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Bradleh.
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„Uebermorgen, Alter.“
„Nicht eher?“
„Keinen Zoll eher, Alter.“
Es ſchien dieſer Frage der Ablöſung von beiden Sei⸗ ten Wichtigkeit beigelegt zu werden. Riderhood liebkoſte ſeine Antwort förmlich; er wiederholte dieſelbe und ſagte, ſein verneinendes Kopfſchütteln verlängernd:„Kei— nen — Zoll— eher, Alter.“
„Habe ich Euch geſagt, daß ich heute Abend weiter zu gehen beabſichtige?“ fragte Bradley.
„Nein, Alter,“ erwiderte Riderhood mit heiterem, freundlichem und converſationellem Weſen,„das haben Sie mir nicht geſagt. Aber wahrſcheinlich beabſichtigten Sie es und vergaßen es. Wie hätte Ihnen ſonſt ein Zweifel darüber in den Sinn kommen können, Alter?“
„Wenn die Sonne untergeht, werde ich weiter gehen,“ ſagte Bradley.
„Um ſo nothwendiger iſt es, daß Sie Etwas eſſen, Alter,“ entgegnete Riderhood.„Kommen Sie herein und thun Sie das, mein Anderſter.“
Da in Mr. Riderhood's Haushalte die Ceremonie des Tiſchdeckens nicht beobachtet ward, war das Serviren der Erfriſchung die Sache eines Augenblicks; daſſelbe be⸗ ſtand blos in dem Herunternehmen einer geräumigen Schüſſel mit drei Viertheilen einer ungeheuern Fleiſch⸗ paſtete, und dem Zumvorſcheinbringen von zwei Taſchen⸗ meſſern, einem irdenen Trinkbecher und einer großen braunen Flaſche Bier.
Beide aßen und tranken, doch Riderhood weitaus am reichlichſten. Anſtatt der Teller ſchnitt dieſer rechtſchaffene Mann zwei dreieckige Stücke der dicken Paſtetenrinde ab und legte ſie, mit der innern Seite zu oberſt, auf den Tiſch: die eine vor ſeinen Gaſt und die andere vor ſich ſelber. Auf dieſe Teller legte er zwei ſtattliche Portionen des Inhalts der Paſtete, und verlieh damit dem Banquet das ungewohnte Intereſſe, daß jeder Speiſende das Innere ſeines Tellers ausſtach und mit der übrigen Mahlzeit ver⸗ zehrte, wobei er außerdem das Vergnügen hatte, die Stücke Fleiſchgelée über den Tiſch zu verfolgen und die⸗ ſelben endlich mit der Spitze ſeines Meſſers in den iid zu führen, falls ſie nicht vorher von derſelben ab⸗ glitten.
Bradley Headſtone war bei dieſen Uebungen ſo außer⸗ ordentlich ungeſchickt, daß Rogue es bemerkte.
.„ Aufgepaßt, mein Anderſter!“ rief er aus.„Sie werden ſich in die Hand ſchneiden.“
Aber die Warnung kam zu ſpät, denn Bradley ſchnitt ſich in demſelben Augenblicke. Und was noch ſchlimmer war, er ſchüttelte, da er Riderhood gebeten, die Hand zu verbinden, und wie er zu dieſem Zwecke dicht neben ihm ſtand, vor Schmerz in der Wunde die Hand, und ſchüttelte Blut über Riderhood's Kleider.
Als das Mittagsmahl vorüber, und als die Ueber⸗ reſte der Teller und der Gelée zu den Ueberreſten der Paſtete gethan, die als eine ökonomiſche Anlegung für allerlei Erſparniſſe diente, füllte Riderhood den Trink⸗ becher mit Bier und that einen langen Trunk. Und jetzt ſchaute er Bradley an, und zwar mit einem böſen Blicke.
„Mein Anderſter!“ ſagte er heiſer, ſich über den Tiſch hinbeugend, um ſeinen Arm zu berühren.„Die Neuig⸗ keit iſt vor Ihnen den Fluß herabgereiſt.“
„Welche Neuigkeit?“
„Wer, glauben Sie wohl,“ ſagte er mit einem Rucke des Kopfes, wie wenn er verachtend die Verſtellung zu⸗ rückwieſe,„fiſchte den Körper auf? Rathen Sie.“
„Ich bin nicht ſtark im Rathen.“
„Sie! Hurrah! Da hatten Sie ihn abermals. that es.“
Sie
Boz, Unſer gemeinſchaftlicher Freund.
