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Boz, Unſer gemeinſchaftlicher Freund. 582
und Troſt gefunden. Auch ſie wandte ſich heimwärts als ſie ein ſeltſames Geräuſch hörte.
Daſſelbe erſchreckte ſie, denn es klang wie ein Ge⸗ räuſch von Schlägen. Sie ſtand ſtill und lauſchte. Es verurſachte ihr ein Gefühl des Grauſens, denn die Schläge fielen ſchwer und grauſam in die Stille der Nacht. Wie ſie unentſchloſſen lauſchte, war Alles wieder ruhig. Wie ſie zu lauſchen fortfuhr, hörte ſie ein mattes Stöhnen und ein ſchweres Fallen im Waſſer.
Ihre alte verwegene Lebensweiſe und Gewohnheit beſeelte ſie augenblicklich. Ohne an einer Stelle, wo ſie Niemand hören konnte, durch unnützes Hülferufen den Athem zu vergeuden, lief ſie nach der Stelle, von der das Geräuſch zu ihr gedrungen. Dieſelbe lag zwiſchen ihr und der Brücke, doch war ſie ferner von ihr entlegen, als ſie geglaubt hatte: denn die Nacht war ſehr ſtill und der Klang drang mit Hülfe des Waſſers um ſo viel weiter.
Endlich kam ſie an eine Stelle des grünen Ufers, die kürzlich heftig betrampelt ſchien, und wo einige Holz⸗ ſplitter und Kleiderfetzen lagen. Indem ſie ſich bückte, ſah ſie, daß der Raſen blutig war. Den Tropfen und Streifen folgend, bemerkte ſie, daß auch der naſſe Ufer⸗ rand blutig war. Wie ſie mit dem Blicke der Strö⸗ mung folgte, ſah ſie ein blutiges Geſicht dem Monde zugewendet im Waſſer liegen und fortſchwimmen.
Jetzt, barmherziger Himmel, ſei gelobt für jene alte Zeit, und gieb, allgütiger Gott, daß dieſelbe, durch Deine gnädige Fügung, endlich zum Guten wirke! Wem das ſchwimmende Antlitz immer angehören möge, ſei es einem Manne oder einem Weibe, hilf meinen ſchwachen Händen, o Gott, daſſelbe dem Tode zu entreißen und Jemandem zurückzugeben, dem es theuer ſein muß!
Dies dachte ſie, und dachte es mit Inbrunſt, doch
ab. Sie eilte von dannen, ehe daſſelbe in ihrem Geiſte aufwogte, fort— ſchnell und ſicher und dennoch vo Allem ruhig— denn ohne Ruhe konnte ſie es nimmer vollführen— eilte ſie an den Landungsplatz unter dem Weidenbaume, wo auch ſie das an den Pfählen feſtge⸗ machte Boot hatte liegen ſehen.
Mit ſicherer, geübter Hand, ſicherem Schritte ihres ge⸗
hielt das Gebet ſie nicht eine Secunde vom dcein
legen, um ſich vom Waſſer tragen zu laſſen. Genau ſo hatte ſie zuerſt undeutlich das Geſicht geſehen, welches ſie jetzt nochmals ebenſo undeutlich erblickte.
Mit feſtem Blick und feſtem Vorſatz beobachtete ſie geſpannt das Herannahen deſſelben, bis es ganz nahe war; dann zog ſie leicht ihre Ruder ein und ſchob ſich halb knieend, halb ſich bückend nach der Hinterſeite des Bootes. Einmal, ſich ihres Griffes nicht ganz ſicher, ließ ſie den Körper entſchlüpfen. Das zweite Mal hatte ſie ihn bei dem blutigen Haare ergriffen.
Derſelbe war bewußtlos, wo nicht in Wirklichkeit ſchon todt; er war entſtellt und färbte das Waſſer ringsum mit dunklen rothen Streifen. Da er ſich nicht ſelber zu helfen im Stande, war es ihr unmöglich, ihn an Bord zu nehmen. Sie beugte ſich über den Spiegel, um ihn mit der Leine feſtzumachen, und dann hallten Fluß und Ufer von dem fürchterlichen Schrei wider, den ſie ausſtieß.
