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Unser gemeinschaftlicher Freund : Roman in vier Büchern / von Charles Dickens (Boz). Mit 40 Ill. von Marcus Stone. Aus dem Engl. von Marie Scott
Entstehung
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8 den, daß di von Pubſey und Comp. in Saint Mary Axe. Sie mo⸗„Wir treffen einander jetzt niemals,“ ſagte Fledgeby, dei ſprechen raliſirte oft bei ihrer Arbeit über die Streiche und Ma⸗„wie?“

Nachfolger nieren jenes ehrwürdigen Betrügers, machte aber ihre„Nein,“ ſagte Miß Wren, das Wort abbeißend. einzutreten kleinen Einkäufe anderswo und führte ein zurückgezogenes„Es fiel mir deshalb ein, daß ich herkommen und Nleich einige Leben. Nachdem ſie wohl mit ſich zu Rathe gegangen, mich ein wenig mit Ihnen über unſeren pfiffigen Freund,

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beſchloß ſie, Lizzie nicht vor dem alten Manne zu warnen, indem ſie meinte, daß ſie bald genug zu dem Bewußt⸗ ſein kommen werde, ſich in ihm getäuſcht zu haben. Deshalb ſchwieg ſie in ihren Briefen an die Freundin gänzlich über dieſen Gegenſtand, und ſprach ſich haupt⸗ ſächlich über Vergehungen ihres garſtigen Kindes aus, das mit jedem Tage garſtiger wurde.

„Du gottloſer alter Knabe,“ pflegte Miß Wren mit drohend erhobenem Zeigefinger zu ihm zu ſagen;„Du wirſt mich ſchließlich noch zwingen, von Dir fortzu⸗ laufen, und dann wirſt Du zittern, bis Du in Stücke zerfälſſt, und es wird Niemand da ſein, der ſie auf⸗ ſammelt.“

Bei ſolchen Prophezeiungen eines elenden Ablebens pflegte der gottloſe alte Knabe dann zu wimmern und zu winſeln und ſich in die allerrrübſte Stimmung hin⸗ einzuzittern, bis der Augenblick kam, wo er ſich zum Hauſe hinaus und noch für drei Pfennige in ſich hinein zittern konnte. Doch öb er nun total betrunken oder todt nüchtern ſein mochte(er war bereits in einem ſolchen Stadium angelangt, daß er in dem letzteren Zuſtande am wenigſten lebendig war), es laſtete der paralytiſchen Vogel⸗ ſcheuche beſtändig auf dem Gewiſſen, daß er ſeine ſchlaue Mutter um ſechszigmal für drei Pfennige Rum verrathen, die alle verſchwunden, und daß ihre Schlauheit dies früher oder ſpäter entdecken werde. Alles in Allem genommen, und wenn man Mr. Dolls' Geiſteszuſtand mit ſeinem körperlichen Zuſtande zuſammennahm, war das Lager, auf dem er ruhte, ein Roſenbette, von dem die Blüthen und Blätter gänzlich hinweggeweht waren und wo er auf nichts als auf Stengeln und Dornen lag.

Miß Wren ſaß eines Tages der Kühle wegen bei offener Thür allein bei ihrer Arbeit, und ſummte mit einer lieblichen kleinen Stimme, die allenfalls der Puppe hätte angehören dürfen, die ſie anzukleiden beſchäftigt war und die möglicherweiſe die Zerbrechlichkeit und Schmelzbarkeit des Wachſes beklagte, ein trauervolles kleines Lied vor ſich hin, als ſie plötzlich auf dem Straßenpflaſter Niemand anders als Mr. Fledgeby er⸗ blickte, der zu ihr hereinſchaute.

„Ich dachte wohl, daß Sie es ſeien,“ ſagte Fledgeby, die beiden Stufen heraufſteigend.

„Wirklich?“ entgegnete Miß Wren.„Und ich dachte, daß Sie es ſeien, junger Mann. Welch ein Zuſammen⸗ treffen! Sie täuſchten ſich nicht und ich täuſchte mich nicht. Wie geſcheidt wir ſind!“

„Nun, und wie geht es Ihnen?“ ſagte Fledgeby.

„Es geht mir ziemlich wie gewöhnlich, Sir,“ er⸗ widerte Miß Wren.„Ich bin eine ſehr unglückliche Mutter, die durch einen ſehr ſchlechten Sohn zu Tode gequält wird.“

Fledgeby's kleine Augen öffneten ſich ſo weit, daß ſie für Augen von gewöhnlicher Größe hätten gelten können, als er ſich nach dem ſehr jungen Weſen umſchaute, das er als das in Frage ſtehende annahm.

