohl, Sie in Ihrer Schule geſehen zu haben.“

„Mein Name iſt Bradley Headſtone, Sir,“ dieſer, an eine entlegenere Stelle zurücktretend.

„Ich hätte mich deſſelben erinnern ſollen,“ ſagte Mr. Milvey, ihm die Hand reichend.„Ich hoffe, Sie befin⸗ den ſich wohl? Haben ſich ein wenig zu ſehr angeſtrengt, fürchte ich.“—

„Ja, ich habe mich eben jetzt wohl etwas zu ſehr angeſtrengt, Sir.“.

„Hatten während ihrer letzten Ferien kein Vergnügen, wie?“

„Nein, Sir.“.

„Lauter Arbeit und kein Vergnügen, würde bei Ihnen vermuthlich keine Langeweile bewirken, wohl aber Ver⸗ dauungsſchwäche, falls Sie ſich nicht in Acht nehmen.“

„Ich will mich in Acht zu nehmen bemühen, Sir. Dürfte ich Sie erſuchen, einen Augenblick draußen mit mir zu ſprechen, Sir?“

„Gewiß.“

Es war Abend und das Bureau hell erleuchtet. Der Schulmeiſter, der ſeine Beobachtung der Thür, durch welche Lightwood hinausgegangen, keinen Ausgenblick aus⸗ geſetzt hatte, ging jetzt durch eine andere Thür einem

inkel draußen zu, der ziemlich im Schatten lag, und

erwiderte

Und wenn wir nur von ſeinem Geſicht ge⸗ ſagte, an ſeinen Handſchuhen reißend: