5⁵
Boz, Unſer gemeinſchaftlicher Freund.
56
Dich von Deinem Vater loszumachen und Dich in eine beſſere Lage zu verſetzen?“
„Sehr oft Miß.“
„Sehr oft? Ja! Und ich hätte ebenſo gut zu der eiſernen Eſſe des ſtärkſten Seedampfers ſprechen können, der an den„Brüdern“ vorüberdampft.“
„Nein, Miß,“ ſagte Lizzie ſanft,„denn jene würde nicht dankbar geweſen ſein, und ich bin es.“
„Ich erkläre, ich ſchäme mich faſt, daß ich ein ſolches Intereſſe an Dir nehme,“ ſagte Miß Abbey ärgerlich, „denn ich glaube nicht, daß ich es thun würde, wenn Du nicht hübſch wärſt. Warum biſt Du nicht häßlich?“
Lizzie beantwortete dieſe ſchwierige Frage blos durch einen abbittenden Blick.
„Indeſſen, Du biſt nun einmal nicht häßlich,“ fuhr Miß Potterſon fort,„und es nützt daher nichts, darüber zu reden. Ich muß Dich eben nehmen, wie Du biſt. Was ich in der That gethan habe. Lizzie Hexam, Lizzie Hexam, überlege Dir's noch einmal. Weißt Du das Schlimmſte über Deinen Vater?“
„Ob ich das Schlimmſte über meinen Vater weiß?“ wiederholte ſie mit großen Augen.
„Weißt Du, welchem Verdachte Dein Vater ſich ausſetzt? Weißt Du, welchen Verdacht man wirklich bereits über ihn hegt?“
Das Bewußtſein deſſen, was er that, drückte das Herz des Mädchens ſchwer nieder, und ſie ſenkte langſam die Augen.
„Sprich, Lizzie, weißt Du es?“ ſagte Miß Abbey, in ſie dringend.
„Bitte, ſagen Sie mir, worin dieſer Verdacht be⸗ keht Miß,“ ſagte ſie nach einer Pauſe mit geſenktem Blick.
„Es iſt nicht leicht, dies einer Tochter zu ſagen, aber es muß geſagt werden. Es wird alſo von Manchen geglaubt, daß Dein Vater Einigen von Denen, die er todt findet, zu ihrem Tode verhilft.“
Die Erleichterung, Etwas zu hören, von dem ſie fühlte, daß es ein falſcher Verdacht ſei, war für einen Augenblick eine ſo große für Lizzie's Herz, daß Miß Abbey über ihr Benehmen ſtaunte. Sie erhob ſchnell den Blick, ſchüttelte den Kopf und lachte faſt in einer Art von Triumph.
„Leute, die dies ſagen, kennen den Vater wenig!“ („Sie nimmt es ſehr ruhig,“ dachte Miß Abbey.„Sie nimmt es ganz erſtaunlich ruhig!“)
„Und vielleicht,“ ſagte Lizzie, als ihr eine plötzliche Erinnerung durch den Kopf ſchoß,„iſt es Jemand, der einen Groll gegen den Vater hegt, Jemand, der dem Vater gedroht hat! Iſt es Riderhood, Miß?“
„Nun— ja, der iſt's“
„Ja! Er war des Vaters Compagnon, und der Vater brach mit ihm, und jetzt rächt er ſich. Und außerdem, Miß Abbey!— wollen Sie das, was ich Ihnen ſagen werde, nie, ohne zwingenden Grund, wieder ſagen?“
Sie beugte ſich vor, um zu flüſtern.
„Ich verſpreche es Dir,“ ſagte Miß Abbey.
„Es war an dem Abend, wo der Harmon⸗Mord durch den Vater entdeckt wurde— oberhalb der Brücke. Und eben unterhalb der Brücke kam Riderhood, als wir heimruderten, leiſe in ſeinem Boote aus der Dunkelheit heran. Und als man ſich ſpäter ſo große Mühe gab, um dem Verbrechen auf den Grund zu kommen, und doch nichts darüber in Erfahrung zu bringen im Stande war, habe ich oft bei mir gedacht, ob Riderhood etwa ſelbſt den Mord beging und den Vater abſichtlich den Leichnam finden ließ? Es ſchien faſt grauſam und
gottlos, dies ſelbſt nur zu denken; doch jetzt, da er den Verdacht auf den Vater zu lenken verſucht, kehre ich dazu zurück, als ob es die Wahrheit ſei. Kann es die Wahrheit ſein? Was mir durch den Todten in den Sinn gegeben wurde?“
Sie richtete dieſe Frage mehr an das Kaminfeuer, als an die Wirthin der„Brüder“, und ſchaute mit angſt⸗ vollem Blicke in der kleinen Schenke umher.
