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Unser gemeinschaftlicher Freund : Roman in vier Büchern / von Charles Dickens (Boz). Mit 40 Ill. von Marcus Stone. Aus dem Engl. von Marie Scott
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Boz, Unſer gemeinſchaftlicher Freund.

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Antwort;„denn Sie haben es aus der beſten Quelle.

Von mir, wiſſen Sie.“

„Miß Jenny! Anſtatt wie ſtumm und dumm da zu ſitzen, kommen Sie lieber heraus und werden Sie leben⸗ dig. Es macht ſich beſſer bezahlt, das verſichere ich Ihnen,“ ſagte Fledgeby, indem er die Schneiderin ſchmeichelnd anblinzte.„Sie werden finden, daß ſich's beſſer bezahlt macht.“

„Sie haben,“ ſagte Miß Jenny, indem ſie, die Scheere auf der Lippe balancirend, mit zurückgeworfenem Kopfe die Puppe auf Armlänge vor ſich hinhielt und den Effect ihrer Geſchicklichkeit betrachtete, wie wenn ihr Intereſſe dort und nicht in der Unterhaltung liege,„— Sie haben vielleicht die Güte, zu erklären, was Sie meinen, junger Mann, denn dies iſt Griechiſch für mich.— Du mußt noch ein wenig Blau im Beſatze haben, mein Schatz.“ Nachdem ſie dieſe Bemerkung an ihre ſchöne Kundin ge⸗ richtet, ſchnitzelte Miß Wren an gewiſſen blauen Seiden⸗ ſtückchen, die ſich unter einer Menge von bunten Fleckchen befanden, und fädelte einen Faden blaue Seide in ihre Nadel.

„Schauen Sie her,“ ſagte Fledgeby. Acht?“

„Ich gebe Acht, Sir,“ erwiderte Miß Wren, ohne im Geringſten das Anſehen zu haben, als thue ſie dies.„Noch ein wenig Blau in Deinem Beſatz, mein Schatz.“

„Nun, ſchauen Sie her,“ ſagte Fledgeby, durch die Umſtände, unter denen er ſich genöthigt ſah, die Unter⸗ haltung fortziſetzen, etwas entmuthigt.„Falls Sie Acht geben—

(„Denn Hellblau,“ bemerkte Miß Wren in munterem Tone,„paßt ſich am beſten für Deine weiße Haut und Deine hellblonden Locken, meine ſüße junge Dame.“)

„Ich ſage, wenn Sie Acht geben,“ fuhr Mr. Fled⸗ geby fort,„es wird ſich in dieſer Weiſe beſſer bezahlt machen. Sie Ihre beſchädigte Waare und Ihren Abfall um einen nominellen Preis von Pubſey und Comp. kaufen, oder ſogar umſonſt erhalten.“

„Aha!“ dachte die Schneiderin.„Aber Du biſt nicht ſo indirect, Kleinauge, daß ich nicht wahrnehmen könnte,

daß Du dennoch ſelber Pubſey und Comp. biſt! Klein⸗

auge, Kleinauge, Du biſt viel zu ſchlau!“ „Und ich nehme an,“ fuhr Fledgeby fort,„daß es

ſich für Sie der Mühe verlohnen würde, den größten Theil Ihres Mat'’rials umſonſt zu erhalten, wie, Miß ſein. Nachdem ich ſie dort abgeſetzt, will ich zu Ihnen

Jenny?“

„Sie dürfen annehmen,“ erwiderte die Schneiderin

mit wiederholtem ſchlauem Kopfnicken,„daß es ſich ſtets

der Mühe für mich verlohnt, Geld zu machen.“

„Jetzt,“ ſagte Fledgeby beifällig,„antworten Sie verſtändig! Jetzt kommen Sie zum Vorſchein und werden lebendig! Deshalb erlaube ich mir die Bemerkung, Miß Jenny, daß Sie und Juda zu dicke Freunde waren, als daß es hätte von Dauer ſein können. Man kann mit einem ſo liſtigen Fuchſe, wie Juda, nicht vertraut werden, ohne ihn allmälig ein wenig zu durchſchauen, wiſſen Sie,“ ſagte Fledgeby blinzelnd..

„Ich muß geſtehen,“ ſagte die Schneiderin, die Augen auf ihre Arbeit heftend,„daß wir augenblicklich keine guten Freunde ſind.“

„Ich weiß, daß Sie augenblicklich keine guten Freunde ſind,“ ſagte Fledgeby,„ich weiß Alles.

