Boz, Unſer gemeinſchaftlicher Freund.
Sir?“
„Kaufte es auf einer Auction,“ ſagte Mr. Boffin. „Acht Bände. Roth und Gold. Blaues Band in jedem Bande, um die Stelle zu bezeichnen, wo man aufhört. Kennt Ihr es?“
„Wie heißt das Buch Sir?“
Sie ſind mit
theil und unberechenbarer Geldgewinn zu ziehen ſei, com⸗ promittirte er ſich doch keineswegs durch eine Einräu⸗ mung, daß ſeine neue Anſtellung im Mindeſten außer ſeinem Bereiche liege, oder das geringſte Lächerliche an ſich habe. Mr. Wegg würde ſich ſogar mit Jedem, der ſeine vertraute Bekanntſchaft mit den beſagten acht
Bänden vom Verfall und Untergang angegriffen, in einen
ernſtlichen Streit eingelaſſen haben.
„Ich glaubte, Ihr hättet das gewußt, ohne daß ich
es Euch geſagt,“ ſagte Mr. Boffin, ein wenig enttäuſcht. „Es heißt Verfall⸗Und⸗Untergang⸗Des⸗Ruſſichen⸗Reichs.“
über dieſe Steine des Anſtoßes hin.)
„Ah, in der That,“ ſagte Mr. Wegg, mit einem Kopfnicken freundſchaftlichen Erkennens.
„Ihr kennt es, Wegg?“
„Ich kann nicht ſagen, daß ich es ganz kürzlich durch⸗
Sein Ernſt war etwas ganz Ungewöhnliches, Ungeheueres, Unermeßliches,
nicht etwa, weil er ſich ſelber gegenüber einen Zweifel an „ ¹ ſich zuließ, ſondern weil er es als nothwendig einſah, (Mr. Boffin ging langſam und mit großer Behutſamkeit
jedem Zweifel vorzubeugen, den Andere möglicherweiſe gegen ihn ſchöpfen möchten. Und hierin ſchloß er ſich
jener außerordentlich zahlreichen Klaſſe von Betrügern an,
vor Ande
geleſen,“ erwiderte Mr. Wegg,„indem ich anderweitig
beſchäftigt war, Den alten bekannten ſchen Reichs? Das ſollt, ich meinen, Sir! kaum ſo groß war, wie Ihr Stock. Bruder unſere Hütte verließ, um ſich als Soldat an⸗ werben zu laſſen. Bei welcher Gelegenheit— wie das Lied, das darauf gemacht wurde, beſchreibt:—
„Vor jene Hüttenthüͤr, Mr. Boffin,
„Ein Mädchen kniete hin:
„Ein ſchneeweiß' Tuch ſie ſchwenkte, Sir,
„Das(wie mein ält'ſter Bruder bemerkte) flatterte im Wind'. „Sie hauchte ein Gebet für ihn, Mr. Boffin,
„Doch hörte er es nicht. „Und mein alrſter Bruderſtütt ſch auf ſein Schwert, Mr. Boffin, „Und wiſcht' eine Thrän' vom Geſicht.“
Durch dieſes Familienereigniß ſowohl, als durch Mr. Wegg's freundſchaftliches Benehmen, indem er ſchon ſo bald in Poeſie verfiel, tief gerührt, drückte Mr. Bofſin jenem hölzernen Gauner abermals die Hand und bat ihn dringend, ſelbſt die Stunde anzugeben. Mr. Wegg nannte die achte Stunde.
