39 Boz, Unſer gemeinſchaftlicher Freund. 40
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„Der iſt nicht viel werth. Eine Verbeugung wegge⸗ worfen!“)
„Morgen! Morgen! Morgen!“
„Scheint übrigens ein munterer alter Burſch' zu ſein,“ ſprach Mr. Wegg, wie zuvor.„Wünſch' Ihnen einen guten Morgen, Sir!“
„Ihr erinnert Euch meiner?“ fragte ſein neuer Be⸗ kannter, indem er ſchief vor der Bude ſtillſtand und ſtoßweiſe, obwohl mit großer Gutmüthigkeit, ſprach.
„Ich habe Sie im Verlaufe von etwa einer Woche mehrere Male an unſerm Hauſe vorübergehen ſehen, Sir.“
„Unſer Haus,“ ſagte der Andere,„das ſoll ſo viel heißen, als—“
„Ja,“ ſagte Mr. Wegg, kopfnickend, wie der Andere mit dem plumpen Zeigefinger ſeines rechten Handſchuhs auf das Eckhaus deutete.
„Ol Was,“ fuhr der alte Burſche neugierig fort, indem er ſeinen knorrigen Stock wie einen Säugling im Arme hielt,„was für einen Lohn zahlt man Euch?“
„Ich leiſte nur gelegentliche Dienſte,“ erwiderte Silas trocken und mit Zurückhaltung;„es iſt noch zu keiner regelmäßigen Beſoldung gediehen.“
„Ol es iſt noch zu keiner regelmäßigen Beſoldung ediehen? Nein! Es iſt noch zu keiner regelmäßigen
eſoldung gediehen. O! Morgen, Morgen, Morgen!“
„Scheint mir ein ziemlich verrückter alter Burſch' zu ſein,“ dachte Silas, ſeine vorige gute Meinung ein⸗ ſchränkend, wie der Andere fortwatſchelte. Doch gleich darauf kehrte Letzterer wieder um und fragte:
„Wie kamt Ihr zu Eurem hölzernen Bein?“
Mr. Wegg erwiderte(ziemlich kurz dieſer Perſönlich⸗ keit gegenüber):„Durch einen Unfall.“
„Gefällt es Euch?“
„Je nun! Ich brauche es nicht warm zu halten,“ antwortete Mr. Wegg in einer Art von Verzweiflung über eine ſo ſonderbare Frage.
„Er braucht,“ wiederholte der Andere zu ſeinem Knotenſtocke, indem er denſelben an's Herz drückte,„er braucht— ha, ha, ha!— er braucht es nicht warm zu halten! Habt Ihr je den Namen Boffin gehört?“
„Nein,“ ſagte Mr. Wegg, den dieſes Examen ärger⸗ lich zu machen anfing,„ich habe den Namen Boffin nie gehört.“
„Gefällt er Euch?“
„Je nun,— nein,“ entgegnete Mr. Wegg, abermals der Verzweiflung nahe,„ich kann nicht ſagen, daß er mir gefällt.“
„Warum gefällt er Euch nicht?“
„Ich weiß nicht, warum er mir nicht gefällt,“ ſagte Mr. Wegg, der Raſerei nahe,„aber er gefällt mir durch⸗ aus gar nicht.“
„Jetzt werde ich Euch Etwas ſagen, worauf Ihr be⸗ dauern werdet, dies geſagt zu haben,“ ſagte der Fremde lächelnd.„Mein Name iſt Boffin.“
„Ich kann's nicht ändern!“ erwiderte Mr. Wegg, in einem Tone, in dem der beleidigende Zuſatz lag:„und würde es nicht ändern, ſelbſt wenn ich's könnte.“
„Aber es bleibt Euch noch eine Chance,“ ſagte Mr. Boffin, noch immer lächelnd.„Gefällt Euch der Name Nicodemus? Ueberlegt Euch's. Noddy.“
„Es iſt,“ ſagte Mr. Wegg, indem er ſich mit einer Miene ſanfter Ergebung und kummervoller Offenherzig⸗
Nick, oder
ſehen.— Ich weiß nicht warum,“ fügte Mr. Wegg, der nächſten Frage vorgreifend, hinzu.