V
Das krampfhafte Zucken in Bradley Headſtone's Ge⸗ ſicht und die plötzliche heiße Gluth, die daſſelbe übergoß, verriethen, wie grimmig die Nachricht ihn berührte. Aber er ſagte kein einziges Wort, weder im Guten noch im Boͤſen. Er lächelte blos in einer finſteren Weiſe und ſtand auf und lehnte ſich ans Fenſter, zu dem er hinausſchaute. Riderhood folgte ihm mit den Blicken. Riderhood warf ſeine Blicke auf ſeine eigenen blutbe⸗ ſprengten Kleider hinab. Riderhood fing an auszuſehen, als ob er ſtärker im Rathen ſei, als Bradley es von ſich zugeben wollte.
„Ich habe ſo lange der Ruhe entbehrt,“ ſagte der Schulmeiſter,„daß ich mich, falls Ihr's erlaubt, wieder niederlegen will.“.
„Mit Vergnügen, mein Anderſter!“ war die gaſt⸗ freundliche Antwort des Wirthes. Er hatte ſich nieder⸗ gelegt, ohne dieſelbe abzuwarten, und er blieb auf dem Bette liegen, bis die Sonne tief ſtand. Als er ſich er⸗ hoben und hinauskam, um ſeine Wanderſchaft wieder fort⸗ zuſetzen, fand er ſeinen Wirth im Graſe neben dem Lein⸗ pfade vor der Thür.
„Sobald es nothwendig wird, daß Ihr und ich ferneren Verkehr mit einander haben,“ ſagte Bradley, „will ich zurückkommen. Gute Nacht!“
„Nun, da nichts Beſſeres zu haben iſt,“ ſagte Rider⸗ hood, ſich auf der Ferſe umwendend,„gute Nacht!“ Aber wie der Andere ſeinen Weg antrat, wandte er ſich wieder um und fügte, mit einem ſcheelen Blick ihm nachſchauend, hinzu:„Ich würde Dich nicht ſo gehen laſſen, wenn ich nicht ſchon ſo gut wie abgelöſt wäre. Ich will Dich einholen, ehe Du noch eine Meile weit fort biſt.“
Mit einem Worte, da in der That ſeine Ablöſungs⸗ zeit ſchon an dieſem Abend mit Sonnenuntergang kam, langte ſein Kamerad bereits in einer Viertelſtunde ein. Da er nicht bis zur äußerſten Friſt ſeiner Zeit zu bleiben wünſchte, borgte er ſich etwa eine Stunde, die er zurückzuzahlen verſprach, wenn ec ſeinerſeits ſeinen Ablöſer ablöſen würde, und begab ſich ſofort auf Bradley Headſtone's Spur.
Er war ein beſſerer Verfolger als Bradley. Es war ſein Lebensberuf geweſen, zu ſchleichen und zu lauern und aufzupaſſen und den Leuten nachzuſtellen, und er verſtand ſich wohl auf das Geſchäft. Er marſchirte, als er das Schleuſenhaus verlaſſen, mit einer ſolchen Geſchwindigkeit, daß er ihn, ehe er noch an einer zweiten Schleuſe vorbeigekommen, eingeholt hatte— das heißt, ihm ſo nahe gekommen war, wie er es für rathſam hielt. Der Mann ſchaute ziemlich oft zurück, aber er ſah keine Spur von ihm. Er wußte das Terrain zu benutzen, und wußte, wo er die Hecke zwiſchen ſich und ihn bringen mußte, und wo die Mauer, und wo er ſich bücken und wo ſich flach niederlegen mußte, und hatte tauſend Kniffe, die weit über die langſamen Begriffe des dem Unheil geweihten Bradley gingen.
Aber alle ſeine Kniffe wurden, wie er ſelber, zum Stillſtehen gebracht, als Bradley, in einen grünen Neben⸗ oder Reitweg am Flußufer einbiegend— eine einſame Stelle, die von Neſſeln und Dornen und Sträu⸗ chern überwachſen und mit den faulen Stämmen langer Reihen von gefällten Bäumen angefüllt, am Saume eines kleinen Gehölzes— auf dieſe Stämme zu ſteigen anfing und wieder von denſelben hinabſprang und wieder hinauf⸗ ſprang, anſcheinend wie ein Schulknabe dies wohl gethan hätte, doch ſicherlich mit keinem Schulknaben⸗Vorſatze oder Mangel an Vorſatz.
„Was haſt Du vor?“ murmelte Riderhood unten im Graben, indem er mit beiden Händen die Hecke ein wenig auseinander bog. Und bald gab ihm jenes Verfahren die
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