ſeinen ſchlauen Willen zu haben. In den meiſten Din⸗ gen gelingt ihm dies auf die eine oder die andere Art,

aber— zum Henker!— es muß ihm nicht in Allem

„Geben Sie

Es wird indirecter Weiſe dahin führen, daß

Ich möchte es dem Juda abtragen, und ihm nicht geſtatten, in Allem

gelingen. Das iſt zu viel.“ Mr. Fledgeby ſagte dies mit einem Anſcheine von entrüſteter Wärme, wie wenn er als Anwalt in Sachen der Tugend redete.

„Wie kann ich es verhindern, daß er ſeinen Willen hat?“ begann die Schneiderin.

„Seinen ſchlauen Willen nannte ich es,“ ſagte Fled⸗ geby..

„— Seinen ſchlauen Willen alſo?“ 1

„Das will ich Ihnen ſagen,“ ſagte Fledgeby.„Ich höre Sie dies gern fragen, denn es ſieht aus, als ob Sie lebendig würden. Es iſt genau das, was ich von Ihrem ſcharfen Verſtande erwartet haben würde. Auf⸗ richtig.“

„Wie?“ rief Miß Jenny.

„Ich ſagte aufrichtig,“ erklärte Mr. Fledgeby ein wenig verblüfft.

„O— o!“

„Ich möchte ihm gern in Bezug auf Ihre Freundin, das ſchöne Mädchen, entgegenarbeiten. Er hatte Etwas dabei im Sinne. Sie können ſich darauf verlaſſen, Juda hat Etwas dabei im Sinne. Er hat einen Zweck, und ſein Zweck iſt natürlich ein finſterer. Was nun immer ſein Zweck ſein mag, es iſt zur Erfüllung des

Zweckes nothwendig“— Mr. Fledgeby's Redegaben waren

hier nicht im Stande, ihn vor einiger Tautologie zu retten—,„daß es mir nicht verborgen bleibt, was er mit ihr angefangen hat. Deshalb lege ich Ihnen, die Sie es wiſſen, die Frage vor: Was hat er mit ihr an⸗ gefangen? Mehr verlange ich nicht. Und iſt dies viel verlangt, wenn Sie erwägen, daß die Auskunft ſich be⸗ zahlt machen würde?“

Miß Jenny Wren, die nach ihrer letzten Unterbre⸗ chung die Augen auf die Bank geheftet, ſaß einige Augen⸗ blicke dieſelbe anſchauend, doch ohne zu arbeiten, da. Dann nahm ſie munter ihre Arbeit wieder auf und ch mit einem Seitenblicke auf Mr. Fledgeby:

„Wo wohnen Sie?“

„Im Albany, Piccadilly,“ erwiderte Fledgeby.

„Wann ſind Sie zu Hauſe?“

„Wann Sie wollen.“

„Um die Frühſtückszeit?“ ſagte Jenny in ihrer kür⸗ zeſten und abgebiſſenſten Weiſe.

„Könnte am ganzen Tage keine beſſere Zeit geben,“

ſagte Fledgeby.

„Ich will morgen bei Ihnen einſchauen, junger Mann. Jene beiden Damen,“ auf ein paar Puppen deutend, müſſen morgen pünktlich um zehn Uhr in Bond Street

herumfahren.“ Miß Jenny deutete mit einem elfenhaften kleinen Lachen auf ihren Krückſtock als ihre Equipage.

„Dies heißt in der That lebendig werden!“ rief Fled⸗ geby aufſtehend.

„Doch merken Sie ſich's! Ich verſpreche nichts,“ ſagte die Puppenſchneiderin, indem ſie zweimal in der Luft mit ihrer Nadel nach ihm ſtieß, wie wenn ſie ihm beide Augen ausſtechen wollte.

„Nein, nein. Ich verſtehe wohl,“ erwiderte Fledgeby. „Der Punkt in Bezug auf die beſchädigte Waare und den Abfall ſoll zuerſt erledigt werden. Es ſoll ſich be⸗ zahlt machen, fürchten Sie nichts. Guten Tag, Miß Jenny.“

„Guten Tag, junger Mann.“

Mr. Fledgeby's einnehmende Geſtalt entfernte ſich, und die kleine Schneiderin ſetzte ſchnitzelnd und ſchneidend und nähend, nähend und ſchneidend und ſchnitzelnd ihre Arbeit emſig wieder fort, wobei ſie unausgeſetzt nach⸗ grübelte und vor ſich hin muxmelte.

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