„Das Haus, wo ich wohne, heißt die Laube. Boffin's Laube wurde es von Mrs. Boffin getauft, als wir es als unſer Eigenthum bezogen. Solltet Ihr Jemandem begegnen, der es nicht bei dieſem Namen kennt(was faſt Niemand thut), wenn Ihr innerhalb einer Meile, oder ſagen wir, fünf Viertelmeilen, wenn Ihr wollt, von Maiden⸗Lane bei Battle⸗Bridge angelangt ſeid, ſo fragt nach Harmonie⸗Gefängniß, und man wird Euch den Weg zeigen. Ich werde Euch,“ ſagte Mr. Boffin, ihn mit großem Enthuſiasmus auf die Schulter klopfend, „mit vieler Freude erwarten. Ich werde weder Ruhe noch Geduld haben, bis Ihr kommt. Es ſoll mir jetzt Gedrucktes offen ſtehen. Heute Abend wird ein litera⸗
Mr. Boffin. Verfall und Untergang des ruſſi⸗ Seit ich
riſcher Mann— mit einem hölzernen Bein“—, er
ſchenkte dieſer Zierde einen bewundernden Blick, wie wenn dieſelbe Mr. Wegg's Talenten noch einen beſonderen Zauber verliehe,—„anfangen, mich auf einen neuen Lebenspfad zu führen! Hier iſt noch einmal meine Fauſt, Wegg. Morgen, Morgen, Morgen!“
Als der Andere von dannen gewatſchelt und Mr. Wegg in ſeiner Bude allein war, ſank er auf den Seſſel in ſeinem Schirme, zog ein kleines Taſchentuch von büßeriſch rauher Beſchaffenheit hervor und faßte ſich mit nachdenklicher Miene, mit demſelben bei der Naſe. Und während er jenen Geſichtstheil gefaßt hielt, warf er mehrere gedankenvolle Blicke die Straße hinunter, auf Boffin's verſchwindende Geſtalt. Doch thronte tiefer Ernſt auf Mr. Wegg's Zügen. Denn während er ein⸗ ſah, daß dies ein alter Burſch' von einer ſeltenen Herzens⸗ einfalt, daß dies eine Gelegenheit, aus der mancher Vor⸗
Aber,— ob ich es kenne?
Seit mein älteſter
die den Schein eben ſo entſchloſſen vor ſich ſelber, als zu bewahren bemüht ſind.
Es bemächtigte ſich ſeiner außerdem ein gewiſſer Hoch⸗ muth; ein herablaſſendes Gefühl des Geſuchtſeins— als ein officieller Löſer von Geheimniſſen. Daſſelbe flößte ihm nicht etwa eine commercielle Größe, ſondern viel⸗ mehr Kleinlichkeit ein, inſofern als das hölzerne Mäßchen, falls dies im Bereiche der Möglichkeit gelegen, an dieſem Tage weniger Nüſſe enthalten haben würde, als je. Doch als die Nacht kam und mit ihren verſchleierten Augen Wegg nach Boffin's Laube ſtampfen ſah, fühlte er dennoch eine gewiſſe Freude.
Die Laube war ſo ſchwer zu finden, wie die der ſchö⸗ nen Roſamunde, ohne den Leitfaden. Als Mr. Wegg in der ihm bezeichneten Gegend angelangt, ſtellte er wohl ein halbes Dutzend erfolgloſe Nachfragen über die Laube an, bis er ſich erinnerte, daß er nach Harmonie⸗Ge⸗ fängniß fragen ſollte. Dies bewirkte eine ſchnelle Ver⸗ änderung in dem Geiſte eines heiſeren Herrn und ſei⸗ nes Eſels, dem er eine große geiſtige Verwirrung verur⸗ ſacht hatte.
„Ei, Ihr meint das Haus des alten Harmon, wie?“ ſagte der heiſere Herr, der den Eſel, der ſeinen kleinen Karren zog, mit einer gelben Rübe, als Peitſche, an⸗ trieb.„Warum habt Ihr das nicht gleich geſagt? Eddard und ich wir fahren eben jetzt an ihm vorbei! Springt auf.“.
Mr. Wegg gehorchte und der heiſere Herr lenkte ſeine Aufmerkſamkeit folgenderweiſe auf die dritte Perſönlichkeit in der Geſellſchaft:
„Jetzt ſchaut Eddards Ohren ar. Was war noch der Name von dem, was Ihr ſuchtet? Leiſe!“
Mr. Wegg flüſterte:„Boffin's Laube.“
„Eddard!(beobachtet ſeine Ohren) vorwärts, nach Boffin's Laube!“
Eddard blieb, mit zurückgelegten Ohren, unbeweglich ſtehen. he Eddard!(beobachtet ſeine Ohren) vorwärts, nach dem alten Harmon.“
Eddard richtete augenblicklich ſeine Ohren zu ihrer vollen Länge in die Höhe und galoppirte mit ſolcher
Geſchwindigkeit von dannen, daß Mr. Weggs's Unter⸗
haltung in der zerſtückelten Weiſe aus ihm herausge⸗ rüttelt kam.
„Wares— jeein Gef— ängniß?“ fragte Mr. Wegg, ſich mit beiden Händen feſthaltend.
„Nicht ein eigentliches Gefängniß, wo man Euch und mich einſperren würde,“ erwiderte ſein Begleiter,„man gab ihm den Namen, weil der alte Harmon dort ganz allein wohnte.“
„Undwar— um nann— tenſie— esharm— onie?,“
„Weil er nie mit irgend einem Menſchen einig war. Wie eine Art von Spott. Harmon's Gefängniß; Har⸗ monie⸗Gefängniß. So kommt es ungefähr herum.“


