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53 Boz, Unſer gemeinſchaftlicher Freund. 54
ein lebendes Weſen. Geben Sie Acht! Ich bin der Mann, der ſein Compagnon war, und ich habe ihn im Verdacht.“.
„In dem Falle,“ ſagte Miß Potterſon, obwohl mit einem tieferen Schatten der Verblüffung,„klagt Ihr Euch ſelber an.“.
„Nein, das thu' ich nicht, Miß Abbey. Denn wie ſteht die Sache? Folgendermaßen. Als ich ſein Com⸗ pagnon war, konnte ich ihn nie zufriedenſtellen. Warum konnte ich ihn nie zufriedenſtellen? Weil ich kein Glück hatte; weil ich ihrer nicht genug finden konnte. Wie war's mit ſeinem Glück? Er war immer glücklich. Ge⸗ ben Sie Acht! Immer glücklich! Ah, es giebt viele Spiele, Miß Abbey, wo es ſich um Glück handelt, aber es giebt auch viele, bei denen es der Geſchicklichkeit be⸗ darf, außer dem Glück.“ 4
„Wer zweifelt daran, Menſch, daß Gaffer im Finden von Dem, was er findet, Geſchicklichkeit beſitzt?“ fragte Miß Abbey.
„Geſchicklichkeit vielleicht im Herbeiſchaffen deſſen, was er findet,“ ſagte Riderhood, ſein arges Haupt ſchüttelnd.
Miß Abbey betrachtete ihn ſtirnrunzelnd, während er ſie finſter anſchielte.
„Wenn man bei faſt jeder Fluthzeit auf dem Fluſſe umhertreibt, um einen Mann oder eine Frau im Fluſſe zu finden, ſo wird man ſeinem Glücke ſehr zu Hülfe kommen, Miß Abbey, indem man zuvor einem Manne oder einer Frau einen Schlag über den Kopf reicht und ſie in den Fluß hineinwirft.“
„Gerechter Gott!“ war Miß Potterſon's unwillkür⸗ licher Ausruf.
„Gebt Acht!“ entgegnete der Andere, ſeinen Kopf vorwärts über die Halbthür hinüberſtreckend, um ſeine Worte in die Schenke zu werfen; denn ſeine Stimme klang, wie wenn ihm der Scheuerwiſch ſeines Bootes in der Kehle ſteckte;„ich ſage dies, Miß Abbey! Und geben Sie Acht! Ich will ihm auf der Spur ſein, Miß Abbey! Und geben Sie Acht! Ich will ihn endlich doch noch er⸗ wiſchen, und wenn's noch zwanzig Jahre währt, das will ich! Wer iſt er, daß er um ſeiner Tochter willen begün⸗ ſtigt wird? Habe ich nicht ebenfalls eine Tochter?“
Mit dieſer Drohung und dem Anſcheine nach durch das, was er geſprochen, noch trunkener und wilder ge⸗ macht, als er zu Anfang geweſen, nahm Riderhood ſein Töpfchen Bier auf und trug daſſelbe in's Gaſtzimmer.
Gaffer war nicht dort, wohl aber eine beträchtliche Anzahl von Miß Potterſon's Schülern, welche, wenn die Gelegenheit es erforderte, die größte Folgſamkeit zur Schau trugen. So wie es zehn Uhr ſchlug und Miß Abbey an der Thür erſchien, und ſich mit den Worten: „George Jones, Eure Zeit iſt abgelaufen! Ich ſagte Eurer Frau, Ihr ſolltet pünktlich ſein!“ an ein gewiſſes Individuum in einer verblichenen ſcharlachrothen Jacke wendete, ſtand Jones gehorſam auf, wünſchte der Geſell⸗ ſchaft gute Nacht und ging. Um halb elf Uhr, wenn Miß Abbey abermals hineinſchaute und ſagte:„William Williams, Bob Glamour und Jonathan, Euer Urlaub iſt abgelaufen“, verabſchiedeten William, Bob und Jona⸗ than ſich mit derſelben Folgſamkeit und verdufteten. Und ein noch größeres Wunder! Als ein flaſchennaſiger Mann in einem lackirten Hute nach beträchtlichem Zögern noch ein Glas Grog bei dem aufwartenden Kellner beſtellt, und Miß Abbey, anſtatt daſſelbe zu ſenden, in Perſon erſchien und ſagte:„Eapitän Joey, Ihr habt vollkommen ſo viel gehabt, wie Euch zuträglich iſt,“ ſaß der Capitän nicht nur, ohne ein Wort der Einwendung zu wagen, ſtill vor dem Feuer und rieb ſich ſanft die Kniee, ſondern die übrigen Gäſte murmelten:„Ja, ja, Capitän! Miß
Worauf der erröthende Tootle Mullins, und der erröthende Mul⸗ lins Tootle anſchaute, wer von ihnen zuerſt aufſtehen ſolle; und ſchließlich ſtanden Beide zugleich auf und gingen mit einem breiten Lächeln hinaus, gefolgt von Miß Abbey, in deren Gegenwart die Gäſte ſich nicht die Freiheit, ebenfalls zu lächeln, herausnahmen.
