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Unser gemeinschaftlicher Freund : Roman in vier Büchern / von Charles Dickens (Boz). Mit 40 Ill. von Marcus Stone. Aus dem Engl. von Marie Scott
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dem andern ſchwankend und in dem dritten ſchwach zu ſein. Sie muß ganz ihrer Natur folgen, wie ich der meinigen folgen muß. Falls die meinige durchweg ihre

Schmerzen und Strafen fordert, ſo muß die ihrige ver⸗

muthlich daſſelbe thun.“

Dann, indem er die Forſchung über ſeine eigene Natur fortſetzte, dachte er:„Geſetzt, ich heirathe ſie. Falls der Lächerlichkeit der Situation in Correſpondenz mit M. G. V. zum Trotze, ich M. G. V. bis aufs Aeußerſte ſeiner geachteten Fähigkeiten in Erſtaunen ſetzte, indem ich ihn unterrichtete, daß ich ſie geheirathet, wie würde da wohl M. G. V. zu dem rechtsgelehrten Geiſte ſprechen? ‚Du weigerteſt Dich, um einigen Geldes und einigen Ranges willen zu heirathen, weil Du eine fürchterliche Wahrſcheinlichkeit vorausſahſt, Dich zu lang⸗ weilen. Iſt weniger Wahrſcheinlichkeit dieſer Art vor⸗ handen, wenn Du um keines Geldes und keines Ranges willen heiratheſt? Biſt Du Deiner ganz ſicher?⸗

V V V

Der rechtsgelehrte Geiſt iſt, ungeachtet der gerichtlichen Proteſtationen, heimlich zuzugeben genöthigt: ‚Sehr gutes

Raiſonnement von Seiten M. G. V Bin nicht ganz ſicher.“

Wie er dieſen leichtfertigen Ton zu Hülfe rief, fühlte er zugleich, daß derſelbe unwürdig und gemein ſei, und ließ ſie ſich gegen denſelben behaupten.

„Und dennoch,“ ſagte Eugen,„möchte ich den Menſchen ſehen(Mortimer ausgenommen) der ſich unter⸗ ſtehen würde mir zu ſagen, daß dies kein ächtes Gefühl in mir ſei, das ihre Schönheit und ihr Werth mir wider meinen Willen eingeflößt, und daß ich ihr nicht treu bleiben würde. Ich möchte den Menſchen, der mir dies oder irgend Etwas ſagen würde, das zu ihrem Nachtheile ausgelegt werden könnte, beſonders gern heute Abend ſehen; denn ich bin ſchauerlich verſtimmt über einen ge⸗

3. meiner

wiſſen Wrayburn, der eine traurige Figur ſpielt, und

möchte mich viel lieber über irgend einen Andern ärgern. Eugen, Eugen, Eugen, dies iſt eine ſchlimme Geſchichte!“ Ach! So klingt Mortimer Lightwood's Geläute, und zwar heute Abend ſehr melancholiſch!“

Wie er langſam dahin ſchlenderte, dachte er an etwas Anderes, worüber er ſich zur Rede zu ſtellen hatte.„Wo liegt die Analogie, Du Vieh,“ ſagte er ungeduldig, „zwiſchen dem Weibe, das Dein Vater Dir ausſucht, und dem Weibe, das Du ſelbſt gefunden und zu dem Du Dich mit immer wachſender Innigkeit hingezogen gefühlt, ſeit Du ſie zum erſten Male erblickt? Eſel! Kannſt Du nicht beſſer raiſonniren?“

Dann aber verſank er wieder in die Erinnerung an ſeine ſo eben gehabte volle Erkenntniß ſeiner Macht über ſie, und der Enthüllung ihres Herzens. Der leichtſinnige Entſchluß, der aus derſelben entſprang, war der, daß er keine Verſuche mehr machen wolle, ſie zu verlaſſen, wohl aber, ſie zu gewinnen. Und dennoch klang es nochmals: „Eugen, Eugen, Eugen, dies iſt eine ſchlimme Geſchichte!“ Und:„Ich wollte, ich könnte dieſem Lightwood'ſchen Glockenſpiele Einhalt thun, denn daſſelbe klingt wie ein Grabgeläute.“

Indem er aufwärts ſchaute, ſah er, daß die Mondes⸗ ſichel aufgegangen, und daß die Sterne am Himmel zu funkeln angefangen, an dem die gelben und rothen Strei⸗ fen verlöſcht waren, um dem ſtillen Blau einer Sommer⸗ nacht Platz zu machen. Er befand ſich noch immer am Flußufer. Wie er ſich plötzlich umwandte, ging ein Mann ſo hart hinter ihm, daß Eugen überraſcht zurück⸗ trat, um ein Zuſammenſtoßen zu vermeiden. Der Mann trug Etwas auf ſeiner Schulter, das ein zerbrochenes Ruder oder ein Sparren oder eine Holzſtange ſein

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mochte, und nahm keine Notiz von ihm, ſondern ging weiter.