„Aber Sie ſind kein Vater,“ ſagte Miß Wren,„und es nützt daher nichts, mit Ihnen über Familienangelegen⸗ heiten zu reden.— Was verſchafft mir das Glück und die Ehre?“*

„Der Wunſch, beſſer mit Ihnen bekannt zu werden,“ erwiderte Mr. Fledgeby.

Miß Wren ſchaute ihn, indem ſie innehielt, um ihren Faden abzubeißen, ſehr ſchlau an.

den Sohn Israel's, unterhalten wollte.“

„Alſo er gab Ihnen meine Adreſſe, wie?“ fragte Miß Wren.

„Ich wurmte es aus ihm heraus,“ ſagte Fledgeby ſtockend..

„Sie ſcheinen ihn ziemlich häufig zu ſehen,“ ſagte Miß Wren mit ſchlauem Argwohn.„Alles wohl er⸗ wogen, ſcheinen Sie ihn ziemlich oft zu ſehen.“

„Ja, das thu' ich,“ ſagte Fledgeby;„Alles wohl er⸗ wogen.“

„Sind Sie,“ fragte die Schneiderin, indem ſie ſich über die Puppe hinneigte, an der ſie eben ihre Kunſt verſuchte,„noch nicht mit Ihren Fürbitten bei ihm zu Ende?“

„Nein,“ ſagte Fledgeby, den Kopf ſchüttelnd.

„Meine Güte! Haben all dieſe Weile Fürbitte bei ihm gethan, und halten noch immer an ihm feſt?“ ſagte Miß Wren, mit ihrer Arbeit beſchäftigt.

„Das iſt der rechte Ausdruck,“ ſagte Fledgeby.

Miß Wren ſetzte mit concentrirter Miene ihre Arbeit fort un fragte nach einer Pauſe ſchweigſamen Fleißes:

„Sind Sie in der Armee?“

„Das eben nicht,“ ſagte Fledgeby, ziemlich geſchmei⸗ chelt durch die Frage.

„Im Seedienſt?“ fragte Miß Wren.

„N— nein!“ ſagte Fledgeby. Erkmuancirte dieſe beiden Verneinungen, wie wenn er nicht gerade einem oder dem andern dieſer beiden Stände, aber faſt beiden angehörte.

„Was ſind Sie denn?“ fragte Miß Wren.

„Ich bin ein Gentleman, bin ich,“ ſagte Fledgeby.

„O!“ ſagte Jenny, mit einer Miene der Ueberzeu⸗ gung den Mund zuſammenziehend.„Ja, verſteht ſich! Das erklärt den Umſtand, daß Sie ſo viel Zeit zu Für⸗ bitten haben. Aber welch ein gütiger, freundſchaftlicher Herr Sie ſein müſſen!“

Mr. Fledgeby fand, daß er um ein Brett herum Schlittſchuh laufe, auf dem die Warnung„Gefährlich“ geſchrieben ſtand, und daß es beſſer für ihn ſein werde, in eine neue Bahn einzulenken.„Kehren wir zu dem ſchlaueſten aller Schlauköpfe zurück,“ ſagte er.„Was hat er in Bezug auf Ihre Freundin, das ſchöne Mädchen, im Sinne? Er muß einen Zweck haben. Worin beſteht ſein Zweck?“

„Bin ich nicht zu ſagen im Stande, Sir!“ erwiderte Miß Wren gelaſſen.

„Er will nicht bekennen, wohin ſie gegangen,“ ſagte Fledgeby;„und ich möchte ſie mir noch einmal anſehen. Ich weiß aber, daß er weiß, wohin ſie gegangen iſt.“

„Bin's nicht zu ſagen im Stande, Sir!“ erwiderte Miß Wren abermals.

„Und Sie wiſſen, wohin ſie gegangen,“ wagte Fled⸗ geby zu fragen.

„Bin's wirklich nicht zu ſagen im Stande, Sir!“ erwiderte Miß Wren.

Das merkwürdige kleine Kinn begegnete Mr. Fled⸗ geby's Blicken mit einem ſo abweiſenden Rucke, daß dieſer angenehme Herr eine Weile nicht wußte, wie er ſeinen Theil an der Unterhaltung wieder aufnehmen ſollte. End⸗ lich ſagte er:

„Miß Jenny!— So heißen Sie doch, wenn ich nicht irre?“

„Sie irren wahrſcheinlich nicht, Sir,“ war die trockene

— Boz, Unſer gemeinſchaftlicher Freund.