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Unser gemeinschaftlicher Freund : Roman in vier Büchern / von Charles Dickens (Boz). Mit 40 Ill. von Marcus Stone. Aus dem Engl. von Marie Scott
Entstehung
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Boz, Unſer gemeinſchaftlicher Freund.

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Der erſte der Wundärzte kam und fragte, ehe er ſeine Unterſuchung vornahm:„Wer hat ihn herein⸗ gebracht?“

„Ich habe ihn hereingebracht, Sir,“ ſagte Lizzie, die alle Auweſenden anſchauten.

„Ihr, meine Liebe? Ihr könnt dieſes Gewicht nicht aufheben, viel weniger tragen.“

„Ich glaube wohl, daß ich zu einer andern Zeit nicht dazu im Stande ſein würde, Sir; aber ich habe es ge⸗ wiß gethan.“

Der Wundarzt betrachtete ſie mit großer Auf⸗ merkſamkeit und einigem Mitleid. Nachdem er mit ernſter Miene die Wunden an dem zerſchlagenen Kopfe und die gebrochenen Arme berührt, nahm er die Hand auf.

O! ob er ſie würde fallen laſſen?

Er ſchien unentſchloſſen. Er behielt dieſelbe nicht, ſondern legte ſie ſanft nieder, nahm ein Licht und be⸗ trachtete aufmerkſamer die Verletzungen am Kopfe und die Pupillen der Augen. Darauf ſtellte er das Licht wieder fort und nahm nochmals die Hand auf. Da jetzt

nooch ein Wundarzt anlangte, flüſterten die Beiden mit einander, und der zw Auch er ließ dieſelbe nich

Geht ſanft mit ihr um.“

3 Hiebenles Capitel.—

1 Lieber Abel ſein als Kain. L

Zu Plaſhwater Weir Mill brach der Tag an. Die

Sterne waren noch ſichtbar, aber im Oſten zeigte ſich

ein ſchwaches Licht, das nicht das Licht der Nacht war. Der Mond war untergegangen und es kroch an aa ufer ein Nebel dahin, durch den die Bäume Ge⸗ ſpenſter von Bäumen und das Waſſer wie Geſpenſt von einem Waſſer ausſah. Dieſe Erde ſah geſpenſtiſch aus und die blaſſen Sterne ebenſo; während man das kalte öſtliche Leuchten, das keinen Ausdruck von Wärme oder Farbe trug, ſo lange das Auge des Firmaments er⸗ loſchen blieb, mit dem ſtarren Blicke eines Todten hätte vergleichen mögen.

Vielleicht ward dieſer Vergleich von dem einſamen Bootsführer gemacht, der am Rande der Schleuſe ſtand. Jedenfalls ſchaute Bradley Headſtone in jene Richtung, als ein kalter Luftzug daherkam und murmelnd vorüber⸗ ſtrich, wie wenn er Etwas flüſterte, das die Baum- und Waſſergeſpenſter erbeben— oder drohen— machte, denn die Phantaſie mochte ſich Beides denken. 6

Er wandte ſich ab und verſuchte die Thür des Schleu⸗ ſenhauſes. Dieſelbe war von innen verſchloſſen.—

„Fürchtet er ſich vor mir?“ murmelte er, indem er anklopfte.. 2

Rogue Riderhood war bald wach und zog den Riegel

zurück, um ihn einzulaſſen.

„Wie, mein Anderſter, ich glaubte, Sie wären ver⸗ loren gegangen! Zwei Nächte fort! Ich glaubte faſt,

Sie hätten mich im Stiche gelaſſen, und ich dachte ſchon daran, Sie in den Zeitungen aufrufen zu laſſen.“

Bradley's Geſicht wurde bei dieſem Winke ſo finſter, daß Riderhood es für gerathen hielt, denſelben zu mil⸗ dern und in ein Compliment umzuwandeln.