„Hollah, mein Freund,“ rief Eugen ihm nach,„ſeid Ihr blind?“ Der Mann erwiderte nichts, ſondern ſetzte ſeinen Weg fort.

Eugen ging mit hinter ſich gefalteten Händen und ſeinen Zweck im Herzen tragend, in entgegengeſetzter Rich⸗ tung weiter. Er kam an den Schafen und an dem Pfört⸗ chen vorüber und innerhalb Hörweite der Dorfklänge und langte an der Brücke an. Das Wirthshaus ſowohl, als das Dorf und die Mühle lagen auf demjenigen Ufer des Fluſſes, auf dem er dahingewandelt. Da ihm indeſſen das ſchilfbewachſene Ufer auf der andern Seite als eine entlegene, einſame Stelle bekannt war, und er ſich nicht in der Stimmung für Lärm und Geſellſchaft fühlte, ging er über die Brücke und wanderte weiter, wobei er zu den Sternen hinaufſchaute, die, einer nach dem andern, am Himmel angezündet zu werden, und dann in den Fluß hinab, wo dieſelben Sterne tief aus dem Waſſer hervor⸗ zuleuchten ſchienen. Wie er dahinſchritt, fiel ſein Blick auf eine Landungsbrücke und auf ein Vergnügungsboot, das zwiſchen einigen Pfählen feſtgemacht lag. Die Stelle lag in ſo tiefem Schatten da, daß er ſtillſtand, um ſich zu überzeugen, was ſich dort befinde, und dann wieder weiter ging.

Das Rauſchen des Fluſſes ſchien in ſeinen unbehag⸗ lichen Gedanken eine ähnliche Bewegung hervorzurufen.

Er hätte ſie, wenn es ihm möglich geweſen, gern ein⸗

ſchlummern laſſen, aber ſie waren, gleich dem Strome, in Bewegung, und gingen mit gewaltiger Strömung alle in derſelben Richtung. Wie die Wellen ſich hin und wieder unter dem Monde zertheilten, und bleich in einer neuen Geſtaͤlt und mit einem neuen Laute rauſchten, ebenſo trennten ſich gewiſſe Gedanken in ihm unaufge⸗ fordert von den übrigen und offenbarten ihre Gottloſig⸗ keit.„Außer Frage, ſie zu heirathen,“ ſagte Eugen, „und außer Frage, ſie aufzugeben. Die Kriſis!“

Er war weit genug geſchlendert. Ehe er ſich um⸗ wandte, um zurückzugehen, ſtand er am Rande des Waſ⸗ ſers ſtill und betrachtete die ſich in demſelben abſpiegeln⸗ den Sterne. Schnell wie der Blitz, mit einem fürchter⸗ lichen Krachen, brach ſich das widergeſpiegelte Licht, Flam⸗ men ſchoſſen wild durch die Luft dahin, und der Mond und die Sterne ſtürzten vom Himmel herab.

War er vom Blitz getroffen? Mit einem unzuſam⸗ menhängenden, halb gebildeten Gedanken dieſer Art wandte er ſich unter den Schlägen, die ihn erblindeten und ſein Leben in ihm zermalmten, um und rang mit einem Mör⸗ der, den er bei einem rothen Halstuche ergriff— falls nicht das Blut, das über ſein Geſicht herabfloß, demſel⸗ ben dieſe Farbe verlieh.

Eugen war ſchlank, flink und gewandt; aber ſeine Arme waren gebrochen, oder er war gelähmt und konnte nichts weiter thun, als, mit zurückhängendem Kopfe, ſo daß er nichts als den wogenden Himmel ſah, ſich an dem Manne feſtklammern. Nachdem er an dem Angreifer gezerrt, fiel er mit ihm auf dem Ufer nieder, und dann gab es ein abermaliges fürchterliches Krachen und dann ein gewaltiges Platſchen und Alles war vorüber.

Auch Lizzie Hexam hatte das Geräuſch und das Sonnabend⸗Getöſe der Leute auf der Straße gemieden, und ging lieber einſam das Waſſer entlang, bis ihre Thränen getrocknet und ſie hinlänglich gefaßt ſein würde, um bei der Heimkehr aller Beobachtung ihres kranken oder bekümmerten Ausſehens zu entgehen. Die friedliche Stille der Stunde und des Ortes ſank ihr, da ſie mit keinen Gewiſſensbiſſen oder böslichen Abſichten zu kämpfen hatte, heilend in ihre Bruſt. Sie hatte nachgeſonnen

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ihr und der Br als ſie geglau und der Klang veiter. h Endlich ka die körzäch he ſphter und ſah ſie, daß Streifen folg rand blutig mung folgte, zugewendet im Jetzt, barn

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