Doch Miß Potterſon, die als geſchickte Schulmei⸗ ſterin mit ihren Schülern umzuſpringen wußte, ſtellte die Sache in ein Licht, das ein durchaus weltkluges war.
„Dusarmes, verblendetes Mädchen,“ ſagte ſie,„ſiehſt Du nicht, daß Du keinen beſonderen Verdacht gegen den Einen einräumen kannſt, ohne zugleich einen allgemeinen Verdacht gegen den Andern zuzulaſſen? Sie hatten zu⸗ ſammen Gharbeitet. Sie hatten ihr Treiben geraume Zeit zuſammen fortgeſetzt. eſetzt, es ſei ſogar geweſen, wie Du es Dir in den Kopf geſetzt, ſo würde das, was Beide zuſammen getrieben, dem Andern ein ganz ver⸗ trauter Gedanke ſein.“
„Sie kennen den Vater nicht, wenn Sie ſo ſprechen, Miß. Gewiß, gewiß, Sie kennen den Vater nicht!“
„Lizzie, Lizzie,“ ſagte Miß Potterſon.„Verlaß ihn. Du brauchſt nicht ganz und gar mit ihm zu brechen, aber verlaß ihn. Du wirſt ohne ihn beſſer fortkommen. Nicht etwa wegen deſſen, was ich Dir heute Abend ge⸗ ſagt habe— wir wollen darüber kein Urtheil fällen, und wollen hoffen, das dem nicht ſo ſei— ſondern we⸗ gen deſſen, was ich Dir früher vorgeſtellt habe. Einerlei, ob es wegen Deines hübſchen Geſichts iſt oder nicht, aber ich habe Dich gern und möchte Dir dienen. Lizzie, laß Dich von mir leiten. Wirf Dich nicht weg, mein Mädchen, ſondern laß Dich überreden, reſpectabel und glücklich zu werden.“
Das wahre Gefühl und die geſunde Verſtändigkeit ihrer Bitte hatte Miß Abbey's Stimme erweicht, und ſie ſogar bewogen, ihren Arm um das Mädchen zu ſchlingen. Doch erwiderte Lizzie blos:„Ich danke Ihnen, ich danke Ihnen. Aber ich kann's nicht. Ich will's nicht. Ich darf nicht daran denken. Je härter die Leute gegen den Vater ſind, deſto mehr bedarf er meiner als Stütze.“
Hierauf erlitt Miß Abbey, die, gleich allen harten Leuten, welche ſich erweichen laſſen, fuͤhlte, daß man ihr eine Entſchädigung ſchulde, eine Reaction und wurde eiſig kalt.
„Ich habe gethan, was ich gekonnt,“ ſagte ſie,„und Du mußt Deines Wegs gehen. Wie Du Dein Bett emacht, mußt Du darin liegen. Doch ſage Deinem Vater dies Eine: er ſolle nicht mehr hierher kommen.“
„O, Miß, wollen Sie ihm den Zutritt zu dem Hauſe verſagen, wo ich ihn in Sicherheit weiß?“
„Die Brüder,“ entgegnete Miß Potterſon,„müſſen ſowohl nach ſich ſelber, als nach Anderen ſehen. Es hat ſchwer genug gehalten, hier Ordnung herzuſtellen und die„Brüder“ zu dem zu machen, was ſie ſind, und es iſt noch täglich und allabendlich ſchwer, ſie ſo zu erhal⸗ ten. Es darf, auf den„Brüdern“ kein Flecken ruhen, der ihnen einen böſen Namen macht. Ich habe dem Riderhood das Haus unterſagt, und ich unterſage es dem Gaffer. Ich unterſage es Beiden gleichermaßen. Ich erfahre von Riderhood und Dir zugleich, daß gegen beide Männer Verdacht vorhanden, und ich will es nicht auf mich nehmen, zwiſchen ihnen zu entſcheiden. Sie ſind Beide mit einem ſchmutzigen Pinſel getheert und ich darf die„Brüder“ nicht mit demſelben Pinſel theeren laſſen. Weiter weiß ich nichts.“
—
*
ſen uuſ ſtern roih Lock aus, ahrt ſpäte Zurü V ſe Hen emp Klu der Mi Aum hinw ſie des ohn ihre
Vij
fül der ho a Rid ſfein nich 84 zu ſch kiit ſc
—