Doch wie von übernatürlichem Muthe und Kraft be⸗ ſeelt, band ſie ihn ſicher feſt, nahm ihren Sitz wieder
ein, und ruderte verzweifelt der nächſten ſeichten Stelle zu, wo ſie das Boot auf den and bringer Verzweifelt, doch nicht wild, denn f
verloren ſein würde, falls ſie die verlöre.
in dem er Hülfe finden konnte.
Sobald ſie dies in großer Geſchwindigkeit vollführt, ßte ſie ſeine entſtellte Stirn, ſchaute mit innerſtem Schmerz zu den Sternen hinauf, und ſegnete ihn und vergab ihm:„falls ſie Etwas zu vergebe be.“ Nur in dieſem einzigen Augenblicke dachte ſie an ſich ſelber, und dachte ſie nur für ihn an ſich.
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etzt, barmherziger Himmel, ſei gelobt für jene alte
Zeit, die mich in den Stand ſetzen wird, ohne einen Augenblick zu verlieren, das Boot wieder flott zu machen
übten Fußes, und ſicherem Gleichgewichte ihres Körpers und gegen den Strom zurückzurudern! Und gieb, all⸗
ſaß ſie bereits im Boote. Ein ſchneller Blick ihres ge⸗ übten Auges zeigte ihr, ſelbſt in dem tiefen dunkeln Schatten, die Ruder an der ziegelrothen Gartenmauer. Im nächſten Augenblicke war abgeſtoßen, und das Boot war in ausgeſchoſſen, und ſie ruderte den E nie ein Weib auf engliſchem Waſſer
Ohne in der Anſtrengung des Ruderns nachzulaſſen, ſchaute ſie mit angeſpannter Aufme kſam eit nach dem ſchwimmenden Geſichte aus. Sie k platze des Kampfes vorbei— dort lag derſelbe, zu ihrer Linken, gerade hinter dem Boote— zu ihrer Rechten an
wie das Boot da⸗ hinſchoß, überall, überall nach dem ſchwimmenden Geſichte aus.
Sie ließ das Boot jetzt blos vor dem Strome dahin treiben, und ruhte auf den Rudern, wohl wiſſend, daß das Geſicht, falls es ſich nicht bald zeigte, hinunterge⸗ ſunken ſein, und über daſſelbe hinaustreiben müſſe. Ein ungeübtes Auge würde in dem Mondſcheine nimmer wahr⸗ genommen haben, was ſie endlich nach wenigen Ruder⸗ ſchlägen hinter ſich erblickte. Sie ſah die ertrinkende Ge⸗ ſtalt zur Oberfläche emporſteigen, leicht mit dem Waſſer kämpfen und ſich dann wie durch Inſtinct auf den Rücken
gütiger Gott, daß er durch mich Arme vom Tode errettet
und einer Andern erhalten werden möge, der er eines Tagegetheue ſein darf, obgleich niemals theurer, als er mir iſt! W
Sie ruderte eifrig— ruderte verzweifelt, aber keinen Augenblick wild— und verwandte ſelten die Blicke von ihm am Boden des Bootes. Sie hatte ihn ſo dort hin⸗ gelegt, daß ſie ſein entſtelltes Geſicht ſehen konnte; daſſelbe war ſo ſehr entſtellt, daß ſeine Mutter es wohl bedeckt haben würde, aber für ſie war es über alle Ent⸗ ſtellung hinaus und— erhaben.
Das Boot berührte den Rand des kleinen Raſens, der ſich hinter dem Wirthshauſe nach dem Waſſer hinab⸗ zog. Es waren Lichter in den Fenſtern, aber es war zu⸗ fällig Niemand draußen. Sie machte das Boot feſt, nahm ihn abermals mit einer Gewaltanſtrengung in den Armen auf und legte ihn nicht eher nieder, als bis ſie im Hauſe war. Es ward nach Wundärzten ausgeſandt, und ſie hielt ſeinen Kopf auf ihrem Schooße. Sie hatte in früherer Zeit oft davon gehört, wie die Aerzte die Hand eines bewußtloſen Verwundeten aufnähmen und dieſelbe fallen ließen, falls dieſer todt ſei. Sie wartete auf den fürchterlichen Augenblick, wo die Aerzte ſeine gebrochene zerquetſchte Hand aufnehmen und wieder fallen laſſen würden.


