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Unser gemeinschaftlicher Freund : Roman in vier Büchern / von Charles Dickens (Boz). Mit 40 Ill. von Marcus Stone. Aus dem Engl. von Marie Scott
Entstehung
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Kenntihr Miſt Erboff in? fragte Wegg.

Das ſollt' ich meinen! Jeder kennt ihn hier herum. Eddard kennt ihn. Boffin, Eddard!

Die Wirkung dieſes Namens war ſo beunruhigend, daß vermöge derſelben Eddard einen Augenblick den Kopf

ſchlug und dann durch bedeutend vergrößerte Geſchwindig⸗ keit um ein Beträchtliches das Rütteln vermehrte, ſo da Mr. Wegg ſeine ganze Aufmerkſamkeit auf das Anhalteu zu richten, und den Wunſch, ſich zu überzeugen, ob dieſe plötzliche Lebhaftigkeit als eine Huldigung gegen Boffin oder als das Gegentheil zu betrachten ſei, aufzugeben ge⸗ nöthigt war.

Nach einer kleinen Weile ſtand Eddard an einem Thorwege ſtill, und Wegg verlor geſcheidterweiſe keine Zeit, auf der Hinterſeite des Karrens abnuat So⸗ wie er auf feſtem Boden angelangt, rief ſein bisheriger Fuhrmann, die Rübe ſchwingend:Zum Nachteſſen, Eddard! worauf er und die Hinterbeine, der Karren und Eddard, Alle zuſammen in einer Art von Apotheoſe in die Luft zu fliegen ſchienen.

Wegg ſtieß das halb geöffnete Thor weiter offen und ſchaute in einen rings eingeſchloſſenen Raum, in dem ſich gewiſſe hohe dunkle Hügelchen gegen den Himmel ab⸗ zeichneten, und wo der Pfad zur Laube, wie der Mond⸗ ſchein zeigte, durch zwei Reihen von in Aſche gefaßten Scherben bezeichnet wurde. Eine weiße Geſtalt, die ihm auf dieſem Pfade entgegenkam, erwies ſich als nichts Geſpenſteriſcheres, als Mr. Boffin ſelbſt, der ſich zur be⸗ quemeren Aufnahme ſeiner Studien in einen kurzen wei⸗ ßen Kittel gekleidet hatte. Nachdem er ſeinen literari⸗ ſchen Freund mit größter Herzlichkeit begrüßt, führte er ihn in das Innere der Laube und ſtellte ihm dort Mrs. Boffin vor: eine wohlbeleibte Dame von röthlichem und heiterem Ausſehen, die(zu Mr. Wegg's Beſtürzung) ein ausgeſchnittenes ſchwarzatlas Geſellſchaftskleid, und einen großen runden ſchwarzen Sammethut mit Fe⸗ dern trug.

Mrs. Boffin, Wegg, ſagte Boffin,will hoch hin⸗ aus, nach der vornehmen Mode, und ihre Bauart iſt von einer Beſchaffenheit, die der Mode Ehre macht. Was mich betrifft, ſo bin ich noch nicht ſo modiſch, wie ich noch werden mag. Henrietty, meine alte Dame, dies iſt der Herr, der das ruſſiſche Reich verfallen und untergehen laſſen wird.

Und ich hoffe von Herzen, daß es Euch Beiden gut thun möge, ſagte Mrs. Boffin.

Es war das ſonderbarſte Zimmer von der Welt, und mehr wie eine luxuriöſe Liebhaberſchenke arrangirt und meublirt, als wie ſonſt irgend Etwas, das Silas Wegg geſehen. Am Kaminfeuer ſtanden zwei hölzerne Bänke, zu jeder Seite eine, mit einem entſprechenden Tiſche vor derſelben. Auf einem dieſer Tiſche lagen die acht Bände flach in einer Reihe, gleich einer elektriſchen Batterie; auf dem andern ſtanden gewiſſe unterſetzte Flaſchen von einladendem Ausſehen, anſcheinend auf den Fußſpitzen, um über eine Reihe von Gläſern und eine Schale mit weißem Zucker Blicke mit Mr. Wegg auszutauſchen. Auf dem Kaminherde dampfte ein Keſſel und vor demſelben ruhte eine Katze. Zwiſchen den Bänken, dem Feuer gegenüber, ſtand ein Sopha, eine Fußbank und ein klei⸗ ner Tiſch, die ein Centrum bildeten, und Mrs. Boffin

gewidmet waren. Dieſelben waren bunt und geſchmack⸗

los, jedoch koſtbar, und hatten neben den hölzernen Bän⸗ ken und der von der Decke herabhängenden Gasflamme ein eigenthümliches Ausſehen. Auf dem Fußboden lag ein blumiger Teppich, der jedoch, anſtatt bis an den

(Beobachtet ſeine Ohren.) Noddy

Boz, Unſer gemeinſchaftlicher Freund.