„Aber das thaten Sie nicht, Alter, das thaten Sie nicht,“ fuhr er fort, indem er dumm den Kopf ſchüttelte. „Denn was ſagte ich mir wohl, nachdem ich mich mit dieſer drolligen Idee wie mit einer luſtigen Art von Spiel unterhalten? Je nun, ich ſagte mir: ‚Er iſt ein Ehrenmann.“ Das ſagte ich zu mir. ‚Er iſt ein dop⸗ pelter Ehrenmann.““

Sehr auffallender Weiſe richtete Riderhood keine Frage an ihn. Er hatte ihn angeſchaut wie er ihm die Thür geöffnet, und jetzt ſchaute er ihn abermals an(diesmal verſtohlen) und der Erfolg dieſes Anſchauens war, daß er keine Frage an ihn richtete.

„Sie werden ſich wohl ein wenig ſchlafen legen, Alter, wie mich dünkt, ehe Sie an ein Frühſtück denken,“ ſagte Riderhood, als ſein Gaſt ſich ſetzte, das Kinn auf die Hand ſtützte und die Augen auf den Boden heftete. Und es war abermals ſehr auffallend, wie Riderhood ſich ſtellte, als ordne er das ſpärliche Zimmergeräth, indem er ſprach, um einen vorgeblichen Grund zu haben, ihn nicht anzuſehen.—

„Ja. Ich denke, es wird beſſer ſein, daß ich ſchlafe,“ ſagte Bradley ohne ſeine Stellung zu verändern.

„Ich würde es Ihnen anempfehlen, Alter,“ ſagte Riderhood beiſtimmend.„Iſt es Ihnen irgendwie

trocken?“

„Ja. Ich hätte gern einen Trunk,“ ſagte Bradley, doch anſcheinend ohne beſonders Acht zu geben.

Mr. Riderhood nahm ſeine Flaſche hervor, holte einen

Dann

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Krug voll Waſſer und gab ihm einen Trunk.

Bradley ſtreckte ſich in den Kleidern, die er trug, darauf

lieder. Meelier hun bemerkte poetiſcherweiſe, er wolle die Knochen er Nachtruhe auf ſeinem Stuhle nagen, und ſetzte ſich, wie zuvor am Fenſter nieder; doch, wie zuvor, beobachtete er den Schläfer ſcharf, bis dieſer feſt eingeſchlafen war. Dann ſtand er auf und betrachtete ihn im hellen Tageslicht mit großer Aufmerkſamkeit von allen Seiten. Er ging nach ſeiner Schleuſe hinaus, um ¹s, was er geſehen hatte, zuſammenzurechnen.

Der eine ſeiner Aermel iſt unter dem Ellbogen ganz

at einen guten Riß an der hat ſich Einer ziemlich feſt emd iſt im Nacken ganz aus t im Graſe geweſen und er . Und er iſt befleckt und ich weiß a. Hurrah!“ Früh am Nachmittag kan ein Boot den Fluß herab. Es waren vor dieſem ſchon mehrere Böte in beiden Richtungen durchgekommen; aber der Schleuſenwärter rief nur dieſes beſondere Boot um Neuigkei, wie wenn er eine ſehr genaue Zeit⸗ rechnung gen Die Leute im Boote erzählten ihm eine Neuig und ſie hielten ſich etwas damit auf, ſich über dieſelbe auszuſprechen.

Es waren, ſeit Bradley ſich niedergelegt, zwölf Stun⸗ den vergangen, als er wieder aufſtand.„Nicht daß ich glaube,“ ſagte Riderhood, ſeiner Schleuſe zublinzelnd, als er Bradley aus dem Hauſe kommen ſah,„daß Du die ganze Zeit geſchlafen habeſt, alter Burſch!“.

Bradley kam zu ihm, wo er auf ſeinem hölzernen Hebel ſaß und fragte ihn, wie viel Uhr es ſei? Rider⸗ hood ſagte ihm, es ſei zwiſchen zwei und drei Uhr.

„Wann werdet Ihr abgelöſt?“ fragte Bradley.

1 ſchüttelte er ſeine Bettdecke und ſtrich dieſelbe glatt, und

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