In einem ſolchen Etabliſſement war der weißbeſchürzte Kellner in ſeinen auf beiden nackten Schultern zu zwei feſten Rollen aufgerollten Hemdärmeln eine bloße An⸗
als eine Sache der Form hingeworfen wurde. Pünktlich zur Stunde des Schließens gingen alle Gäſte, die noch geblieben waren, in beſter Ordnung ihrer Wege, während Miß Abbey an der Halbthür der Schenke ſtand, um die
Alle wünſchten Miß Abbey gute Nacht, und Miß Abbey wünſchte Allen gute Nacht, ausgenommen Riderhood. Der weiße Kellner, welcher officiellermaßen zuſchaute, ge⸗ wann hieraus die Ueberzeugung, daß der Mann auf ewig von den Sechs luſtigen Brüdern ausgeſtoßen und excom⸗ munccirt ſei.
„Ihr, Bob Glibbery,“ ſprach Miß Abbey zu dieſem Kellner,„lauft einmal nach Hexam's Hauſe herum und ſagt ſeiner Tochter Lizzie, daß ich mit ihr zu ſprechen wünſche.“
Bob Glibbery ging und kehrte mit exemplariſcher Geſchwindigkeit zurück. Lizzie, die ihm folgte, langte in dem Augenblicke an, wo eins der beiden Stubenmädchen der Sechs luſtigen Brüder eben Miß Potterſon's Nacht⸗ eſſen, beſtehend aus heißen Würſtchen und Kartoffelmus, auf dem gemüthlichen Tiſchchen am Schenkenfeuer ſervirte.
„Komm herein und ſetz' Dich Kind,“ ſagte Miß Abbey, „Kannſt Du einen Biſſen eſſen?“
„Nein, danke, Miß. Ich habe bereits Nachteſſen gehabt.“
„Und ich ebenfalls, glaub' ich,“ ſagte Miß Abbey, den unangerührten Teller fortſchiebend,„und zwar mehr als genug. Ich bin ärgerlich, Lizzie.“
„Das thut mir ſehr leid, Miß.“
„Warum, in aller Welt, thuſt Du es da?“ rief Miß Abbey ſcharf.
„Ich thue es, Miß?“
„So— ſo, ſchon gut. Sieh nicht ſo erſtaunt aus. Ich hätte mit einem Worte der Erklärung anfangen ſollen, aber es iſt meine Art und Weiſe, mir Richtwege zu machen. Ich war ſtets ein pfefferiger Hitzkopf. Ihr, Bob Glibbery dort, hängt die Kette uber die Thür und geht zu Eurem Nachteſſen hinunter.“
Bob gehorchte mit einer Munterkeit, die ſich nicht minder auf das Hitzkopf⸗Factum, als auf das Nachteſſen zu beziehen ſchien, und das Geräuſch ſeiner Stiefel ver⸗ hallte bald in der Richtung des Flußbettes.
„Lizzie Hexam, Lizzie Hexam,“ begann darauf Miß Potterſon, wie oft habe ich Dir die Gelegenheit gezeigt,
ſpielung auf die Möglichkeit phyſiſcher Gewalt, welche.
Ceremonie einer Revue und Entlaſſung zu beobachten.