„Noddy Boffin,“ ſagte der andere Herr;„Noddy. So heiße ich. Noddy, oder Nick— Boffin. Wie heißt Ihr?“
„Silas Wegg.— IUJh weiß nicht,“ fügte er, wie vorher einer Frage vorbeugend, hinzu,„warum Silas, und ich weiß nicht, warum Wegg.“
„Alſo Wegg,“ ſagte Mr. Boffin, ſeinen Stock feſter an die Bruſt drückend,„ich wünſche, Euch eine Art von Anerbieten zu machen. Erinnert Ihr Euch, wann Ihr mich zum erſtenmal geſehen habt?“
Der hölzerne Wegg betrachtete ihn mit ſinnendem Auge und mit ſanfterer Miene, da er die Möglichkeit eines Profits erblickte.„Laſſen Sie mich nachdenken. Ich bin mir nicht ganz ſicher und beachte doch meiſtens ungeheuer viel. War es am Montag Morgen, als der Fleiſcherjlunge ſich in unſerm Hauſe ſeine Beſtellungen geholt und ein Lied von mir kaufte, das ich ihm, da die Melodie ihm unbekannt war, eben einmal vorſang??“?—
„Richtig, Wegg, richtig! Aber er kaufte mehr als ein Lied.“
„Ja, ganz recht, Sir; er kaufte mehrere Lieder und da er ſein Geld in der beſten Weiſe anzulegen wünſchte, ließ er ſich in ſeiner Wahl durch meinen Rath leiten und wir nahmen die Sammlung zuſammen durch. Ja, ganz recht. Hier, ungefähr, war es, und hier, ungefähr, war ich, und dort, Mr. Boffin, waren Sie, wo Sie jetzt perſönlich ſtehen, mit demſelben Stocke unter demſelben Arme und Ihrem ſelben Rücken uns zugewendet. Ja, — ganz— recht!“ fügte Mr. Wegg hinzu, indem er ein wenig um Mr. Boffin herumſchaute, um deſſen Rück⸗ ſeite in Augenſchein zu nehmen und ſich von dieſem letz⸗ ten außerordentlichen Zuſammentreffen zu überzeugen, „mit Ihrem ſelben Rücken!“
„Was that ich wohl, glaubt Ihr, Wegg?“
„Ich möchte annehmen, Sir, daß Sie den Blick die Straße hinunterwarfen.“
„Nein Wegg. Ich lauſchte.“
„Wirklich, Sir?“ ſagte Mr. Wegg in zweifelhaftem Tone.
„Nicht etwa in ehrloſer Weiſe, Wegg, denn Ihr ſangt dem Fleiſcherjungen vor; und Ihr würdet einem Fleiſcherjungen keine Geheimniſſe auf der Straße vor⸗ ſingen, ſeht Ihr wohl.“
„So viel ich mich entſinnen kann, habe ich dies noch
nie gethan,“ ſagte Mr. Wegg vorſichtig.„Aber es wäre
wohl möglich, daß ich es thäte. Man kann nicht ſagen, was man nicht noch eines Tages zu thun im Stande wäre.“(Dies ſagte er, um ſich nicht den etwaigen Vor⸗ theil entſchlüpfen zu laſſen, den er aus Mr. Boffin's Bekenntniß ziehen dürfte.)
„Nun,“ wiederholte Mr. Boffin,„ich hörte ihm und Euch zu. Und was— Ihr habt nicht etwa noch einen Stuhl, wie? Ich bin ein wenig kurzathmig.“
„Ich habe keinen zweiten Stuhl, aber dieſer hier ſteht Ihnen zu Dienſten,“ ſagte Wegg, den Stuhl dar⸗ bietend.„Es iſt mir ein Vergnügen, zu ſtehen.“
„Ei!“ rief Mr. Boffin, in einem Tone großen Be⸗ hagens, wie er ſich, noch immer den Stock wie einen Saͤugling an ſeine Bruſt drückend, auf dem Stuhle nie⸗ derließ,„dies iſt ein allerliebſter Ort! Und dann auf
beiden Seiten von dieſen Liedern eingeſchloſſen zu ſein,
wie von ein Paar Scheuklappen von Bücherblättern!
Ei, es iſt charmant!“
keit auf ſeinem Stuhle niederließ,„es iſt nicht ein Name,
Sir, bei dem ich mich von Jemand anreden hören möchte,
für den ich Achtung hegte; doch mag es Leute geben, welche die Sache nicht aus demſelben Geſichtspunkte an⸗-
„Wenn ich nicht irre, Sir,“ ſagte Mr. Wegg, indem er ſich mit einer Hand auf ſeinen Ladentiſch ſtützte und ſich zu Mr. Boffin hinüberbeugte,„ſo ſagten Sie etwas von einem Anerbieten, das Sie mir zu machen hätten?“