d

V I

Kamin zu reichen, an Mrs. Boffin's Fußbank ein Ende nahm und einer Region von Sand und Sägeſpänen Platz machte. Mr. Wegg nahm außerdem mit bewundernden Augen wahr, daß, während das Blumenland nur ſolche leeren Zierrathe, wie ausgeſtopfte Vögel und Wachsfrüchte

ck de unter Glasglocken, zeigte, auf dem Terrain, wo die Ve⸗ verſteckte, ſehr hoch mit den Hinterbeinen in die Luft

nach meiner Weiſe.

getation aufhörte, entſchädigende Bretterſimſe angebracht waren, auf denen man unter anderen Eßwaaren den

ß größeren Theil einer umfangreichen Paſtete und eines

kalten Bratens erblickte. Das Zimmer ſelbſt war groß, wenngleich niedrig; und die maſſiven Rahmen der alten Fenſter und ſchweren Balken der ſchiefen Zimmerdecke ſchienen darauf hinzudeuten, daß das Haus einſt ein alleinſtehendes Landhaus von einiger Bedeutung geweſen.

Gefällt es Euch, Wegg? fragte Boffin, auf ſeine drauf los ſtürzende Manier.

Außerordentlich Sir, ſagte Wegg;ein erſtaunlich gemüthlicher Kaminwinkel, Sir.

Verſteht Ihr's, Wegg?

Je nun, im Allgemeinen, begann Mr. Wegg langſam, den Kopf auf die Seite neigend, wie aus⸗ weichende Leute es machen; doch unterbrach ihn der Andere:

Ihr verſteht's nicht, Wegg, und ich will's Euch er⸗ klären. Dieſe Einrichtung iſt auf gegenſeitige Ueberein⸗ kunft zwiſchen Mrs. Boffin und mir getroffen worden. Mrs. Boffin, wie geſagt, liebt die vornehme Mode und will darin hoch hinaus; mit mir iſt dies gegenwärtig nicht der Fall. Ich gehe nicht weiter, als bis zum Com⸗ fort, und zwar der Art von Comfort, die ich zu genießen verſtehe. Nun alſo was nützte es wohl, wenn Mrs. Boffin und ich uns darüber ſtreiten wollten? Wir haben nie mit einander geſtritten, ehe wir Boffin's Laube ge⸗ erbt hatten; wozu da ſtreiten, ſeitdem wir die Erbſchaft gemacht? Und ſo hat Mrs. Boffin ihren Theil des Zim⸗ mers nach ihrer Weiſe eingerichtet, und ich den meinigen In Folge deſſen haben wir ſowohl Geſelligkeit(ich würde ohne Mrs. Boffin in Trübſinn ver⸗ ſinken), als feine Mode und Comfort. Falls ich allmälig mehr auf Mode hinaus will, dann wird Mrs. Boffin allmälig vorrücken. Sollte dagegen Mrs. Boffin ſich wie⸗ der von der feinen Mode entfernen, ſo würde Mrs. Boffin's Teppich ſich weiter zurückziehen. Bleiben wir aber Beide, wie wir ſind, ei, ſo iſt Alles in Ordnung, und gieb uns einen Kuß, alte Dame.

Mrs. Boffin, die ſich, fortwährend lächelnd, ge⸗ nähert und ihren runden Arm in den ihres Gebieters gelegt hatte, leiſtete dem Geſuche die bereitwilligſte Folge; die Mode, in der Geſtalt ihres ſchwarzen Sammethutes und ihrer Federn, verſuchte, ſich verhindernd dazwiſchen zu legen, wurde aber verdientermaßen dabei zerdrückt.

Und ſo, ſagte Mr. Boffin, ſich mit einer Miene großer Erfriſchung den Mund wiſchend,fangt Ihr uns jetzt zu kennen an, wie wir ſind. Unſere Laube hier iſt ein ganz charmanter Aufenthalt, aber man lernt ihn erſt allmälig ſchätzen. Es iſt ein Aufenthalt, deſſen Verdienſte man nur ſtückweiſe entdeckt, und zwar jeden Tag ein neues. Zu jedem der Hügel führt ein Schlangenpfad hinauf, der den Hof und die Gegend jeden Augenblick anders zeigt. Wenn man auf dem Gipfel anlangt, hat man eine Ausſicht auf die umliegenden Grundſtücke, die durch nichts übertroffen werden kann. Man ſchaut in das Grundſtück von Mrs. Boffin's verſtorbenem Vater(im Hunde⸗Proviſions⸗Handel) hinab, wie wenn es uns zu⸗ gehörte. Und auf dem Gipfel des höchſten Hügels ſteht eine Gitterwerklaube, in der Ihr uns im Sommer man⸗ ches Buch vorleſen und oft, als Freund, in Poeſie ver⸗ fallen werdet, und wenn Ihr es nicht thut, ſo ſoll dies

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